# taz.de -- Kommentar Windenergie: Falsche Brücke Atomkraft
> Wenn Union und FDP den Erneuerbaren wirklich eine Brücke in die Zukunft
> bauen wollen, dann kann das nur in einem schnellen Ausbau der Stromnetze
> bestehen.
Wenn die Bundesregierung für längere Laufzeiten der Atomkraftwerke wirbt,
bemüht sie gerne das Bild von der "Brückentechnologie": Atomkraft sei die
Brücke, die den Übergang zur Versorgung mit erneuerbaren Energien
ermöglicht. Bis diese leistungsfähig genug sind, sollen die Reaktoren
weiterlaufen, und die Atom-Gewinne sollen neue Techniken finanzieren.
Die jüngste Bilanz der Windenergiebranche zeigt, wie verkehrt dieses Bild
ist. Unbeeindruckt von Finanz- und Wirtschaftskrise hat sich der Ausbau
deutlich beschleunigt. Dass mehr und immer leistungsfähigere Windräder
aufgestellt werden, beweist, dass es der Branche weder an Investoren noch
an Technologie mangelt. Eine Brücke namens Atomkraft braucht sie nicht, um
weiter zu wachsen.
Was das weitere Wachstum der Branche bedroht, ist etwas ganz anderes: Es
mangelt an Netzen, mit denen der Windstrom aus Norddeutschland nach Süden
transportiert werden kann. Die vorhandenen Kapazitäten reichen nicht aus -
und sie sind zudem oft blockiert durch unflexible Großkraftwerke, die nicht
einfach heruntergefahren werden können. Darum müssen Windräder teilweise
abgeschaltet werden, wenn der Wind besonders kräftig weht.
Wenn Union und FDP den Erneuerbaren also wirklich eine Brücke in die
Zukunft bauen wollen, dann kann das nur in einem schnellen Ausbau der Netze
bestehen. Die Atomkraftwerke sind dabei keine Hilfe, sondern ein Hindernis.
Um im Bild zu bleiben: Wie träge Lastwagen blockieren sie die zu schmale
Brücke - die Netze - und beschränken den Platz für die Erneuerbaren. Meint
es die Regierung mit ihrem angekündigten Energiekonzept ernst, wird sie
sich dieser Tatsache nicht verschließen können.
27 Jan 2010
## AUTOREN
(DIR) Malte Kreutzfeldt
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