# taz.de -- Atom-Gipfel in Washington: Netanjahu sagt Teilnahme ab
       
       > Weil Israels mutmaßliches Atomwaffenarsenal auf dem Gipfel zum Thema
       > gemacht werden soll, bleibt Ministerpräsident Netanjahu lieber zu Hause.
       > Israels Regierung kritisert, der Gipfel werde "missbraucht".
       
 (IMG) Bild: Bibi Netanjahu hat keine Lust, sich mit den arabischen Vertretern auf dem Gipfel in der US-Hauptstadt zu streiten.
       
       JERUSALEM rtr/dpa | Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu
       hat seine Teilnahme an dem internationalen Gipfel zur Atomsicherheit Anfang
       kommender Woche in Washington abgesagt. Offiziell wurden keine Gründe
       mitgeteilt. Israelische Medien berichteten jedoch, dass bei der Konferenz
       massive Kritik am israelischen Atomprogramm befürchtet werde. Anstelle
       Netanjahus soll Geheimdienst- und Atomenergieminister Dan Meridor an der
       Konferenz teilnehmen. Israel gilt seit Jahren als Atommacht, obwohl es den
       Besitz von Nuklearwaffen offiziell nie bestätigt hat.
       
       Es werde erwartet, dass eine Gruppe muslimischer Staaten unter Führung
       Ägyptens und der Türkei die israelische Regierung zur Unterzeichnung des
       Atomwaffensperrvertrags drängen wolle, berichtete die israelische
       Tageszeitung Haaretz in der Nacht zum Freitag online unter Berufung auf
       Regierungskreise.
       
       Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Mike Hammer,
       bestätigte die Absage Netanjahus. Zugleich begrüßte er die Teilnahme
       Meridors. "Israel ist ein enger Verbündeter und wir freuen uns darauf, die
       enge Zusammenarbeit in Fragen der nuklearen Sicherheit fortzusetzen", sagte
       Hammer nach Berichten des US-Senders CNN in Washington. "Dies ist ein
       Gipfel, der auf die Sicherheit von Nuklearmaterial zielt, und darauf
       ausgerichtet ist, die Teilnehmerstaaten dazu zu bewegen, praktische
       Maßnahmen zu ergreifen, damit Terroristen keinen Zugriff auf dieses
       Material erhalten."
       
       Zu dem Treffen hat US-Präsident Barack Obama Vertreter aus 43 Ländern
       eingeladen, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der zweitägige
       Gipfel beginnt am kommenden Montag.
       
       Man sei "enttäuscht" von der Entwicklung im Vorfeld der Konferenz, zitierte
       Haaretz ein namentlich nicht genanntes Mitglied der israelischen Regierung.
       "Bei der Konferenz sollte es um den Umgang mit der Gefahr des nuklearen
       Terrors gehen... In den letzten Tagen haben wir aber Berichte über die
       Pläne einiger Teilnehmerstaaten erhalten, von der Frage des Kampfes gegen
       den Terror abzurücken und stattdessen die Veranstaltung dazu zu
       missbrauchen, Israel beim Atomwaffensperrvertrag anzutreiben."
       
       Erst am Donnerstag hatten die USA und Russland mit einem umfangreichen
       Abrüstungsvertrag einen Neubeginn ihrer Beziehungen eingeleitet. Obama und
       sein russischer Kollege Dmitri Medwedew unterzeichneten in Prag den
       Nachfolge-Vertrag zum Start-I-Abkommen, der einen weiteren Abbau ihrer
       strategischen Atomwaffen besiegelt.
       
       Das Verhältnis zwischen Israel und den USA hat sich in den vergangenen
       Monaten indes stark abgekühlt. Netanjahu hatte sich Mitte März in
       Washington mit Obama getroffen. Dabei gaben sich die Politiker weder vor
       laufender Kamera die Hand, noch gab es eine gemeinsame Abschlusserklärung.
       Israelische Beobachter sprachen von einer Demütigung ihres Regierungschefs.
       
       9 Apr 2010
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Zensur im Fall Anat Kam: Israels jüngste Hochverräterin
       
       Israels Armee soll militante Palästinenser gezielt liquidiert und damit
       gegen ein Urteil des Obersten Gerichts verstoßen haben. Die Beweise hierfür
       lieferte Anat Kam.