# taz.de -- Haushalts-Pläne der Bundesregierung: Sparpaket kommt, Atomsteuer vielleicht
       
       > Die Bundesregierung konkretisiert ihre geplante Steuer auf
       > Kernbrennstoffe, die 2,3 Milliarden Euro jährlich bringen soll. Die
       > Abgabe für Luftverkehr ist beschlossen.
       
 (IMG) Bild: Fliegen wird teurer - je Fluggast mindestens acht Euro.
       
       Die Bundesregierung hat wichtige Vorhaben ihres Sparpakets, darunter die
       Luftverkehrsabgabe, auf den Weg gebracht - die von der Energiewirtschaft
       heftig bekämpfte geplante Brennelementesteuer ist aber bislang nichts
       weiter als ein Diskussionsvorschlag. Das machte Bundesfinanzminister
       Wolfgang Schäuble (CDU) am Mittwoch bei der Vorstellung das
       Haushaltsbegleitgesetzes 2011 deutlich. Zentrale Punkte des Gesetzes sind
       unter anderem Einschnitte beim Elterngeld sowie bei einigen
       Sozialleistungen. Insgesamt will die Regierung im nächsten Jahr einen
       Sparbeitrag von gut elf Milliarden Euro erzielen.
       
       Einen formalen Beschluss zum geplanten Kernbrennstoffsteuergesetz vermied
       die Bundesregierung hingegen; den Entwurf nahm das Kabinett lediglich zur
       Kenntnis. Diese Steuer soll 2,3 Milliarden Euro jährlich bringen. Schäuble
       ließ aber offen, ob die Kernbrennstoffsteuer tatsächlich eingeführt wird.
       Dies werde im Rahmen des Energiekonzeptes entschieden, das am 28. September
       beschlossen werden solle, so Schäuble. Wenn es in den Gesprächen mit den
       Energieversorgungsunternehmen eine vergleichbare Lösung gebe, könne das
       Gesetz auch wegfallen. Über die Steuer hinaus seien im Bundeshaushalt keine
       weiteren Einnahmen geplant, die die Energiewirtschaft leisten müsse.
       Allerdings sei es Gegenstand der Beratung mit den Unternehmen, ob es
       Beiträge zur Förderung alternativer Energien gebe.
       
       Der Entwurf des Kernbrennstoffsteuergesetzes, das zum 1. Januar 2011 in
       Kraft treten könnte, sieht vor, dass der Verbrauch von einem Gramm
       Atombrennstoff 220 Euro kosten soll. Besteuert wird nur Atombrennstoff, der
       zur Erzeugung von Strom genutzt wird; Betreiber von Forschungsreaktoren
       müssten nicht zahlen. Die neue Steuer, die bislang weder die rot-grüne noch
       die schwarz-rote Bundesregierung einführte, begründet die Bundesregierung
       mit den enormen Belastungen des Bundeshaushaltes, die durch die Entsorgung
       radioaktiver Abfälle entstehen.
       
       Für den Flugverkehr hat die Bundesregierung nun die Luftverkehrssteuer auf
       den Weg gebracht. Diese Steuer sei notwendig, da eine internationale oder
       europaweite Besteuerung von Flugbenzin nicht möglich sei, so Schäuble. Die
       Steuer müssen Fluggesellschaften entrichten, deren Maschinen von einem
       deutschen Flughafen abheben. Sie beträgt je Fluggast mindestens acht Euro -
       wenn das Flugziel in Deutschland, Europa, der Russischen Föderation oder
       einigen nordafrikanischen Staaten liegt. Teurer, nämlich 25 Euro je
       Passagier, wird es, wenn das Zielland in weiter entfernten Ländern in
       Afrika oder Asien liegt - zum Beispiel Ägypten, Israel, Iran oder
       Kapverdische Inseln. Bei allen anderen Zielorten - etwa in Indien, Fernost,
       Australien oder Amerika - beträgt die Steuer je Fluggast 45 Euro. Ob die
       Fluggesellschaften die Steuer auf den Ticketpreis draufschlagen, bleibt
       ihnen überlassen. Die Steuer soll zum 1. Januar 2011 eingeführt werden; das
       heißt, sie gilt ab sofort für alle Abflüge im nächsten Jahr - auch wenn das
       entsprechende Ticket bis zum 31. Dezember dieses Jahres erworben wurde. Mit
       dieser Regelung sollen Vorzieh-Effekte vermieden werden.
       
       Wenn der Flugverkehr europaweit ab 2012 schrittweise in den
       CO2-Emissionshandel einbezogen wird, soll die Steuer nach und nach gesenkt
       werden. Unter dem Strich soll aber jährlich eine Milliarde Euro durch
       Ticketabgabe und Emissionshandel eingenommen werden.
       
       Zudem beschloss die Bundesregierung, das Energie- und Stromsteuergesetz zu
       ändern. Dazu sollen unter anderem die ermäßigten Steuersätze für
       Unternehmen von 60 auf 80 Prozent erhöht werden; zudem wird der Ausgleich
       für besonders energieintensive Unternehmen abgesenkt. Insgesamt sollen so
       jährlich 1,4 Milliarden Euro mehr eingenommen werden.
       
       Skeptisch äußerte sich Schäuble zur Einführung einer
       Finanzmartktransaktionssteuer, die laut Haushaltsgesetz ab 2012 immerhin
       zwei Milliarden jährlich einbringen soll. "Das ist ein schwieriger Punkt",
       so Schäuble. International komme sie nicht, und auf EU-Ebene gebe es
       Vorbehalte. "National können wir die Steuer nicht einführen."
       
       1 Sep 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Richard Rother
       
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