# taz.de -- Kolumne Afrika Afrika: Afrika ist orange
       
       > Das orangene Team aus Europa hat mit dem Sieg über Uruguay Ghanas Ehre
       > gerettet. Seitdem ist es wunderbar, in Afrika Holländerin zu sein. Und
       > das hat auch seine Vorteile.
       
 (IMG) Bild: Kapstadt, 2008: Im Township Du Noon nehmen Polizisten nach einem Angriff auf ein somalisches Geschäft einen Verdächtigen fest.
       
       Wir haben euch Holländer vorübergehend zu Afrikanern befördert", schrieb
       ein kenianischer Kollege per SMS kurz vor dem Spiel Uruguay - Niederlande.
       Als die niederländische Mannschaft 3:2 siegte, rief er an und sagte: "Rache
       ist süß. Jetzt stehen wir 100 Prozent hinter euch." Für ihn hatte das
       orange Team aus Europa mit dem Sieg über Uruguay Ghanas Ehre gerettet.
       Seitdem ist es wunderbar, in Afrika Holländerin zu sein.
       
       Nach 16 Jahren auf dem afrikanischen Kontinent fühle ich mich nicht mehr
       völlig holländisch. Ein Teil von mir ist kenianisch geworden. Eine
       gespaltene Persönlichkeit. Die WM und die Reaktionen zwangen mich in die
       holländische Ecke. Das wird von mir erwartet. Für einen Monat muss ich als
       Abgeordnete eines orangefarbenen Landes durchs Leben gehen.
       
       Das hat seine Vorteile. In einem Café in Nairobi erzählte eine Freundin dem
       Eigentümer, wo ich aufwuchs. Er brachte uns gleich einen extra Kaffee.
       Umsonst! Und als ich in einem Schuhgeschäft die Angestellten fragte, wer
       denn am Sonntag gewinnen soll, schallte es aus allen Mündern einhellig: die
       Niederlande! Als sie nach meiner Meinung fragten, antwortete ich, dass es
       auch meine Mannschaft ist. "Wo kommen Sie denn her?", fragte eine
       Verkäuferin. "Niederlande", sagte ich. Sie griff meine Hand, dann ihre
       Handtasche und holte eine Eintrittskarte für eine WM-Endspielveranstaltung
       in einem teuren Hotel der Stadt. "Habe ich gewonnen, aber Sie sollen dort
       hingehen", sagte sie nachdrücklich. "Es ist Ihre Mannschaft!" Ich schlug
       ihr Angebot aus. Ich muss das Spiel zu Hause mit Freunden angucken, die
       sich selbst eingeladen haben, "zur Unterstützung", wie sie sagen.
       
       Warum die Begeisterung für die Niederlande? Ein kluger Freund, Professor an
       einer Universität in Nairobi, erklärt: "Ich mag halt die Niederlande, weil
       sie schon immer eine ethnisch diverse Mannschaft hatten und jeder Spieler
       genauso holländisch ist wie der andere." In Spanien und Deutschland sei das
       anders.
       
       Ich warf vergeblich ein, dass die zahlreichen schwarzen Spieler in den
       Niederlanden eher ein Hinweis auf die koloniale Vergangenheit des Landes
       sind. Und es gibt reichlich Holländer, die farbige Mitbürger überhaupt
       nicht mögen. Das zeigen ja die letzten Wahlergebnisse.
       
       Ein Nachbar hat eine bessere Erklärung als der Professor. Holländische
       Fußballteams, sagt er, sind oft in Afrika, um Fußballvereinen zu helfen. In
       Kenia hilft der Niederländische Fußballbund Fußballteams in Armenvierteln
       und holt die besten ab und zu nach Holland, wo sie eine Woche mit bekannten
       Trainern trainieren. "Die Holländer teilen mehr als andere Teams ihr Können
       und ihr Geld mit Entwicklungsländern", lobt er.
       
       Trevor, der Sohn von Bekannten, hat am Sonntag ein Problem: Er hat nichts
       in Orange zum Anziehen. Er ist ein Anhänger der Niederlande, seit er sich
       mal kurz in eine Holländerin verknallt hat. Trevor denkt an seinen
       rot-schwarzen Shuka, das Maasai-Wickeltuch. "Das ist das Nächste zu Orange,
       was ich habe", sagt er. Mein nigerianischer Ehemann kann das nicht mit
       ansehen und kommt seinem afrikanischen Bruder zu Hilfe. "Ich habe ein
       orangefarbenes T-Shirt, das kannst du dir ausleihen. Ich selbst habe eine
       Baseballmütze in der richtigen Farbe!"
       
       9 Jul 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ilona Eveleens
       
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