# taz.de -- Als Arzt in Haiti: "Wir würden sofort zurückfahren"
       
       > Was erleben die Helfer in Haiti? Der Arzt Klaus Runggaldier flog am Tag
       > nach dem Beben nach Port-au-Prince. Das Wichtigste ist, dass die Hilfe
       > langfristig funktioniert, sagt er.
       
 (IMG) Bild: Fühlen sich auch machmal hilflos: Mitarbeiter von Hilfsorganisationen in Haiti.
       
       taz: Herr Runggaldier, wie waren Ihre ersten Eindrücke von der Situation in
       Haiti? 
       
       Klaus Runggaldier: Der erste Eindruck war noch nicht einmal der schlimmste.
       Wir sind nachts in Port-au-Prince angekommen, alles war dunkel, und die
       Stadtteile, durch die wir zu unserer Unterkunft gefahren sind, waren nur
       wenig zerstört. Am nächsten Morgen sind wir dann in die Stadt gefahren, nur
       500 Meter weiter, dort war es verheerend.
       
       Hatten Sie sich die Situation so schlimm vorgestellt? 
       
       Nein. Wir hatten vorher nur sehr wenige Informationen. Uns hat vor allem
       das schiere Ausmaß überrascht. Das kann man sich nicht vorstellen, wenn man
       es nicht gesehen hat.
       
       Kann man sich auf so etwas vorbereiten? 
       
       Nein. Letztendlich weiß man nie, was einen erwartet, aber vielleicht war
       das gut. Wir sind sehr schnell nach dem Beben nach Haiti gefahren, dadurch
       blieb uns wenig Zeit zum Überlegen.
       
       Haben Sie gezögert, ob Sie mitgehen sollen? 
       
       Irgendwer muss ja dorthin, aber ich habe das vorher natürlich mit meiner
       Familie abgeklärt.
       
       Haben Sie so etwas schon mal erlebt? 
       
       Nein, in dieser Dimension nicht. Gottlob hatte ich vorher immer leichtere
       Aufgaben, vor allem im Bereich der Prävention.
       
       Wie war die Situation für Sie als Helfer vor Ort? 
       
       Wir haben im Elternhaus eines haitianischen Kollegen geschlafen. Das war
       noch relativ intakt und sicher. Auch wir Helfer mussten uns dort erst mal
       organisieren, Fahrzeuge, Diesel und Strom auftreiben.
       
       Was haben Sie denn gegessen? 
       
       Manchmal gab es im UN-Hauptquartier eine warme Mahlzeit, das Abendessen
       bestand aber fast immer aus Erdnüsse oder Crackern. Trotzdem: Uns ging es
       gut. Wir hatten ein Dach und vor allem hatten wir Wasser. Ein Höhepunkt des
       Tages war es, in die Unterkunft zu kommen, sich den Schweiß abzuwaschen und
       die Bilder aus dem Kopf zu spülen.
       
       Was waren Ihre Aufgaben? 
       
       Zunächst haben wir versucht, die Lage für die Helfer, die nach uns kamen,
       vorzubereiten. Dann haben wir einen Platz gesucht, an dem wir konkret
       helfen können. Wir hatten ja lauter erfahrene Mediziner dabei. In
       Port-au-Prince haben wir ein zerstörtes Krankenhaus wieder in Betrieb
       genommen und später vor allem Informationen gesammelt.
       
       Was braucht die Bevölkerung denn am dringendsten? 
       
       Schwierig zu sagen, am Flughafen hängt noch viel in der Warteschleife. Auf
       jeden Fall Wasser, dann Hygiene und Sanitäres zur Seuchenvermeidung, und
       sicherlich auch Ernährung. Vor allem aber muss die Hilfe auch langfristig
       weiterfunktionieren. Im Moment haben wir noch viel Aufmerksamkeit in den
       Medien, aber in drei, vier Wochen ist das bestimmt anders. Dann geht es
       dort aber erst so richtig los, und genau dann werden auch die Weichen
       gestellt, ob Haiti eine bessere Zukunft hat.
       
       Kann das Beben dann sogar eine Chance für Haiti sein? 
       
       Wenn man versucht, langfristig etwas zu tun, dann schon. Wir als
       Hilfsorganisation werden versuchen, unseren Teil dazu beizutragen. Aber das
       wird nicht reichen, auch die ganz Großen, die USA und die Länder in Europa,
       müssen mitspielen.
       
       Haben Sie sich als Helfer manchmal hilflos gefühlt? 
       
       Auf jeden Fall. Man kann eben nicht alles machen und nicht jedem helfen,
       teilweise waren wir deshalb sehr frustriert. Jetzt höre ich aber von
       Geburten, ich sehe Bilder von Menschen in Haiti, die nach vorne sehen,
       deren Gesichter nicht mehr nur apathisch sind. Das ist eine gute Motivation
       für uns alle.
       
       Wie geht es Ihnen, seit Sie wieder zurück sind? 
       
       Den Umständen entsprechend gut. Ich bin ein bisschen leer, aber das ist
       normal, weil man sehr viel arbeitet, bis die Ablösung kommt. Jetzt fordert
       der Körper das zurück. Man schläft viel und versucht das Erlebte
       abzuschließen.
       
       Werden Sie wieder nach Haiti fahren? 
       
       Im Moment ist nichts geplant, aber meine Kollegen und ich sind uns einig,
       dass wir sofort wieder zurückfahren würden.
       
       27 Jan 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christoph Gurk
       
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