# taz.de -- Offizielles Bild von Nordkoreas Kronprinz: Such den Kim Jong-un!
> Am Dienstag wurde Kim Jong-Ils Sohn zum Kronprinzen befördert. Jetzt gibt
> es endlich auch ein offizielles Foto von ihm. Unschwer zu erkennen: Ein
> Prachtkerl.
(IMG) Bild: Für Adleraugen: Der Dritte von links ist Kim Jong-un.
***Update***
Bis gestern war er noch ein Phantom - nun gibt es das erste offizielle Bild
von Nordkoreas Kronprinzen. Nein, ein richtiges Portrait zum
Auf-der-Straße-Wiedererkennen ist es nicht. Nur ein unscharfer Ausschnitt
aus einem undatierten Bild mit geschätzten 200 Partei- und
Militärvertretern. Koreas zentrale Nachrichtenagentur stellte es am
Mittwoch zur Verfügung.
***
Das Phantom heißt Kim Jong Un: Der Mann ist noch nicht einmal dreißig Jahre
alt und wird womöglich schon in wenigen Jahren eine Atommacht führen. Doch
das Volk kennt ihn nicht, kein Foto wurde bislang veröffentlicht. Auch im
Ausland gelang es bis Mittwoch keiner Zeitung und keinem Fernsehsender, ein
aktuelles Bild von ihm aufzutreiben.
Dennoch scheint nach den Entwicklungen in Pjöngjang in dieser Woche kein
Zweifel mehr daran zu bestehen, dass der dritte Sohn des Machthabers Kim
Jong Il die Rolle des Kronprinzen spielen soll. "Der "Jugend-Hauptmann",
wie er bislang genannt wurde, soll dem 68-jährigen Kim-Vater helfen, die
Kontrolle des Landes in der Hand zu halten.
Dafür beförderte Kim seinen Filius auf hohe Posten in der Arbeiterpartei,
deren Delegierte sich seit Dienstag zu einem außerordentlichen Kongress in
der Hauptstadt versammelt haben: Kim Jong Un (auch Jong Eun geschrieben)
wurde Mitglied im Zentralkomitee und Vizevorsitzender der Zentralen
Militärkommission der Partei. Zuvor hatte sich Kim-Senior als
Generalsekretär bestätigen lassen.
Erst wenige Stunden vor dem Auftakt der Konferenz hatten die Nordkoreaner
erfahren, dass der junge Kim auch zum Vier-Sterne-General befördert worden
war. Diesen Rang erhielten auch - als bisher erste Frau - die einzige
Schwester Kim Jong Ils und eine Reihe weiterer Parteipolitiker und
Offiziere.
Der dritte Sohn soll 1982 oder 1983 geboren sein. Wie seine 64-jährige
Tante hat er nie in der Armee gedient. Allerdings soll er nach seiner
Schulzeit in Bern mehrere Jahre die Militärakademie in Pjöngjang und
Artillerie-Kurse besucht haben.
Zur Familienrunde an der Spitze der Macht gehört auch Kim-Schwager Jang
Song Taek. Er wurde jetzt zum Kandidaten des Politbüros der Partei erhoben
und ist bereits Mitglied des höchsten militärischen Gremiums in Nordkorea,
der Nationalen Verteidigungskommission. An deren Spitze steht wiederum
Staatsführer Kim Jong Il, der sich zuweilen Generalissimus nennen lässt.
Was in Pjöngjang gezeigt wird, ist die sorgsam inszenierte Schau einer
wiederbelebten Arbeiterpartei, die in den vergangenen Jahren nur noch als
organisatorische Hülle existierte. Ihre künftige Rolle ist noch nicht ganz
klar. Ihre Delegierten kamen nach 30 Jahren erstmals wieder in Pjöngjang
zusammen, um die Entscheidungen ihrer Führung zu bestätigen.
Aus China, das die Wirtschaft des armen Nachbarlandes in den vergangenen
Jahren immer wieder mit Energie- und Lebensmittelhilfen vor dem
Zusammenbruch bewahrt hat, kam Beifall: Chinas Partei- und Staatschef Hu
Jintao lobte gestern in seiner Grußbotschaft die "erfolgreiche"
Parteikonferenz und beglückwünschte Machthaber Kim zu seiner "Wiederwahl
zum Generalsekretär". Die Arbeiterpartei habe das "gesamte koreanische
Volk" unter Kims Führung "viele Jahre lang darin angeleitet, sich auf die
eigenen Kräfte zu stützen", hieß es weiter in einer - offenbar nicht
ironisch gemeinten - Formulierung der amtlichen chinesische
Nachrichtenagentur Xinhua.Mächtiger als die Partei ist bislang die Armee
Nordkoreas. Daran dürfte sich nach erstem Eindruck von der Konferenz
zunächst nicht viel ändern.
29 Sep 2010
## AUTOREN
(DIR) Jutta Lietsch
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