# taz.de -- Kommentar Sarkozy: Sieg für den Spielverderber
       
       > Nach dem Freispruch von Villepin steht Frankreichs Präsident Sarkozy am
       > Pranger. Er muss nun mit einem ernsthaften politischen Gegner in den
       > eigenen Reihen rechnen.
       
       In seiner Wahlkampagne hatte sich Nicolas Sarkozy immer wieder als Opfer
       einer Verleumdungskampagne aufgespielt. Die Drahtzieher des Komplotts
       vermutete er im eigenen Lager. Der Chefintrigant musste zwangsläufig sein
       Rivale Dominique de Villepin sein, der ja im Unterschied zu ihm selber die
       Gunst von Präsident Jacques Chirac besaß. Nun haben sich die Rollen
       vertauscht: Nach dem Freispruch von Villepin steht Sarkozy am Pranger. Der
       vom Gericht rehabilitierte Ex-Premierminister dagegen erscheint als Opfer.
       
       Im Urteil wurde ihm bescheinigt, er sei von Duo Gergorin-Lahoud
       "instrumentalisiert" worden. Wer hat also am Ende wen verleumdet? Noch
       während der Gerichtsverhandlungen hatte Sarkozy in einem signifikanten
       Versprecher statt von Angeklagten von den "Schuldigen" gesprochen. So
       sicher war er, dass das Gericht seinen Vorstellungen gemäß entscheiden
       würde.
       
       Die Folgen des Reinfalls sind für Sarkozy absehbar. Er muss nun mit einem
       ernsthaften politischen Gegner in der eigenen politischen Familie rechnen,
       der ihm die Aussicht für eine fast ungefährdete Wiederwahl 2012 gründlich
       verderben kann. Der mindest ebenso ehrgeizige Villepin macht kein Geheimnis
       daraus, dass er an Stelle des Kalifen Kalif werden will. Ob diese Rechnung
       aufgehen kann ist ungewiss, aber jedenfalls wird er nun für Sarkozy zu
       einem ärgerlichen Spielverderber.
       
       Im bürgerlichen Lager haben sich in der Debatte über das Burka-Verbot, mehr
       noch aber in der Steuerreform und in der Haushaltpolitik Risse
       abgezeichnet. Und so manche rechte Sarkozy-Fans kritisieren mittlerweile
       ungeniert das egozentrische Machtgebahren des Staatschefs. Bisher aber
       fehlte diesen Dissidenten ein führender Kopf, der es sich leisten kann,
       Sarkozy die Stirn zu bieten. Mit dem Clearstream-Prozess, der nur auf
       Drängen von Sarkozy überhaupt zustande kam und diese unerhörte Beachtung
       fand, hat sich der Präsidenten selber einen unerbittlichen und auf Revanche
       sinnenden Feind aufgebaut.
       
       28 Jan 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Rudolf Balmer
       
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