# taz.de -- Weimar und das iranische Schiraz: Das Ende einer Partnerschaft
> Weimar hat Gäste aus der iranischen Partnerstadt Schiraz und besteht auf
> einen Besuch der KZ-Gedenkstätte Buchenwald. Die Iraner lehnen ab, der
> Stadtrat legt die Beziehung auf Eis.
(IMG) Bild: Das Eingangstor von Buchenwald: Hierhin wollen die Iraner offiziell nicht gehen.
BERLIN taz | Die Städtepartnerschaft zwischen der iranischen Stadt Schiraz
und Weimar könnte zu Ende sein, bevor sie überhaupt begonnen hat. Der
Grund: Am Mittwoch hatte eine Delegation iranischer KommunalpolitikerInnen
einen Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald abgelehnt.
Daraufhin sagte der Weimarer Stadtrat ein geplantes Treffen mit den
iranischen Gästen ab.
Weimars Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD) erklärte gegenüber der
Thüringer Allgemeinen, dass er weiterhin an einer Städtefreundschaft mit
Schiraz interessiert sei, die Pflege kultureller Beziehungen mit Weimar
seien aber undenkbar „ohne die Einbeziehung Buchenwalds.“
Dabei verbinden tiefe kulturelle Wurzeln die beiden Städte. Goethe ließ
sich beispielsweise für seinen West-Östlichen Diwan von den Schriften des
iranischen Dichters Hafis (1326-1389) inspirieren, der in Schiras lebte und
arbeitete. In Weimar erinnert heute das Goethe-Hafis-Denkmal an diese
geistig-kulturelle Verbindung, 2000 war es von Irans damaligem
Staatspräsidenten Mohammad Khatami und dem früheren Bundespräsidenten
Johannes Rau eingeweiht worden.
Die Städtepartnerschaft zwischen Weimar und Schiraz wurde erst im
vergangenen Jahr gegründet, Bürgermeister Mehran Etemadi und einige
StadträtInnen waren in der vergangenen Woche auf Einladung des Festivals
West-Östlicher Diwan und des Iran-Hauses nun zum ersten Mal in Weimar.
Bereits im Vorfeld des Besuchs hatte der Präsident der KZ-Gedenkstätte
Buchenwald, Dr. Volkhard Knigge, erklärt, ein Besuch der iranischen Gäste
in der Gedenkstätte sei ein "Lackmustest" für jede Form von Freundschaft.
Die iranische Delegation hatte klar gemacht, dass ein protokollarisch
festgelegter Besuch in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald ein Problem sei. Im
Protokoll für den einwöchigen Aufenthalt ist dann auch nichts davon zu
lesen. Dennoch hat die Entscheidung der Iraner, von einer Fahrt nach
Buchenwald abzusehen, dazu geführt, dass die Bemühungen um eine
Städtepartnerschaft nun ausgesetzt wurden.
Beobachter, darunter auch der stellvertretende Direktor der Gedenkstätte
Buchenwald, Rikola-Gunnar Lüttgenau, vermuten, dass politischer Druck von
ganz oben und nicht Antisemitismus oder Leugnung des Holocausts hinter der
Haltung der Besucher stecken. Der iranische Botschafter aus Berlin, Ali
Reza Sheikh Attar, der als Hardliner gilt, begleitete die Delegation, die
bis Sonnabend in Weimar war, obwohl er selbst gar nicht direkt eingeladen
war.
Der Initiator des Festivals West-Östlicher Diwan, Dr. Klaus Gallas, wirbt
um Verständnis für die Besucher: „Die Mitglieder der Delegation gehören der
iranischen grünen Bewegung an.“ Bei einem Besuch der Gedenkstätte bestünde
für die Mitglieder der Delegation bei ihrer Rückkehr eventuell Gefahr für
Leib und Leben. Und auch Matthias Peuschel vom Iran-Haus ist überzeugt:
„Die Mitglieder der Delegation vertreten nichts von dem, was ihre Regierung
so vertritt. Aber das sind Staatsdiener, deren politische Reputation
Zuhause wäre danach zerstört." Peuschel hält das Vorgehen der Stadt Weimar
in dieser Frage daher für unklug.
26 Jun 2010
## AUTOREN
(DIR) Ariane Lemme
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