# taz.de -- Unesco-Weltkulturerbe Rheintal: Der Kampf um die Brücke
       
       > Im Mittelrheintal nahe der Loreley plant Rheinland-Pfalz den Bau einer
       > Brücke. Ob die den Weltkulturerbestatus der Landschaft gefährdet, prüft
       > die Unesco jetzt.
       
 (IMG) Bild: Der Siegerentwurf des Wettbewerbs "Rheinbrücke im Oberen Mittelrheintal" vom Büro Heneghan Peng Architects, Arup Consulting Engineers sowie Mitchel und Associates aus Dublin.
       
       LORELEY taz | Bei der Überrheiner Gold Weinbau GbR Becker und Schmelzeisen
       verläuft die Meinungsgrenze quer durch das Familienunternehmen. Der
       Seniorchef ist eher gegen den von der rheinland-pfälzischen Landesregierung
       geplanten Bau einer Straßenbrücke über den Rhein ein paar Stromkilometer
       flussaufwärts in der Nähe des Loreleyfelsens. Der Junior eher dafür. Das
       Mittelrheintal müsse "an die neue mobile Zeit angebunden werden", sagt er.
       Der beschauliche Fährbetrieb sei "von vorgestern".
       
       Der Vater widerspricht. Wenn die Fähren endlich auch in der Nacht verkehren
       würden, könne man sich die 40 Millionen Euro für den Brückenbau sparen,
       sagt er. Zudem gefährde das Bauwerk doch den von der Unesco dem
       Mittelrheintal mit seinen rund 70 Burgen und Schlössern erst 2002
       verliehenen Status eines Weltkulturerbes.
       
       Eine Aberkennung dieses Titels aber, der in den letzten Jahren wieder mehr
       Touristen aus ganz Europa in die historische Weinbauregion lockte, wäre
       eine Katastrophe für alle Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe. Und auch
       für die Winzer am Mittelrhein, die gerade dabei sind, sich mit einer
       Qualitätsoffensive von ihrem bislang eher schlechten Ruf zu verabschieden.
       Das weiß auch der Junior.
       
       Und die Landesregierung. Man werde auf der Tagung des Welterbekomitees der
       Unesco, die am Sonntag in Brasilia begonnen hat, "nicht so massiv auftreten
       wie damals die Delegation aus Dresden, als es um die Waldschlösschenbrücke
       im Elbtal ging", sagte Kulturstaatsekretär Walter Schumacher kurz vor dem
       Abflug in die brasilianische Hauptstadt. Für die Regierung Kurt Beck (SPD)
       bekundete Schumacher denn auch vorab schon einmal seinen "Respekt" vor der
       Entscheidung der Unesco, auch wenn das Komitee den Brückenbau am Ende
       tatsächlich für unvereinbar mit dem Weltkulturerbestatus erachten sollte.
       Man müsse dann halt "neu überlegen, was zu tun ist".
       
       Fakt ist, dass es zwischen Mainz und Koblenz - das sind rund 100
       Stromkilometer - keine Rheinbrücke gibt. Wer linksrheinisch etwa in St.
       Goar wohnt und mit der Autofähre 500 Meter über den Rhein geschippert ist,
       um Verwandte im rechtsrheinischen St. Goarshausen zu besuchen, muss, wenn
       er die letzte Fähre verpasst hat, 30 Kilometer bis Koblenz fahren und dann
       auf der anderen Rheinseite wieder 30 Kilometer zurück, um nach Hause zu
       kommen.
       
       Die in mehreren lokalen Initiativen engagierten Brückenbefürworter wollen
       zudem nicht länger hinnehmen, "dass die Orte vergreisen und ausbluten",
       weil die Jugend in Regionen mit günstigeren Verkehrsanbindungen und einem
       größeren Arbeitsmarkt abwandere, wie es in einer Erklärung der "IG
       Rheinbrücke muss her!" heißt. Und weil man die im Architektenentwurf
       durchaus beeindruckend schwungvolle Brücke bei Fellen von der Loreley aus
       gar nicht sehen werde, könne sie ja wohl die Touristen nicht stören, wie
       von den Brückengegnern behauptet.
       
       Die Brückengegner, etwa vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) oder den Grünen,
       haben aber eigentlich andere Sorgen. Sie befürchten, dass nach dem
       Brückenbau der öffentliche Nahverkehr "zusammenbricht", weil kein Mensch
       mehr mit der Bahn anreise oder Busse benutze. Der von der Brücke zusätzlich
       angelockte Autoverkehr werde dann den CO2-Ausstoß in der Region verdoppeln.
       Der VCD fordert deshalb eine "kurzfristige Verbesserung des Fährverkehrs
       durch längere Bedienzeiten und günstigere Tarife". Damit könne "allen
       sofort geholfen werden". Der Überrheiner Gold Weinbau GbR auch. Ihr bestes
       Terroir, der Kauber Backofen, liegt schließlich auf der anderen Rheinseite.
       
       25 Jul 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Klaus-Peter Klingelschmitt
       
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 (DIR) Rheinland-Pfalz
       
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