# taz.de -- Kommentar Liberale muslimische Gemeinde: Teherans langer Arm
> Im Inneren der Moschee, so scheint es, herrscht Freiheit, nur in der
> Öffentlichkeit dürfen Kontroversen auf keinen Fall ausgetragen werden.
(IMG) Bild: Gespalten: das Islamische Zentrum an der Hamburger Außenalster
Sollten die liberalen Kräfte wirklich das Islamische Zentrum an der
Außenalster verlassen, wäre dies kein leichter Schritt. Die Gläubigen dort
blieben mit den von Teheran bestellten Hardlinern allein, der Dialog, auf
den das Zentrum so stolz ist, bräche ab. Die Abtrünnigen müssten sich
vorwerfen lassen, dass sie es sind, die nicht die nötige Toleranz
aufbringen.
Das alles ist richtig, doch was nützt eine Offenheit, die nur für
Nicht-Iraner gilt? Keiner, der noch Familie oder Freunde im Iran hat - und
das haben fast alle - möchte sich namentlich mit kritischen Äußerungen über
den derzeitigen Kurs der Moschee zitieren lassen. Zu groß ist die Angst vor
dem langen Arm Teherans, dessen Geheimdienst auch die Hamburger Gläubigen
beobachtet.
So kommt es zu einer paradoxen Situation. Im Inneren der Moschee, so
scheint es, herrscht Freiheit, nur in der Öffentlichkeit dürfen
Kontroversen auf keinen Fall ausgetragen werden. Wir hier drinnen - ihr da
draußen: Es ist genau diese unheilvolle Abschottungspolitik, die dafür
sorgt, dass das Feindbild Islam auch nach Jahrzehnten der friedlichen
Koexistenz nicht totzukriegen ist.
Ein liberale muslimische Gemeinde ist längst überfällig. Ihre schiere
Existenz wäre der Beweis, dass Muslime nicht zwangsläufig konservativ sein
müssen - egal, ob das den Ayatollahs nun passt oder nicht.
10 Sep 2010
## AUTOREN
(DIR) Daniel Wiese
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