# taz.de -- Streit der Woche: "Warnungen schützen Geheimdienste"
> Wenn Bundesinnenminister de Maizière zur Wachsamkeit vor Terroranschlägen
> aufruft, sieht Linken-Chefin Lötzsch darin ein Ablenkungsmanöver.
(IMG) Bild: Kann man mit Warnungen das Schlimmste verhindern?
BERLIN taz | Die Vorsitzende der Linken, Gesine Lötzsch hat Innenminister
Thomas de Maizière (CDU) vorgeworfen, mit seiner jüngsten Terrorwarnung nur
die Etats von Bundesnachrichtendienst und Verfassungsschutz verteidigen zu
wollen. „Die dramatischen Warnungen vor Terroranschlägen sollen demzufolge
nicht die Bürgerinnen und Bürger schützen, sondern die Geheimdienste“,
schreibt Lötzsch im „Streit der Woche“ der sonntaz.
Die Koalition wolle den Militärischen Abschirmdienst (MAD) abschaffen und
bei den anderen Geheimdiensten kräftig kürzen, stellt Lötzsch fest. Das sei
begrüßenswert, schreibt die Linken-Vorsitzende: „Offensichtlich sind die
Postboten über Paketbomben eher informiert als die Schlapphüte.“ Sie selbst
brauche keine Terrorwarnungen. „Wenn ich auf die Straße gehe, passe ich
immer höllisch auf, um nicht in Hundekot zu treten oder von Touristen
überrannt zu werden. Ich wäre überfordert wenn ich mich auch noch um
herrenlose Koffer und Pakete kümmern müsste.“
Am vergangenen Wochenende hatte de Maizière so drastisch vor
Terroranschlägen gewarnt, wie bisher noch nie in seiner Amtszeit. „Ich
möchte die Bevölkerung bitten, in ihrem Umfeld wachsam zu sein und alles,
was ihr verdächtig erscheint, der Polizei zu melden“, sagte er der Bild am
Sonntag.
Vorher galt er lange als „Entwarnungsminister“. Im Gegensatz zu seinem
Vorgänger Wolfgang Schäuble (CDU) weigerte er sich, allzu oft auf eine
abstrakte Terrorgefahr hinzuweisen. Dennoch hat auch er seit seinem
Amtsantritt vor einem Jahr bereits vier weitere Male auf eine abstrakte
Bedrohung durch Terroristen hingewiesen. Schäuble hingegen sprach
regelmäßig und detailliert von terroristischen Bedrohungen ohne, das es
konkrete Hinweise gab. So warnte er 2007 von Angriffen mit „schmutzigen
Bomben“ oder von „einzelnen Türkischstämmigen“, die eine „Neigung zum
radikalen Islamismus“ entwickelt hätten.
Wolfgang Schäuble warnte in den vergangenen 13 Jahren am häufigsten vor der
Gefahr durch Terrorismus. Vor 2001 war Terrorismus kein Thema für
Bundesinnenminister. Eine komplette Übersicht über die einzelnen Warnungen,
wie sie über die Ticker liefen, finden Sie [1][hier].
Auch der Innenminister von Bayerm Joachim Herrmann (CSU) spricht sich für
Terrorwarnungen aus. „Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht darauf zu
erfahren, wie die aktuelle Sicherheitslage ist“, sagte Herrmann taz.de.
„Mit Panikmache haben solche Sicherheitshinweise nichts zu tun.“ Es bestehe
auch kein Grund Großveranstaltungen zu meiden: „Ich sage allen Bürgerinnen
und Bürgern: Seien Sie nicht ängstlich, aber seien Sie wachsam.“ Herrmann
sagte auch, dass Terrorwarnungen allein keine Anschläge verhindern könnten.
Wie Gesine Lötzsch vermutet auch der israelische Schriftsteller Assaf
Gavron, dass vor allem Sicherheitskräfte von Terrorwarnungen profitieren:
„Sie demonstrieren dadurch ein hohes Maß an Kompetenz und mache auch die
eventuellen Opfer ein Stückweit selbst verantwortlich – warum sind diese
auch an den Ort X gegangen, obwohl davor gewarnt wurde?“, schreibt Gavron
in der sonntaz.
Im Streit der Woche in der aktuellen sonntaz äußern sich außerdem der
US-Amerikanische Botschafter in Deutschland, Philip D. Murphy, der
Innenminister von Niedersachsen, Uwe Schünemann (CDU), der
Bundesvirsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, sowie der
ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP).
12 Nov 2010
## LINKS
(DIR) [1] https://spreadsheets.google.com/ccc?key=0AmGzErUkbZfXdE13b0pLTGsxbnRVOFMteFVjS3pPM2c&hl=de&authkey=CP7Fi7MF
## AUTOREN
(DIR) Lalon Sander
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