# taz.de -- Mossad-Attentat in Dubai: Killerkommando mit gefälschten Pässen
       
       > Die Briten haben Israels Botschafter einbestellt. Grund ist ein Attentat
       > auf einen Waffenschieber. Die mutmaßlich israelischen Killer nutzten
       > gefälschte Pässe, deren Namensgeber nun um ihr Leben bangen.
       
 (IMG) Bild: Zwei der mutmaßlichen Attentäter vor dem Lift: Polizei-Fahndungsbild.
       
       JERUSALEM/LONDON/BERLIN dpa/afp/taz | Nach dem Mordkomplott gegen den
       Hamas-Anführer Mahmud Abdel Rauf el Mabhuh in Dubai hat London den
       israelischen Botschafter ins Außenministerium einbestellt. Ron Prosor werde
       am Donnerstag zu Gesprächen über die Nutzung britischer gefälschter Pässe
       bei dem Komplott im Außenministerium erwartet, sagte eine Sprecherin des
       Amtes am Mittwoch.
       
       Premierminister Gordon Brown hatte zuvor eine "umfassende Untersuchung"
       angekündigt. Bei dem Komplott, hinter dem der israelische Geheimdienst
       Mossad stehen soll, waren insgesamt sechs britische, drei irische sowie ein
       deutscher und ein französischer Pass im Einsatz.
       
       Die Veruntreuung britischer Pässe sei eine "sehr ernste" Angelegenheit,
       sagte die Sprecherin. Auch Irland verschärfte im Zusammenhang mit den
       gefälschten Pässen den Ton. Es gebe neue Informationen, die bestätigten,
       dass es sich bei den drei gefälschten irischen Pässen um tatsächlich
       existierende Passnummern irischer Bürger handle, sagte Irlands
       Außenminister Michael Martin. Die irischen Behörden bemühten sich daher
       "dringend" um einen Kontakt mit den Bürgern.
       
       Der Hamas-Waffenschieber Mabhuh war am 20. Januar bei einem Anschlag im
       Hotel Bustan Rotana in Dubai umgebracht worden. Er wird von Israel für die
       Entführung und Ermordung zweier israelischer Soldaten zu Beginn des ersten
       Palästinenseraufstandes Intifada (1987-1993) verantwortlich gemacht.
       Israelische Geheimdienstkommandos nutzten bereits mehrfach gefälschte
       ausländische Pässe.
       
       Die Polizei in Dubai ist sich sicher, das mutmaßliche Killerkommando mit
       Überwachungskameras aufgenommen zu haben. Die Attentäter sollen demnach in
       verschiedenen Hotels eingecheckt haben – und sich mit falschen Bärten und
       Perücken verkleidet haben.
       
       Bereits 19 Stunden nach ihrer Ankunft in Dubai sollen die elf Männer und
       Frauen das Land wieder verlassen haben. Seit dem sucht die Polizei von
       Dubai nach ihnen, leitete die Namen auch an Interpol weiter, um sie
       verhaften zu lassen.
       
       Im Gazastreifen protestierten bereits tausende Hamas-Anhänger und kündigten
       Vergeltung für den Mord an Mabhuh an. Die Entscheidung, Mabhuh zu rächen,
       sei getroffen worden, sagte ein Sprecher des bewaffneten Arms der Hamas vor
       der protestierenden Menge. "Alles, was die Mörder nun tun müssen, ist
       warten", sagte er und fügte in Anspielung auf die Israelis hinzu: "Wir
       werden ihnen nicht sagen, wo und wie wir zuschlagen."
       
       Israel hat erwartungsgemäß die Vorwürfe zurückgewiesen, wonach der
       israelische Geheimdienst Mossad hinter der Ermordung steckt. Auch habe der
       Mossad keine Pässe oder Identitäten britischer Bürger benutzt, sagte
       Außenminister Avigdor Lieberman am Mittwoch. Dies könne auch ein anderer
       Geheimdienst oder ein anderes Land gewesen sein.
       
       In einem Fall nutzten die Täter die Identität eines Mannes mit deutschem
       Pass, wie es von der Polizei Dubai hieß. Michael Bodenheimer entpuppte sich
       nun aber als streng religiöser amerikanischer Jude. Er lebt nach
       israelischen Medienberichten in Bnei Brak, einem Vorort von Tel Aviv, und
       besucht dort eine Religionsschule. Die Familie gab an, mit Politik nichts
       zu tun zu haben.
       
       Der deutsche Bundesnachrichtendienst BND wollte sich auf Anfrage nicht zu
       den Vorgängen äußern. Das Bundeskriminalamt ist nach den Worten einer
       Sprecherin als Zentralstelle der deutschen Polizei gegenüber Interpol mit
       dem Fall befasst. "Wir stehen im Informationsaustausch mit der Polizei in
       Dubai", sagte sie.
       
       Andere Betroffene, sechs auf der Täterliste stehende Briten, leben seit
       Jahren in Israel. Sie beteuerten ihre Unschuld und reagierten verärgert und
       empört auf den Diebstahl ihrer Identität. Einer der Männer äußerte sich
       besorgt, dass er und seine Familie Opfer eines Vergeltungsanschlags werden
       könnten.
       
       Nach Angaben israelischer Medien soll der getötete Al-Mabhuh
       Waffenlieferungen in großem Stil in den von der radikal-islamischen Hamas
       kontrollierten Gazastreifen organisiert haben. Allerdings soll sich
       Al-Mabhuh auch viele Feinde in der arabischen Welt, darunter in Ägypten und
       Jordanien, gemacht haben.
       
       18 Feb 2010
       
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