# taz.de -- Schäuble fördert die Ehe: Kein Steuersplitting für Homosexuelle
> Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble lehnt eine Gleichstellung
> homosexueller Lebenspartnerschaften mit der Ehe bei der Einkommensteuer
> ab.
(IMG) Bild: Wenns nach Schäuble geht: Kein Splitting-Vorteil bei der Einkommensteuer für Homosexuelle.
BERLIN afp | Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will
eingetragenen Lebenspartnerschaften von Schwulen und Lesben trotz
Forderungen der FDP auch künftig keinen Splitting-Vorteil bei der
Einkommensteuer einräumen. Der jüngste Beschluss des
Bundesverfassungsgerichts zur Besserstellung gleichgeschlechtlicher
Lebenspartner bei der Erbschaftsteuer lasse diesen Schluss nicht zu, sagte
Schäuble dem Magazin Focus.
Das Bundesverfassungsgericht hatte am vergangenen Dienstag die
Benachteiligung von homosexuellen Lebenspartnern gegenüber hinterbliebenen
Ehegatten bei der Erbschaftssteuer für verfassungswidrig erklärt. Nach
Ansicht Schäubles lässt das Verfassungsgericht im Steuerrecht aber
weiterhin Unterschiede zu, wenn dafür besondere Gründe vorliegen. "Ein
solcher Differenzierungsgrund ist beim Ehegattensplitting die Förderung der
Ehe, insbesondere im Hinblick auf ihre bleibende Bedeutung als typische
Grundlage der Familie mit Kindern", argumentierte er. "Denn auch heute noch
entfallen 90 Prozent der Splittingwirkung auf Ehepaare mit Kindern."
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) fordert
dagegen weitere Gleichstellungsgesetze für homosexuelle Partnerschaften.
Sie plädierte am Sonntag im Deutschlandfunk dafür, dass sich die Koalition
beim Ehegattensplitting auf eine gemeinsame Linie verständigt und zwar am
besten, "bevor das Bundesverfassungsgericht uns das nächste Mal sagt, nun
tut endlich was". Sie verwies darauf, dass zum Einkommensteuerrecht derzeit
noch ein Verfahren in Karlsruhe anhängig sei.
Ein Splitting-Vorteil für die rund 66.000 eingetragenen
Lebenspartnerschaften würde nach Berechnungen des Berliner
Steuerwissenschaftlers Frank Hechtner Steuerausfälle von etwa 145 Millionen
Euro im Jahr ausmachen. "Dieser Betrag erscheint im Vergleich zum gesamten
Splittingvorteil von 33 Milliarden Euro recht gering", sagte er.
Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) plädierte dafür,
gleichgeschlechtlichen Paaren das Ehegattensplitting zu gewähren. "Dabei
geht es um die gemeinsame Besteuerung von Ehepartnern als
Wirtschaftsgemeinschaft", sagte er dem Spiegel. Unter diesem Blickwinkel
gebe es gute Argumente dafür, dass auch gleichgeschlechtliche Paare in den
Genuss des Ehegattensplittings kommen sollten.
Grünen-Parlamentsgeschäftsführer Volker Beck erklärte am Sonntag, die
Diskriminierung von Lebenspartnerschaften im Einkommensteuerrecht sei
verfassungswidrig. Schäubles Begründung "für das Festhalten an der
Diskriminierung widerspricht dem eindeutigen Wortlaut von gleich zwei
Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichtes". Er forderte die FDP auf, in
der Koalition bei diesem Thema hartnäckig zu bleiben.
22 Aug 2010
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