# taz.de -- G8-Gipfel in Toronto: Krümel für die Welt
> Weniger Entwicklungshilfe als versprochen: Die mächtigsten
> Industrienationen wollen von ihren früheren Zusagen an arme Länder nichts
> mehr wissen. Keine Einigung auf eine Regulierung der Finanzmärkte
(IMG) Bild: Afghanische Flüchtlingskinder in Pakistan.
TORONTO taz/dpa | Die Staats- und Regierungschefs der sieben großen
Industrienationen und Russlands (G 8) haben auf ihrem Gipfel in Kanada
angekündigt, fünf Milliarden US-Dollar für den Kampf gegen die Kinder- und
Müttersterblichkeit in Entwicklungsländern bereitzustellen. Deutschland
trägt dazu lediglich 80 Millionen Euro bei. Weitere 2,3 Milliarden sollen
von anderen Ländern und Stiftungen kommen. Hilfsorganisationen kritisieren
jedoch, dass frühere Zusagen der G 8 an die Entwicklungsländer trotzdem bei
Weitem nicht eingehalten werden.
So hatten die G-8-Staaten im Jahr 2005 auf ihrem Gipfeltreffen im
schottischen Gleneagles versprochen, bis 2010 ihre Hilfen um 50 Milliarden
Dollar zu erhöhen. Diese Zusage wurde nun erstmals nicht mehr im
Abschlussdokument eines G-8-Gipfels erwähnt. "Das ist ein Skandal", sagte
der Sprecher der Hilfsorganisation Oxfam, Jörn Kalinski, nach Abschluss des
G-8-Gipfels in Huntsville bei Toronto.
Das vor fünf Jahren anvisierte Ziel ist nach Angaben von
Hilfsorganisationen bis heute um 20 Milliarden verfehlt worden. Die G 8
räumen selbst eine Differenz von zehn Milliarden ein. Nachdem das Ziel
nicht mehr bekräftigt wurde, könnten die Entwicklungsländer jetzt nicht
mehr mit dem noch ausstehenden Geld rechnen, sagte Kalinski. Die
Hilfsorganisationen hatten gefordert, die fehlenden Mittel bis 2012
nachzureichen.
Auch bei der Regulierung der Finanzmärkte gab es bei dem G-8-Treffen und
dem anschließenden G-20-Gipfel in Kanada keine Fortschritte. Das Thema
wurde auf den nächsten G-20-Gipfel im November in Südkorea verschoben.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) scheiterte mit ihrem Vorschlag, eine
weltweite Bankenabgabe und eine Finanztransaktionssteuer einzuführen.
Widerstand gegen diese Regulierungsmaßnahmen kam unter anderem von Kanada,
Brasilien und Australien. Bundeskanzlerin Merkel will nun mit Frankreichs
Präsident Sarkozy prüfen, ob sich eine Finanztransaktionssteuer nur in der
Eurozone einführen lässt.
Zu einem Formelkompromiss kam es in Kanada bei einem anderen Streitthema:
Bis 2013 sollen die großen Industrieländer ihre Haushaltsdefizite halbieren
und spätestens 2016 ausgeglichene Etats ohne neue Schulden aufstellen. Vor
dem Gipfel hatte die US-Regierung darauf gedrängt, dass Europa keine allzu
rigiden Sparprogramme auflegt, um die weltweite Konjunktur nicht zu
gefährden.
28 Jun 2010
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