# taz.de -- Ikea-Ansiedlung: Der Altonaer Elchtest beginnt
> Während das Bürgerbegehren über die City-Filiale des schwedischen
> Möbelriesen anläuft, formieren Ikea-Gegner den Widerstand gegen das
> Einrichtungshaus.
(IMG) Bild: Wohnt hier bald Ikea? Die Bürger werden es entscheiden.
In Hamburg-Altona beginnt der Endspurt um die Entscheidung über den Bau der
umstrittenen Ikea-Filiale an der Großen Bergstraße. Bis zum 19. Januar
entscheiden die Altonaer per Bürgerentscheid darüber, ob das Möbelhaus
gebaut wird. Während gestern die Verschickung der Briefwahlunterlagen zum
Ikea-Bürgerentscheid an rund 186.000 Wahlberechtigte des Bezirks begann,
verteilten Aktive der Initiative "Kein Ikea in Altona" und die Linkspartei
im gesamten Bezirk 70.000 Flyer.
CDU, SPD und GAL hatten angekündigt, das Ergebnis des Bürgerentscheids in
jedem Fall zu akzeptieren. Bei einer Mehrheit gegen das Projekt würden alle
Planungen eingestellt. Die drei Parteien hatten sich im Vorfeld für den
Neubau ausgesprochen, erhoffen sich eine Wiederbelebung der Großen
Bergstraße. Ikea hatte im Juli 2009 das teils leerstehende Frappant-Gebäude
gekauft. Die Eröffnung der siebenstöckigen City-Filiale ist für 2012
geplant. Für den Initiator des Bürgerentscheids "Pro Ikea", Klaus-Peter
Sydow, ist es die letzte Chance, "den Niedergang der Großen Bergstraße zu
beenden". Die Initiative hatte mehr als 5.500 Unterschriften gesammelt und
so den Bürgerentscheid ermöglicht.
Die Gegner des Möbelhauses befürchten hingegen eine starke Zunahme des
Verkehrs sowie einen Anstieg der Mieten rund um die Große Bergstraße und
damit die Verdrängung sozial schwächerer Anwohner. "Ikea hüllt sich über
seine genauen Pläne in Schweigen und auch die Leute vom
Pro-Ikea-Bürgerentscheid lassen die Bevölkerung über die Folgen der
Ansiedlung im Unklaren", beklagt Anti-Ikea-Aktivist Christoph Twickel.
Offensichtlich solle die Bevölkerung bei dem Bürgerentscheid mit einer
tendenziös formulierten Fragestellung überrumpelt werden.
Dass Twickel und Co den von ihnen angestrebten zweiten Bürgerentscheid zur
Ikea-Ansiedlung noch durchsetzen, gilt als unwahrscheinlich. Selbst wenn
sie die dafür notwendigen Unterschriften zusammentragen können, gilt als
sicher, dass der Senat nach einem für Ikea erfolgreichen Bürgerentscheid
kein zweites Bürgervotum zulässt. Er würde in diesem Falle das
Planverfahren an sich ziehen, um weitere Verzögerungen zu vermeiden.
Gegen eine solche Evokation wendet sich "Kein Ikea in Altona". "Die CDU hat
öffentlich erklärt, der Bezirk lasse sich die Zuständigkeit nicht durch den
Senat aus der Hand nehmen", sagt Mitinitiator Robert Krause. Zu diesem Wort
müsse die Partei stehen.
Die bedingungslose Investorenfreundlichkeit habe "die Sorge um das
Gemeinwohl ersetzt", sagt Twickel. Künstler und Stadtteilaktivisten würden
sich den "Ja-Sagern" entgegenstellen, die auf positive Effekte durch
private Investoren setzen würden, um problematische Räume zu beseitigen.
Den Ikea-Gegnern zufolge soll das Frappant-Gebäude auch künftig ein
soziales und kulturelles Zentrum bleiben. Unter dem Motto "Vom Kaufhaus zum
Stadthaus" schlagen sie vor, es zu erhalten und genossenschaftlich zu
entwickeln, auch um die Ateliers für 130 Künstler zu sichern.
29 Dec 2009
## AUTOREN
(DIR) Lena Kaiser
(DIR) Marco Carini
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