# taz.de -- Schneegestöber Teil 4: Bremsen sollen schön die anderen
> Der Volkspark Friedrichshain ist so was wie die viel befahrene Autobahn
> der Rodler.
(IMG) Bild: Warten auf die freie Piste
Stimmengewirr erfüllt die Luft am Schlittenhügel nördlich des kleinen
Bunkerberges im Volkspark Friedrichshain. Immer wieder nehmen Kinder Anlauf
und rutschen auf dem Bauch nach unten, so glatt ist der Hang.
Wieder hochzukommen, ist schwerer. Regelmäßig fällt ein Kind zwischen
Eisplatten und blankpolierter Erde auf die Nase und segelt den Hang
hinunter. Und immer wieder kommen herrenlose Schlitten vorbeigeschossen.
Die dreijährige Petra schleift ihre Mutter Susi durch das Getümmel. Am
liebsten würde sie sich sofort bergab stürzen. „Und dann will sie auch noch
immer allein fahren“, sagt die verzweifelte Mutter.
„Bahn frei!“ Marius, der mit seiner Kita-Gruppe hier ist, kräht sich von
ganz oben die Kehle heiser. Er will den Weg, von dem die anderen starten,
als Schanze nutzen. Seine Erzieherin versucht ihn zu stoppen, aber Marius
ist schon unterwegs. Mit einem beängstigenden Krachen setzt sein Schlitten
wieder auf dem Eis auf. Bernd, der Opa eines der Kinder, sagt: „So von der
Schwierigkeitsstufe ist das schon ganz nett.“ Noch weiter oben, auf dem
Plateau des kleinen Bunkerberges, steht ein junger Mann und schaut eine
eingezäunte Schlittenstrecke hinunter, die zu einem Eiskanal voller
Wurzelwerk niedergerodelt wurde. Auf halber Höhe zwingt ein zerfetzter
Schlitten zum Ausweichen. Philipp (Name geändert) trainiert hier heimlich.
„Ich muss am Wochenende mit meiner Freundin Schlitten fahren gehen und die
ist der totale Psychopath“, sagt er. Beim Versuch einer Abfahrt wird auch
das taz-Recherchemobil zum Opfer des Hanges.
Aber auf den beiden Bunkerbergen sind auch noch ausreichend verschneite
Pisten versteckt: zwischen den Bäumen hindurch, von einer Serpentine des
Weges auf die nächste. Die Strecken sind kurz, aber extrem schnell. Und das
Mäuerchen, das die Wege begrenzt, lässt sich als steißbeinzersetzender
Schanzentisch nutzen. Über weitere Wege, Schanzen und Abfahrten führt die
persönliche Idealroute dann bis nach ganz unten.
Das für das Wochenende angekündigte Schneechaos hat der Volkspark
Friedrichshain dringend nötig. So belebt und entsprechend abgefahren wie
dieser sind wenige Schlittenhügel in der Stadt. Kein Wunder: Der Volkspark
liegt zentral, ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, und
dass man zum Après-Ski nicht einmal in die umliegenden Kneipen muss,
beweisen zahlreiche Sekt- und Schnapsflaschen sowie ein selbstgebauter
Grill direkt am Rodelhang. MARTIN SCHWARZBECK
8 Jan 2010
## AUTOREN
(DIR) Martin Schwarzbeck
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