# taz.de -- Von der Leyen verteidigt Beschluss: Rente mit 67 ist "vertretbar"
> Die Bundesarbeitsministerin wünscht sich Fairness zwischen den
> Generationen. Daher verteidigt sie die Anhebung des Rentenalters. Die
> Opposition kritisiert die Zahlentricks.
(IMG) Bild: Arbeiten bis 67: Dann muss die 52-jährige Arbeitsministerin von der Leyen noch 15 Jahre ran.
BERLIN taz | ArbeitnehmerInnen müssen künftig zwei Jahre länger arbeiten,
wollen sie ohne Abschläge in Rente gehen. Bundesarbeitsministerin Ursula
von der Leyen (CDU) sagte am Mittwoch in Berlin, die Regierung halte an
ihrem Beschluss zur Rente mit 67 fest. Die Rente mit 67 sei "berechtigt und
vertretbar".
Kurz zuvor hatte das Kabinett den Bericht "Aufbruch in die altersgerechte
Arbeitswelt" gebilligt. Der Bericht prüft zum ersten Mal die
Beschäftigungssituation älterer ArbeitnehmerInnen. Dies war eine der
Voraussetzungen, auf die sich die große Koalition aus CDU und SPD 2007
geeinigt hatte, als sie die Rente mit 67 verabschiedete. Das Gesetz zur
längeren Lebensarbeitszeit sieht vor, ab 2012 das Renteneintrittsalter
schrittweise anzuheben.
2029 soll dann für alle ArbeitnehmerInnen die Rentengrenze von 67 Jahren
gelten. Von der Leyen begründete die Rente mit der gestiegenen
Lebenserwartung und damit, dass immer mehr Menschen länger ihre Rente
bekämen. So habe sich der durchschnittliche Rentenbezug in den letzten 50
Jahren von 10 auf 18 Jahre erhöht. Statt sechs Erwerbstätiger erarbeiteten
diese Rente aber nur noch drei Personen. "Wir müssen die Lasten fair und
gerecht zwischen den Generationen verteilen", sagte von der Leyen.
Die älteren Arbeitnehmer sieht die Ministerin als "Gewinner am
Arbeitsmarkt". Sie verwies darauf, dass sich die Zahl der 60- bis
64-Jährigen, die erwerbstätig sind, zwischen 2000 und 2010 auf 41 Prozent
verdoppelt habe. Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten verzeichne in der gleichen Altersgruppe zwischen 2000 und
2009 "fast eine Verdoppelung" auf 23,4 Prozent.
Kritik an der Rente mit 67 kam aus den Oppositionsparteien, Gewerkschaften
und Sozialverbänden. Matthias Birkwald, der rentenpolitische Sprecher der
Linksfraktion, sagte, die Rente ab 67 sei nicht haltbar. "Es ist und bleibt
ein gigantisches Rentenkürzungsprogramm." Birkwald kritisierte, dass der
Regierungsbericht keine Quoten für Vollzeitbeschäftigung enthalte. Diese
hat die Linke beim Statistischen Bundesamt erfragt. Nimmt man
Vollzeitarbeit bei den 60- bis 64-Jährigen zum Maßstab, fällt demnach die
Erwerbstätigenquote von 41 auf 27 Prozent.
Vollzeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren in der gleichen
Altersgruppe demnach nur 17 statt 23,4 Prozent. Bei den Frauen war nur jede
zehnte Vollzeit in einem sozialversicherungspflichtigen Job tätig. "Die
Bundesregierung verschweigt die harten Fakten der miserablen
Arbeitsmarktlage Älterer", sagte Birkwald.
Bei den Grünen betonte der rentenpolitische Sprecher der
Bundestagsfraktion, Wolfgang Strengmann-Kuhn, dass die Rente mit 67
langfristig durchaus Sinn mache. "Aber die Rahmenbedingungen müssen
stimmen. Derzeit ist die aktuelle Situation der älteren Beschäftigten alles
anderes als rosig."
Um Altersarmut vorzubeugen, forderte Strengmann-Kuhn eine Garantierente.
Versicherte, die über 30 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt haben,
sollen demnach eine Mindestrente erhalten, die über dem
Grundsicherungsniveau liegen soll. Diese Rente könne zwischen 750 und 800
betragen, sagte Strengmann-Kuhn.
Auch Anette Kramme, sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, warf der
Regierung vor, die Zahlen zur Rente mit 67 "schönzureden". Kramme erneuerte
die Forderung, das Renteneintrittsalter erst anzuheben, wenn "mindestens
jeder Zweite in der Altersgruppe 60 bis unter 65 Jahren tatsächlich einer
regulären Beschäftigung nachgeht". Eine Anhebung der Beitragssätze zur
Rentenversicherung um 0,5 Prozentpunkte, wie es der Deutsche
Gewerkschaftsbund als Ersatz für die Rente mit 67 gefordert hatte, kommt
für SPD und Grüne nicht in Frage.
18 Nov 2010
## AUTOREN
(DIR) Eva Völpel
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