# taz.de -- Kommentar Vätermonate: Schäubles Armutszeugnis
       
       > Es scheint bloß ein Konflikt zwischen Sozialpolitik und Finanzen zu sein.
       > Doch die Verlängerung der Vätermonate könnte das Leben von Paaren richtig
       > verändern.
       
       Auf den ersten Blick scheint es nur ein Konflikt zwischen Sozialpolitik und
       Finanzen zu sein. In Wirklichkeit jedoch geht es um einen tiefen Wandel in
       der Lebensorganisation von Paaren, wenn jetzt um eine Erweiterung des
       Elterngeldes gestritten wird. Nach dem Referentenentwurf aus dem
       Familienministerium soll es künftig vier statt zwei der sogenannten
       Vätermonate geben. Außerdem soll es länger möglich sein, dass beide Eltern
       gleichzeitig auf Teilzeit gehen und dabei Teilelterngeld beziehen - und
       dies gemeinsam bis zu 14 Monate lang. Bisher ist eine solch
       gleichberechtigte Arbeitsteilung unattraktiv, weil dadurch schon nach
       sieben gemeinsamen Monaten der Anspruch auf Elterngeld verbraucht ist.
       
       Kämen die Neuerungen, die so schon im Koalitionsvertrag vereinbart waren,
       könnte dies also vieles verändern, auch in der Wirtschaft: Unternehmen
       wären damit konfrontiert, dass viele Väter nicht mehr nur zwei, sondern
       vier Monate abwesend sind. Ob man länger aussetzen kann, ohne
       Karriereoptionen einzubüßen, ist eine der ungeklärten Fragen der männlich
       dominierten Unternehmenskultur. Firmen müssten sich überdies damit
       abfinden, dass mehr Männer für ein gutes Jahr auf Teilzeit wechseln wollen,
       um sich mit der gleichfalls verkürzt arbeitenden Partnerin die
       Erziehungsaufgaben zu teilen. Die Erweiterung des Elterngeldes fördert eine
       neue Ökonomie in den Geschlechterrollen. Denn gerade in den kritischen
       Monaten nach der Geburt eines Kindes "traditionalisieren" sich bisher viele
       Paare, weil die Väter Überstunden kloppen und die Mütter im Job aussetzen.
       
       250 Millionen Euro würde das erweiterte Elterngeld zusätzlich kosten.
       Finanzminister Schäuble lehnt den Entwurf mit Verweis auf die verschuldete
       Staatskasse ab - ein Armutszeugnis im doppelten Sinne. Nun spricht man im
       Familienministerium über "Gegenfinanzierungen", also Einsparungen, durch
       die das Elterngeld finanziert werden kann. Das könnte noch heikel werden,
       wenn Sozialleistungen gegeneinander ausgespielt werden. An der Bedeutung
       des Entwurfs ändert dies jedoch nichts.
       
       2 Apr 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Barbara Dribbusch
       
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