# taz.de -- Kommentar Forbes-Liste: Reicher als 1.000 Milliardäre
       
       > Ein Blick auf die Herkunft der Superreichen ist spannend – vor allem
       > China fällt auf, und die USA sind nicht mehr vorn. Den Armen auf der Welt
       > hilft das freilich gar nichts.
       
       Es gibt wieder mehr als 1.000 Milliardäre auf der Welt. Nach der weltweiten
       Finanzkrise war ihre Zahl im vergangenen Jahr stark geschrumpft, ihr
       aufsummiertes Vermögen gar um fast die Hälfte. Nun sind die Superreichen
       wieder da, ihr gesammeltes Vermögen liegt bei geschätzten 3,5 Billionen
       Dollar, fast so viel wie vor der Krise. Das meldet die US-Zeitschrift
       Forbes.
       
       Darüber kann man philosophisch oder auch ärgerlich werden, aber Reiche und
       noch Reichere gab es immer im Kapitalismus. Interessanter sind die Details:
       Die Verteilung der Milliardäre über den Erdball hat sich nämlich über die
       Jahre geändert. So sitzen in Asien inzwischen fast genauso viele
       Großvermögen wie in Europa. Vor allem die Phalanx von 89 chinesischen
       Milliardären fällt auf, Nummer zwei nur noch hinter den USA.
       
       Durch die Krise wurde die Entwicklung noch verstärkt, denn die
       Schwellenländer haben den Abschwung besser überstanden als die
       Industrieländer. Die Finanzmärkte in den Schwellenländern sind inzwischen
       so gut geölt, dass die Anlagemilliarden ganz selbstverständlich auch in die
       dortigen Unternehmen, Börsen und Gewerbeimmobilien fließen. Und aus diesen
       Anlageformen speist sich das Vermögen fast aller Milliardäre.
       
       Den vielen Armen in den Entwicklungsländern hilft es allerdings nur wenig,
       wenn sie nun für den Profit ihrer Milliardärs-Mitbürger schuften statt für
       weit entfernte Magnaten in New York oder London. Sie können den örtlichen
       Reichtum höchstens besser beobachten.
       
       Für die reichen Länder gilt darüberhinaus, dass sie einen wesentlich
       breiteren Unterbau an Millionären haben als die neuen Boomländer. So haben
       die deutschen reichsten zehn Prozent der Bevölkerung ein Vermögen von etwa
       vier Billionen Euro angesammelt, laut einer Studie des Deutschen Instituts
       für Wirtschaftsforschung. Das ist weit mehr als alle Milliardäre der Welt
       zusammen.
       
       Wenn zum Beispiel der deutsche Staat nach Potenzialen zum Stopfen seiner
       Haushaltslöcher sucht, so braucht er weder nach den Reichen in Übersee noch
       nach den Bedürftigen im eigenen Land schielen - es gibt genug Vermögende in
       seinem Hoheitsbereich. Denn eine wirklich sehr interessante Liste fehlt
       noch im alljährlichen Hitparadenreigen: die der Rekordsteuerzahler. Dann
       könnte man vergleichen, ob sich auch dort all die Milliardäre und
       Millionäre angemessen wiederfinden.
       
       11 Mar 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Reiner Metzger
       
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