# taz.de -- Deutscher Fernsehpreis 2010: Ein letztes Zucken
       
       > Das deutsche Fernsehen schafft es nicht mal mehr, sich bei einer Gala
       > selbst zu feiern. Konsequenterweise schalteten die ZuschauerInnen ab.
       
 (IMG) Bild: Protestieren gegen die neuen Spielregeln beim Fernsehpreis: Schauspielerin Jessica Schwarz (v.l.n.r.), Regisseur Torsten C. Fischer und Schauspieler Thomas Kretschmann.
       
       BERLIN taz | Hannes Jaenicke ist der Mr. Agitprop des deutschen Fernsehens:
       Er rettet mal eben Wale oder Gorillas und hatte als einziger beim Deutschen
       Fernsehpreis neben dem kleinen „Ich bin preiswert“-Protest-Anstecker auch
       noch einen Anti-Stuttgart 21-Button an. Das haben aber nur die lieben
       Kollegen mitbekommen, die in Köln mit dabei sein durften. Wir anderen
       bekamen – eine Gala zum Abschalten. Das taten dann auch zwei Drittel der
       ZuschauerInnen, die vorher noch dem ARD-„Tatort“ aus Münster gefrönt
       hatten.
       
       Das deutsche Fernsehen, das sagen Senderchefs wie SchauspielerInnen, aber
       auch die beim Deutschen Fernsehpreis nunmehr ausgesperrten Regisseure,
       Drehbuchautoren und sonstigen Gewerke, sei eines der besten der Welt.
       Feiern kann es sich nicht. Kein Pomp und Circumstance, dafür ängstliche
       Mienen, ob denn wohl vom Protest der Kreativen etwas aufscheinen würde.
       
       Allen voran bei der ARD, die dieses Jahr mit der Ausrichtung des müden
       Spektakels dran war und aus Angst vor kreativer Störung vorsorglich
       zwischen Event (Beginn: Samstag, 19.00 Uhr) und Ausstrahlung (Sonntag,
       21.45 Uhr), noch einen nordkoreanischen Sicherheitsabstand eingebaut hatte.
       
       Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist das nur noch eins – peinlich.
       Denn neben ein paar netten Andeutungen auf der Bühne blitzte ohnehin nur
       eins auf: Die kleinen „Ich bin Preiswert“-Badges reflektierten das
       Scheinwerferlicht. Was draufstand, konnte man als gemeine Sofakartoffel
       zwar sowieso nicht lesen.
       
       Dafür sprach Bände, wer alles nicht da war: Der gleich zweimal
       ausgezeichnete Dominik Graf lies schön Grüßen, Günther Jauch war auf seinem
       Weinberg unabkömmlich, Götz George kam nur per Video.
       
       Der deutsche Fernsehpreis ist in seinem zwölften Jahr am Ende, er zuckt
       nicht mal mehr richtig. Dabei gehört der TV-Jahrgang 2009/2010 bei beiden
       Sendertypen gewiss nicht zu den Schlechtesten.
       
       Aber was ist auch von einem Preis zu erwarten, dem die Webfehler schon mit
       der Geburt eingehaucht wurden: Denn wer stiftet den Preis? Die vier großen
       Sendergruppen (ARD, ZDF, ProSiebensat.1, RTL). Und wer wird ausgezeichnet?
       Letztlich die vier großen Sendergruppen (ARD, ZDF, ProSiebenSat.1, RTL). Da
       geht es um Proporz und das „auch mal dran sein“, um gespielte
       Chancengleichheit und Gleichwertigkeit im dualen System von Privaten und
       Öffentlich-Rechtlichen.
       
       Sinn macht das wenig, und mittlerweile haben die Sender alles dazu getan,
       dass sich diese Erkenntnis überall Bahn bricht. Dafür kann man dann
       allerdings schon wieder ein bisschen dankbar sein.
       
       11 Oct 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Steffen Grimmberg
       
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