# taz.de -- NRW-Agrarminister Johannes Remmel: "Subventionen nur für Tierschutz"
       
       > Der nordrhein-westfälische Landwirtschaftsminister will bäuerliche
       > Strukturen fördern anstelle von "Agrarfabriken". Das vorhandene Geld
       > müsse nur umverteilt werden.
       
 (IMG) Bild: Nur nur die Gute fördern, fordert Johannes Rommel. Wie den Bauern dieser glücklichen Kühe im Allgäu.
       
       taz: Herr Remmel, immer mehr Tiere leben in immer weniger Ställen. Wie
       wollen Sie in Ihrem Verantwortungsgebiet, in Nordrhein-Westfalen, diesem
       Trend zur Massentierhaltung entgegenwirken? 
       
       Johannes Remmel: Subventionen für neue Ställe wollen wir auf das
       beschränken, was dem Umwelt- oder Tierschutz dient. Gefördert werden soll
       zum Beispiel der Umbau eines Stalls von der Anbindehaltung, bei der die
       Kühe an einem Platz fixiert sind, zu einem Boxenlaufstall. Dort können die
       Tiere sich dann freier bewegen. Nicht länger fördern möchten wir die
       Erweiterung oder den Neubau von Ställen mit mehreren hundert oder tausend
       Mastbullen oder Rindern.
       
       Das ist Zuckerbrot für die Bauern. Wo bleibt die Peitsche? 
       
       Mit neuen Förderrichtlinien wollen wir die bäuerlichen Strukturen stärken
       und nicht die Agrarfabriken. Dazu gehört zum Beispiel, dass bei
       Stallneubauten die Landwirte künftig wieder genügend eigene Flächen für die
       anfallende Gülle brauchen. Darüber hinaus müssen die Anforderungen an die
       Filteranlagen verstärkt werden, damit keine Keime und Gerüche nach außen
       dringen. Das erschwert den Bau von riesigen Ställen.
       
       Wie wollen Sie das angesichts der leeren öffentlichen Kassen durchsetzen? 
       
       Das wird den Steuerzahler nichts kosten. Wir werden das vorhandene Geld nur
       anders verteilen.
       
       Was halten Sie von Projekten wie Europas größtem geplanten
       Geflügelschlachthof in Niedersachsen, den hunderte
       Massentierhaltungsanlagen versorgen sollen? 
       
       Die generelle Tendenz, sich am Weltmarkt orientieren zu wollen, halte ich
       mittel- und langfristig für verfehlt. Bei diesem Wettlauf wird es uns
       ergehen wie dem Hasen gegenüber dem Igel. Und das alles zulasten von
       Mensch, Tier, und Umwelt.
       
       Biobauern müssen ihre Tiere meist besser als konventionelle Betriebe
       halten. Sie haben in Ihrem Koalitionsvertrag mit der SPD erklärt, dass sie
       den Ökolandbau "ambitioniert ausbauen wollen". Wie soll das passieren? 
       
       Mein Vorgänger von der CDU hat aus ideologischen Gründen nach 2005 erst
       alles zurückgefahren, was irgendwie nach grün oder öko aussah. Trotz
       Korrekturen sind die Subventionen für Bauern, die auf Bio umstellen wollen,
       immer noch unter dem Niveau von früher. Unser Ziel ist, dass die
       Umstellungshilfen wieder mindestens so hoch werden wie im Jahr 2005.
       
       Auch im Biolandbau gibt es Probleme. So konnte in Nordrhein-Westfalen eine
       Hühnerfarm nicht den nötigen Auslauf nachweisen. Und ein Putenmäster
       verfütterte konventionelles Futter. Sind bessere Kontrollen notwendig? 
       
       Ich habe den Vorschlag begrüßt, Biobetriebe auch staatlich zu
       kontrollieren. Wir werden einen Vorschlag erarbeiten, wie das
       Eigenkontrollsystem durch unabhängige, staatliche Kontrollen ergänzt werden
       kann. Sobald das Konzept vorliegt, werden wir eine Bundesratsinitiative
       dazu starten.
       
       11 Aug 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jost Maurin
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Kommentar Hühnerschlachthof: Schlachten fürs Monopol
       
       Der Mega-Schlachthof wird die Industrialisierung der Geflügelhaltung
       beschleunigen. Der Staat könnte diesen Trend abschwächen, wenn er
       Subventionen nur noch gezielt einsetzt.
       
 (DIR) Anti-Schlachthof-Camp geräumt: Polizei gegen Hühner Armee Fraktion
       
       Die Polizei hat in Niedersachsen ein von Tierschützern besetztes Baugelände
       geräumt. Dort soll Europas größter Geflügelschlachthof entstehen.