# taz.de -- Der Bundeshaushalt und die PR: Gelder fürs Polit-Theater
> Am Dienstag beginnt die Haushaltsdebatte im Bundestag. Zeit für eine
> Abrechnung: Wie die fünf reichsten Minister dastehen – und was sie für
> ihr Ansehen ausgeben.
(IMG) Bild: Die Tasche prall gefüllt: Strahleministerin Ursula von der Leyen hat das meiste Geld für PR.
1. Arbeit und Soziales:
131.848.403.000 Euro
Das klingt nach einer Menge Geld für das kommende Jahr. Ist es auch. Aber
es wird weniger: Um rund 12 Milliarden Euro verkleinert sich der Etat von
Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) im Vergleich zu 2010.
Kürzungen beim Elterngeld und den Rentenbeiträgen für Hartz-IV-Empfänger
sind die heftigsten Maßnahmen, die sie in der Haushaltswoche verteidigen
muss. Die Sozialexperten der Opposition wettern seit Wochen gegen von der
Leyen, doch Kritik perlt an der ehemaligen Familienministerin ab. Immerhin:
Auch verkleinert bleibt ihr Haushalt noch größer als die vier folgenden
zusammengenommen. Und in der Bevölkerung ist von der Leyen die
drittbeliebteste Politikerin, kürze sie, was sie wolle. Einen Anteil daran
mag ihre PR-Maschinerie haben. Denn auch hier ist sie die Frau der
Superlative.
Fördergelder für die Bühne: Für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gibt sie
9,8 Millionen Euro jährlich aus - das ist der Spitzenwert unter den größten
Ministerien.
***
2. Verteidigung:
31.549.290.000 Euro
Den zweitgrößten Haushalt hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu
Guttenberg zu verwalten. Der Entwurf des Jahres 2011 sieht sogar noch eine
leichte Steigerung von 400 Millionen Euro für den Oberfranken vor, obwohl
es in der öffentlichen Debatte in den vergangenen Monaten wirkte, als hätte
zu Guttenberg bald gar kein Geld mehr in der Kasse und müsse deshalb
zwangsweise den Wehrdienst aussetzen. Wegen dieser Diskussion wird sich der
CSU-Überflieger in der Haushaltswoche wohl wie kein anderer verteidigen
müssen. Von allen Seiten, auch aus der eigenen Fraktion, wurde zu
Guttenberg dafür attackiert, dass er in der Debatte um den Wehrdienst
zuerst seine finanzielle Notlage angeführt hat. Der Beliebtheit des Mannes,
der Treppen gerne hinaufspringt, weil das dynamische Fotos ergibt, schadet
das nicht. Er führt weiter die Liste der Spitzenpolitiker an.
Fördergelder für die Bühne: Seine Ausgaben für Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit sind mit 2,8 Millionen im neuen Haushaltsentwurf zwar
überschaubar. Sie steigen aber um ordentliche zehn Prozent. Und noch gar
nicht eingerechnet ist dabei das neue Referat für "Strategische
Kommunikation", das sich zu Guttenberg hat für die Außenwirkung einrichten
lassen. Denn sein geliger Glanz soll offenbar auch in Kriegszeiten auf
keinen Fall verblassen.
***
3. Verkehr:
24.992.120.000 Euro
Den drittgrößten Posten im Bundeshaushalt bekommt Verkehrsminister Peter
Ramsauer im kommenden Jahr überwiesen, rund fünf Prozent weniger als 2010.
Das Ministerium des CSU-Manns steht nicht unbedingt im Zentrum der
Öffentlichkeit, wenn nicht gerade die ICE-Klimaanlagen ausfallen. Seine
Projekte? Die Einführung der Autobahnmaut blieb ein halbherziger Versuch.
Immerhin: Lange ließ der Vater von vier Töchtern die Fluggesellschaften
zappeln, bevor er nach dem Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull wieder
eine Starterlaubnis erteilte. Das schuf so etwas wie Kontur. Ansonsten ist
Ramsauer mit seinen Milliarden allerdings, abseits der Öffentlichkeit, wohl
der wichtigste Minister für die Bundestagsabgeordneten. Denn mag
diplomatische Außenpolitik, nachhaltige Umweltpolitik oder
Entwicklungspolitik auch noch so bedeutend sein: Nichts kommt in
Wahlkreisen besser an als ein erster Spatenstich für eine neue Straße oder
den lang ersehnten Autobahntunnel. Immer auf dem Bild: Peter Ramsauer plus
Spaten. Wer braucht da noch Öffentlichkeitsarbeit?
