# taz.de -- Proteste gegen Bildungskürzungen: Unistreik wird bestreikt
       
       > Kommende Woche wollen Schüler und Studierende wieder für bessere Bildung
       > protestieren. Doch diesmal scheint die Streiklust eher gering zu sein.
       
 (IMG) Bild: So machtvoll wie im vergangenen Jahr wird der Bildungstreik vermutlich nicht werden.
       
       BERLIN taz | Im ganzen Land stehen Haushaltskürzungen bevor. Auch
       Einsparungen bei der Bildung sind möglich. Am Donnerstag rief daher das
       Bildungsstreik-Bündnis Schüler, Studierende und Auszubildende auf, gegen
       die aktuelle Bildungspolitik und eventuelle Kürzungen zu demonstrieren. In
       der kommenden Woche vom 7. bis zum 12. Juni soll es bundesweit Proteste
       geben. Doch gerade jetzt ist ungewiss, ob die Bildungsstreiker viele junge
       Menschen mobilisieren können.
       
       "Wir wurden von den angekündigten Bildungskürzungen etwas überrollt", sagt
       die Abiturientin Hannah Eberle. Doch sie gibt sich optimistisch: "Wir
       hoffen, dass sich daraus jetzt eine Dynamik entwickelt."
       
       Am Wochenende will sich die schwarz-gelbe Koalition auf der Klausurtagung
       in Meseberg bei Berlin auf Sparvorschläge einigen. Bildungskürzungen sind
       wahrscheinlich. Die Erhöhung des Bafög wurde am Donnerstag im Bundesrat
       bereits blockiert.
       
       Andreas Keller vom Vorstand der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft
       (GEW) ist alarmiert: "Wir bräuchten sieben Prozent des Bruttoinlandprodukts
       für Bildung. Jetzt droht ein Rückschritt."
       
       Die Schüler und Studenten wollen daher mit Bildungscamps, Flashmobs,
       Fahrradkolonnen und einer bundesweiten Großdemonstration am 9. Juni gegen
       Kürzungen und für die Demokratisierung der Hochschulen demonstrieren. Der
       erste Streik in Kiel lief gut an, rund 2.000 Schüler demonstrierten am
       vergangenen Mittwoch gegen die Sparpläne der schwarz-gelben Regierung.
       
       Doch es gibt auch Hinweise, dass die Mobilisierung schleppend verläuft.
       Viele Studierende scheinen nach zwei Semestern Protest streikmüde. Andere
       haben nicht einmal mitbekommen, dass in der nächsten Woche gestreikt wird.
       Zudem steht an den Universitäten die Prüfungszeit bevor, und in eineinhalb
       Monaten beginnen die Schul- und Semesterferien. Auch die
       Medienaufmerksamkeit ist gesunken, zur Pressekonferenz des Streikbündnisses
       kamen drei Journalisten.
       
       In vielen Städten begann die Mobilisierung erst in dieser Woche. Die
       Aktivisten plakatieren, verteilen Flyer und starten Aufrufe in sozialen
       Netzwerken wie Facebook, SchülerVZ und StudiVZ. Vollversammlungen an den
       Universitäten sollen in der kommenden Woche weitere Studierende
       mobilisieren.
       
       "In einigen Städten läuft es bisher gut, in anderen könnte auch gar nichts
       laufen", sagt Peter Grottian. Der Politikprofessor an der Freien
       Universität Berlin berät das Bildungsstreik-Bündnis. Grottian befürchtet,
       dass die Dynamik ausbleibt und der Protest nicht um sich greift.
       
       Auch eine Bildungsstreikerin aus Bayern ist skeptisch: "Wenn ich mir die
       Studierenden anschaue, dann glaube ich nicht, dass es ein zweites Wien
       gibt." Von Wien ging der jüngste Bildungsprotest aus. Im vergangenen Sommer
       kamen zur bundesweiten Großdemonstration 270.000 Menschen.
       
       In Herbst besetzten Studierende zeitweise bis zu 80 Hochschulen. Die
       Studierenden geben sich kämpferisch. Selbst wenn Kürzungen angekündigt
       werden, wollen sie weitermachen, bis sich etwas verbessert.
       
       4 Jun 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Laurence Thio
       
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