# taz.de -- Nach Wahl-Patt in Australien: Parteien buhlen um Unabhängige
       
       > Nach dem Patt bei den Wahlen in Australien suchen Konservative und Labour
       > nach einer Mehrheit. Dazu brauchen sie die Unterstützung unabhängiger
       > Parlamentarier.
       
 (IMG) Bild: Will sie weiterhin regieren, braucht sie Partner: Premierministerin Julia Gillard.
       
       CANBERRA taz | Australien stand auch am Montag noch unter Schock.
       Kommentatoren sinnierten über die Gründe für das Patt, das dem Land
       bevorstehen dürfte. Weder die seit 2007 regierende Laborpartei von Premier
       Julia Gillard noch die konservative liberal-nationale Koalition können
       allein eine Regierung bilden. Labor hat bisher 72 Sitze, die Konservativen
       69. Zur Regierungsbildung sind mindestens 76 Mandate im 150-sitzigen
       Unterhaus nötig.
       
       Es besteht nur eine geringe Chance, dass eine der beiden Seiten das Ziel
       erreichen wird, auch wenn alle per Post abgegebenen Stimmen ausgezählt
       sind. Auch im Oberhaus, dem Senat, gab es eine Sensation: die Grünen bauten
       ihre Macht aus und werden künftig bei Gesetzesvorlagen das Zünglein an der
       Waage spielen.
       
       Am Montag suchten Gillard und Tony Abbott bei jenen Unterstützung, von
       denen ihr politisches Überleben abhängt. Neben einem Grünen wurden drei
       unabhängige Parlamentarier bestätigt oder neu ins Unterhaus gewählt. Ein
       vierter, der ehemalige Geheimdienstagent Andrew Wilkie, kommt
       wahrscheinlich noch dazu. Wer sie auf seine Seite ziehen kann, hat die
       Mehrheit.
       
       Tony Windsor ist der bekannteste Unabhängige. Der langjährige Abgeordnete
       ist zwar ein ehemaliger Landwirt und tendenziell eher konservativ. Er hat
       sich aber für Klimaschutz-Programme eingesetzt und opponierte gegen die
       Misshandlung von Flüchtlingen durch die frühere konservative Regierung.
       
       Bob Katter ist der klassische "Cowboy" aus dem wilden Norden des
       Bundesstaates Queensland. Er wettert mit schriller Stimme gegen den Verkauf
       von Boden an Ausländer und fordert die Wiedereinführung von
       Handelsschranken für Agrarimporte. Trotz seiner kritiklosen Unterstützung
       der mächtigen Kohleindustrie hat er Verständnis für Klimaschutzmaßnahmen.
       
       Die größte Überraschung ist der neu gewählte Rob Oakeshott. Er fordert
       sofortige Maßnahmen gegen den Klimawandel und will ein Klimagesetz - jenes
       Gesetz, dessen Planung mit zum Absturz der Laborpartei in der Wählergunst
       beigetragen hatte. Alle drei Unabhängigen erklärten am Montag, sie hätten
       sich in Gesprächen mit Gillard und Abbott nicht für eine Seite entschieden.
       Sie werten das Wahlergebnis als Zeichen, dass die Bevölkerung genug hat von
       der vermeintlichen "Machtbessessenheit und -kontrolle der Großparteien".
       
       Die Gunst der Unabhängigen könnte jener Seite zufallen, die das beste
       Internet-Breitbandnetz anbietet. Eine bessere Kommunikation steht oben auf
       der Wunschliste der drei. "Ich spreche hier mit Ihnen über eine
       Scheiß-Telefonverbindung", meinte Oakshott in einem von
       Übertragungsproblemen gestörten Fernsehinterview. Die schlechte Versorgung
       ländlicher Regionen mit Telefon und Internet gleicht in Teilen der in einem
       Drittewelt-Land. Während Labor für 43 Mrd. austr. Dollar ein
       halbstaatliches Hochleistungsnetz-Breitbandnetz bauen will, wollten sich
       die Konservativen auf eine Minimallösung konzentrieren. Diese wäre vor
       allem die Verantwortung der Privatindustrie.
       
       23 Aug 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Urs Wälterlin
       
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