# taz.de -- Publizist Kaden verteidigt Deutsche-Bank-Chef: "Anklageschrift ist einseitig"
       
       > Was hat Wolfgang Kaden geritten, beim Bankentribunal des Netzwerks Attac
       > ausgerechnet Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zu verteidigen? Der
       > Journalist nimmt Stellung.
       
 (IMG) Bild: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann findet in Wolfgang Kaden einen Unterstützer.
       
       taz: Herr Kaden, was hat Sie geritten, beim Bankentribunal ausgerechnet
       Josef Ackermann von der Deutschen Bank zu verteidigen? 
       
       Wolfgang Kaden: Als Journalist habe ich ja selber in den vergangenen zwei
       Jahren kritische Beiträge zu den Banken verfasst. Es hat mich intellektuell
       gereizt, sozusagen auf die andere Seite zu springen und mir die Sichtweise
       der Deutschen Bank zu eigen zu machen.
       
       Mit welcher Erkenntnis? 
       
       Es gibt eine ganze Reihe von Argumenten, die dafür sprechen, dass Ackermann
       eine eher positive Rolle in dem ganzen Desaster spielte.
       
       Aha. 
       
       Sie staunen. Immerhin sagt Herr Ackermann selbst, dass die Hauptschuldigen
       die Banken sind. Das ist doch schon mal etwas. Im Übrigen ist die gesamte
       Anklageschrift durch ein hohes Maß an Einseitigkeit gekennzeichnet. Sie ist
       so undifferenziert, dass die Verteidigung viele gute Argumente vertragen
       kann.
       
       Argumentieren Sie jetzt als Verteidiger oder glauben Sie das wirklich? 
       
       Ich sehe das persönlich so. Zum Beispiel heißt es: Es gebe keinen Fall in
       der Geschichte der Bundesrepublik, der ein vergleichbares Ausmaß von
       Demokratieversagen aufweist wie die Rettung der Banken. Diesen Satz finde
       ich schlichtweg Nonsens. Damit wird eine Korrumpierung des Staates durch
       die Banken unterstellt. Im Gegensatz zur Anklageschrift finde ich, dass die
       deutsche Demokratie in der Finanzkrise einen eindrucksvollen Beleg für ihre
       Stabilität und Leistungsfähigkeit geliefert hat. Angela Merkel und Peer
       Steinbrück, unterstützt von Josef Ackermann, haben in der entscheidenden
       Phase dafür gesorgt, dass Schlimmeres verhindert wurde.
       
       Wenn nicht Ackermann - wer sonst sollte Ihrer Meinung nach für die Krise
       verantwortlich gemacht werden? 
       
       Wir verengen den Blick zu sehr, wenn wir einen einzelnen Banker
       herausgreifen. Es wird verkannt, dass dieses Desaster auf eine
       gesellschaftliche Entwicklung zurückzuführen ist, die sehr viel mit
       Maßlosigkeit zu tun hat. Die Schuldenwirtschaft haben wir alle über Jahre
       hinweg betrieben.
       
       Aber steht Ackermann nicht symbolisch genau für eine solche Entwicklung? 
       
       Ich verstehe ja, dass es plakativ ist, einen einzelnen Banker
       herauszugreifen. Aber wenn man schon jemanden anklagen will, würde ich
       einen angelsächsischen Banker nehmen.
       
       Sie plädieren für ein internationales Tribunal? 
       
       Zumindest ist das Tribunal an diesem Wochenende in Berlin eine Verengung
       auf den nationalen Blick, die angesichts der globalen Ursachen dieser Krise
       nicht zulässig ist. Was hätten denn die deutschen Politiker gegen die
       ausufernde Liberalisierung der internationalen Finanzmärkte in den
       vergangenen 20 Jahren machen sollen? London und Washington haben sie
       vorangetrieben. Die Deutschen mussten nachziehen, um die heimischen Banken
       nicht nachhaltig zu schwächen.
       
       Was es nicht besser macht. 
       
       Die Deutschen haben sich nicht durchsetzen können, weil die anderen nicht
       mitmachten. Aber der Wille war da.
       
       Wenn Sie auch als Verteidiger agieren, nehmen Sie doch immerhin teil an dem
       von Attac organisierten Bankentribunal. Warum? 
       
       Ich bin enttäuscht von der Anklageschrift. Grundsätzlich finde ich aber
       gut, dass es eine öffentliche Auseinandersetzung gibt. Meine Hoffnung ist,
       dass es auf diesem Tribunal nicht zu einseitig wird, sondern sich offen
       auseinandergesetzt wird.
       
       9 Apr 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Felix Lee
       
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