# taz.de -- Härte gegen Bürgerrechtler: China verschärft Repression
       
       > Chinas Regierung hat seine Repressionen gegen Bürgerrechtler verschärft.
       > Der bekannte Anwalt Gao Zhisheng ist verschwunden, Schriftsteller Zhao
       > Zhiying inhaftiert.
       
 (IMG) Bild: Es trifft auch Journalisten: Kontrolle auf dem Platz des Himmlichen Friedens.
       
       PEKING taz Einst ehrten Chinas Behörden ihn als einen der "zehn besten
       Anwälte Chinas". Dann ließen sie ihn foltern und am Ende verschwinden: Gao
       Zhisheng. Fast ein Jahr ist es her, seitdem der 45-jährige Jurist am 4.
       Februar von mindestens sieben Polizisten mit einem schwarzen Sack über dem
       Kopf entführt wurde. Nun fehlt jede Spur von ihm. Freunde fürchten das
       Schlimmste, nachdem Beamte dem Bruder Gaos mitteilten, der Anwalt habe sich
       "am 25. September verlaufen und wird seither vermisst".
       
       Gao hatte sich in den vergangenen Jahren einen Ruf als unerschrockener
       Bürgerrechtler gemacht. Er verteidigte trotz heftiger Schikanen durch die
       Behörden Falun-Gong-Anhänger, Bittsteller und Anhänger verbotener
       Hauskirchen. Nach einer früheren Verhaftung im September 2007 hatte er in
       einem heimlich ins Ausland geschmuggelten Brief beschrieben, wie er von
       Geheimpolizisten mit Schlägen und Elektroschocks gequält worden war.
       Bereits 2005 hatte er einen offenen Brief an Staats- und Parteichef Hu
       Jintao und Premier Wen Jiabao geschrieben, in dem er ein Ende der
       Falun-Gong-Verfolgung forderte. Daraufhin wurde er aus der Kommunistischen
       Partei geworfen und seine Kanzlei geschlossen.
       
       Anfang 2009 flüchteten Gaos Ehefrau und seine Kinder mit Hilfe von
       christlichen Gruppen ins Ausland - ohne sein Wissen, wie sie betonten. Sie
       haben in den USA Asyl beantragt.
       
       Das Verschwinden Gaos fällt in eine Zeit, in der sich die Repressionen
       gegen chinesische Bürgerrechtler und Regierungskritiker deutlich
       verschärfen. Wie gestern bekannt wurde, hat ein Gericht in Südchina einen
       der Studentenaktivisten der Tiananmen-Demonstrationen 1989, Zhou Yongjun,
       vergangene Woche zu neun Jahren Haft verurteilt. Die Behörden warfen ihm
       Betrug vor, weil er mit einem gefälschten Pass nach Hongkong eingereist
       sei. Der Fall hatte Aufsehen erregt, weil Zhou rechtswidrig aufs
       chinesische Festland verschleppt worden war.
       
       Nach der Verurteilung des Ehrenpräsidenten des unabhängigen
       PEN-Schriftstellerverbands von China, Liu Xiaobo, am ersten Weihnachtstag
       zu einer elfjährigen Haftstrafe, verschleppten Polizisten in der Stadt
       Shenzhen vor wenigen Tagen den Schriftsteller Zhao Zhiying aus seiner
       Wohnung und konfiszierten seine Computer und Dokumente. Der Autor, der
       unter dem Namen Zhao Dagong schreibt, ist seit 2009 PEN-Generalsekretär und
       zählte zu den ersten 303 Unterzeichnern des politischen Reformappells
       "Charta 08".
       
       Liu sitzt im Gefängnis, weil er zu den Verfassern der "Charta 08" gehört
       und sechs Artikel im Internet veröffentlicht hat, die nach Ansicht der
       Behörden zur "Untergrabung der Staatsgewalt" aufforderten. Schriftsteller,
       Nobelpreisträger und Regierungen aus aller Welt haben sich für Lius
       Freilassung eingesetzt. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle hatte
       sich bei seinem Peking-Besuch in der vergangenen Woche für Liu verwendet.
       
       20 Jan 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jutta Lietsch
       
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