# taz.de -- Kommentar Jugendsexualität: Die Seele schützen
> Die neuen Daten über Jugendsexualität sind beruhigend. Denn sie zeigen,
> dass die Jugend trotz Pornowelle im Internet ihre Sexualität als etwas
> Privates betrachten.
Es ist eine beruhigende Botschaft, die von der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung verkündet wurde - auch wenn man das vor drei
Jahrzehnten wohl noch anders empfunden hätte: "Sexuelle Aktivitäten gehen
zurück", melden die Gesundheitsforscher mit Verweis auf eine Befragung
unter Teenagern im Alter zwischen 14 und 17 Jahren.
Ein Drittel der 17-Jährigen hat noch nicht mit jemandem geschlafen. Der
Trend zum Sex in immer jüngerem Alter ist zum ersten Mal seit vielen Jahren
rückläufig.
Die Botschaft ist natürlich nicht deswegen beruhigend, weil es irgendwie
moralischer ist, wenn Jugendliche heute weniger Sex haben als noch vor fünf
Jahren; sondern weil es Teenagern offenbar gelingt, ihre eigene Sexualität
als etwas ganz Privates zu behandeln.
Auch wenn im Hintergrund Rapmusik läuft, in der Analsex bejubelt wird und
im Internet tausende von Pornos zum Herunterladen zur Verfügung stehen.
Alles nur Show.
Ganz oben auf der Liste der Gründe, warum man noch keinen Sex hatte, steht
bei den Jugendlichen das Fehlen des richtigen Partners oder der richtigen
Partnerin. Dann spielt auch die Schüchternheit, die Angst, etwas falsch zu
machen, eine große Rolle.
Bei den Jungs ist dieser zweite Grund ebenso gewichtig wie der erste, auch
bei den Teenagern mit Migrationshintergrund.
Viele Jugendliche schätzen den Schutz einer festen Beziehung für das "erste
Mal". Das macht auch Sinn: Die Sexualität ist eins der verletzlichsten
Gebiete der Seele. Dieser Aspekt wurde in den letzten Jahrzehnten
vernachlässigt.
Und deshalb geht es statt um Entgrenzung heute eher um Abgrenzung. Auch
gegenüber der Elterngeneration. Diese, oft Abkömmlinge der Post-68er-Zeit,
erleben heute, dass ihr pubertierender Nachwuchs mit ihnen über alles reden
will, aber nicht über Sex, bitte. In einer Zeit überbordender öffentlicher
Diskurse über das Private besteht die neue Subversion eben darin, das
Intime auch intim sein zu lassen.
3 Sep 2010
## AUTOREN
(DIR) Barbara Dribbusch
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