Fördergelder für die Bühne: Ramsauers Ministerium gibt wie im Vorjahr rund
eine Million Euro aus, das ist der zweitkleinste Etat unter den fünf großen
Ministerien.
***
4. Gesundheit:
15.785.152.000 Euro
Philipp Rösler (FDP) konnte einem im vergangenen Jahr manchmal fast
leidtun, so sehr wurde er besonders von seinem bayerischen Amtskollegen
Markus Söder wegen der geplanten Gesundheitsreform angegangen. Das wiederum
hat mit Söders Kollegen oben in dieser Liste zu tun: Karl-Theodor zu
Guttenberg ist wie Söder Franke und verbaut diesem durch seine bloße
Anwesenheit den sicher geglaubten Aufstieg innerhalb der CSU. Dessen
verzweifelte Profilierungsversuche durch andauernde Attacken auf
Gesundheitsminister Rösler haben allerdings auch bei diesem Wirkung
hinterlassen. Rösler schwankt in der Beliebtheit bestenfalls unter "ferner
liefen", häufig am Ende der Liste. Auch ein Grund: Er muss sparen, hat die
Zusatzbeiträge im Gesundheitssystem erweitert und wird sich deshalb in der
kommende Woche harter Oppositionsangriffe erwehren müssen.
Fördergelder für die Bühne: Rösler reagiert: Seine Ausgaben für Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit sind mit 5,4 Millionen im neuen Haushaltsentwurf
nicht nur die zweitgrößten hinter dem Arbeitsministerium, sie sollen auch
um über 20 Prozent steigen. In jüngster Zeit hat er zudem verbal
aufgerüstet und sogar im Söder-Land ein wenig ausgeteilt. Bei einem
Volksfest im Bayerischen machte er Merkel-Witze und nannte die Koalition
eine "schlagende Verbindung". Wenn ihn auch das nicht beliebter macht, kann
sich der in Vietnam geborene Rösler über die anhaltende Zustimmung dort
freuen. Der Minister ist wegen seiner makellosen Nase und stattlichen Größe
für eine beachtliche Fangemeinde zum Schönheitsvorbild emporgestiegen.
***
5. Bildung:
11.646.948.000 Euro
Mit dem kleinsten zweistelligen Milliardenbetrag unter den
Bundesministerien schafft es Bildungsministerin Annette Schavan (CDU)
gerade noch unter die Top 5 der größten Etats. Schavan hat zwar wegen der
föderalen Aufteilung in vielen Bereichen der Bildungspolitik gar nicht mehr
das Sagen, kann sich aber dennoch in der Haushaltswoche nicht ausruhen.
Wegen der aktuellen Diskussion um ihr Eliten-Stipendienprogramm und die
Ausweitung des Bafögs attackiert die Opposition sie gerne und ausdauernd.
Dies scheint der mehrfach abgeschriebenen Ministerin nichts auszumachen.
Auf Öffentlichkeitsarbeit, Bekanntheit oder schicke Fotos - die Treppen
hinaufspringend oder am New Yorker Times Square posierend - pfeift Schavan.
Fördergelder für die Bühne: Kaum verwunderlich, dass auch ihr Presse-Etat
der kleinste unter den größten Ministerien ist: Gerade 370.000 Euro gibt
sie hierfür im kommenden Jahr aus. Steigerung gegenüber 2010: keine. Der
Posten reicht gerade für ein paar Broschüren. Den ersten Platz hat sie
damit irgendwie auch sicher. Nämlich in der Liste der
Antimedienpolitikerinnen. Die Haushaltsdebatte der Fachministerien wird
Schavan trotzdem gleich nach dem Finanzminister eröffnen.
11 Sep 2010
## AUTOREN
(DIR) Gordon Repinski
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