# taz.de -- Kommentar Israel: Genug geduldet
> Die USA hat Israels Boykott der Friedensbemühungen bislang stets
> geduldet. Jetzt aber zeichnet sich endlich eine veränderte Haltung ab.
(IMG) Bild: Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu besteht auf den Neubau von Wohnungen in Ostjerusalem.
Von einem Schuldigen im Nahostkonflikt zu sprechen, ist aus deutscher Sicht
sehr schwierig. Die uneingeschränkte Solidarität mit Israel ist nicht
hinterfragbar - viel zu oft dient Kritik an Israel hierzulande nur als
trojanisches Pferd für antisemitische Ressentiments. Auch von den USA wurde
Israels Sonderstatus bislang stets unterstützt und nahezu jeder Boykott der
Friedensbemühungen seitens der Israelis geduldet. Jetzt aber zeichnet sich
endlich eine veränderte Haltung ab.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat den Siedlungsstopp in
Ostjerusalem für mindestens weitere vier Monate ausgesetzt. Die
Verweigerungshaltung israelischer Politiker in dieser Frage ist nichts
Neues. Im Gegenteil: Er setzt die störrische und kompromisslose Haltung
seiner Vorgänger bloß fort. Doch weil sie so absehbar und unabänderlich
erscheint, ist die Geduld von US-Präsident Obama nun offensichtlich zu
Ende.
Mit Netanjahus Weigerung, den Forderungen der USA nachzukommen, schadet er
Israel und seinem Standpunkt nicht nur in der internationalen Gemeinschaft.
Auch eine innenpolitische Rechtfertigung seiner Haltung dürfte immer
schwerer für Netanjahu werden.
Nicht nur die Palästinenser, auch viele Israelis würden inzwischen einen
fairen Friedensplan der Amerikaner begrüßen. Deshalb: Bei aller Solidarität
mit Israel - Obama muss handeln. Ein Ende der Geduld mit der israelischen
Führung könnte dann nämlich ein Anfang des Friedens im Nahen Osten werden.
Ausschlaggebend in diesem komplizierten Konflikt dürfen letztlich keine
Tabus sein. Der machthungrigen Rechten muss Eingehalt geboten werden. Zum
Wohle der Israelis und Palästinenser, die auf beiden Seiten unter dem
jahrzehntelangen Konflikt leiden.
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23 Apr 2010
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