# taz.de -- Abstiegsangst im Ruhrgebiet: Herrlich muss gehen
       
       > Der VfL Bochum entlässt unerwartet seinen Cheftrainer Heiko Herrlich. Die
       > Verantwortung für die letzten beiden Saisonspiele übernimmt Darius Wosz.
       > Am Samstag geht´s gegen die Bayern.
       
 (IMG) Bild: Blieb in Bochum letztlich erfolglos: Heiko Herrlich
       
       Bochum dpa | Die Not ist groß, der Zeitpunkt außergewöhnlich. Mit der
       überraschenden Trennung von Trainer Heiko Herrlich will der VfL Bochum
       letzte Kräfte im Abstiegskampf mobilisieren. Nur zwei Spieltage vor dem
       Saisonende beendete der nach zehn sieglosen Spielen auf Rang 16
       abgerutschte Fußball-Bundesligist die Zusammenarbeit mit dem
       Fußball-Lehrer. Statt Herrlich wird der ehemalige Profi Dariusz Wosz das
       Team auf die restlichen Saisonspiele beim FC Bayern München und gegen
       Hannover 96 vorbereiten. "Es geht darum, den Hebel umzulegen und nach dem
       letzten Strohhalm zu greifen. Wir wollen der Mannschaft ein anderes Gesicht
       geben", sagte Sportvorstand Thomas Ernst.
       
       In einer rund 60-minütigen Sitzung am Donnerstagmorgen mit Ernst,
       Vereinschef Werner Altegoer und Finanzvorstand Ansgar Schwenken wurde
       Herrlich Stunden vor dem Mannschaftstraining über die Trennung informiert.
       Damit geht sein erstes Engagement als Chefcoach im Profifußball nach nur
       sechs Monaten abrupt zu Ende. Alle Hoffnungen, auf "herrliche" Zeiten in
       Bochum, erwiesen sich als Wunschdenken.
       
       Zwar blieb das Team unter der Regie des früheren DFB-Trainers zwischen dem
       17. und 24. Spieltag ohne Niederlage, verspielte aber in den Wochen darauf
       den komfortablen Neun-Punkte-Abstand auf einen Relegationsplatz. "Heiko
       Herrlich hat viele positive Dinge angeschoben. Aber am Ende zählt der
       Erfolg", sagte Ernst.
       
       Vor allem die bedenklichen Angriffsleistungen beim 0:2 in Köln und beim 0:2
       gegen Stuttgart gaben zu denken. In beiden Partien erspielte sich der VfL
       insgesamt nur eine Torchance. Neben der sportlichen Talfahrt trugen die
       anhaltenden Schlagzeilen von einem zerrüttenden Verhältnis zwischen Coach
       und Profis zur Klimaverschlechterung bei. So hatte sich Offensivkraft Joel
       Epallé kurz vor der Herrlich-Entlassung öffentlich über die Menschenführung
       von Herrlich beklagt.
       
       Dessen Nachfolger Wosz war in dieser Saison schon einmal als Nothelfer
       eingesprungen. Nach der Trennung von Marcel Koller versuchte er an der
       Seite von Interimscoach Frank Heinemann für gut einen Monat, eine
       Trendwende einzuleiten. Mit dem Amtsantritt von Herrlich am 27. Oktober
       wandte er sich wieder mehr seiner Arbeit als Junioren-Coach zu. "Ich war
       überrascht, habe aber keine Sekunde gezögert, ja zu sagen. Ich will
       versuchen, die Blockade aus den Köpfen der Spieler zu kriegen",
       kommentierte der ehemalige VfL-Profi seine Beförderung zum Interimstrainer.
       
       Wosz wird allerdings keine Dauerlösung sein. Dies schloss Ernst aus: "Wir
       gehen auf jeden Fall mit einem neuen Trainer in die nächste Saison." Für
       die vielen Bedenken, in einer solch entscheidenden Saisonphase auf einen
       Newcomer zu setzen, äußerte Ernst Verständnis: "Natürlich ist das ein
       Risiko. Aber ich weiß nicht, ob man im Abstiegskampf immer unbedingt
       jemanden mit Erfahrung braucht."
       
       29 Apr 2010
       
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