# taz.de -- Streit um Themenpark in den USA: Staatshilfe für Noahs Arche
       
       > Kentucky braucht Jobs. Also will sein Gouverneur den Nachbau der Arche
       > Noah fördern. Experten sehen darin einen Bruch mit der US-Verfassung,
       > denn die Idee stammt von einer christlichen Sekte.
       
 (IMG) Bild: Wurde an "authentischerer" Stelle schon mal in kleinerer Form nachgebaut: Greenpeace-Aktivisten errichteten 2007 am Berg Ararat in der Türkei eine Arche, um auf die Erderwärmung aufmerksam zu machen.
       
       BERLIN taz | Was macht der Gouverneur von Kentucky, um die
       Arbeitslosenquote in dem US-Bundesstaat zu senken? Er lässt eine Arche
       errichten und bietet den Investoren massive Steuererleichterungen an.
       
       Ein "originalgetreuer", 152 Meter langer Nachbau der Arche Noah soll in
       Grant County entstehen – bevölkert von Tieren und Darstellern der
       Familienmitglieder Noahs. Das Riesenschiff ist als Herzstück des an
       christlichen Themen orientierten Freizeitparks "Begegnung mit der Arche"
       (Ark Encounter) geplant, wie die New York Times am Montag berichtete.
       
       Kaum hatte Gouverneur Steven Beshear am vergangenen Mittwoch die Pläne für
       den Freizeitpark angekündigt, äußerten Experten Zweifel an der
       Verfassungsmäßigkeit der staatlichen Unterstützung für ein Unternehmen,
       dass sich die Förderung der Religion auf die Fahnen geschrieben hat – sieht
       doch der erste Artikel der US-Verfassung eine klare Trennung zwischen Staat
       und Kirche vor.
       
       Die christliche Priesterschaft Answers in Genesis (Antworten in der
       Entstehungsgeschichte), die das Konzept für den Freizeitpark entworfen hat,
       ist in Kentucky keine Unbekannte. Nur 45 Meilen vom voraussichtlichen
       Baugelände für "Begegnung mit der Arche" entfernt, befindet sich das so
       genannte [1][Creation Museum] in Petersburg, das von der
       Glaubensgemeinschaft betrieben wird. Dort zeigen Dioramen, wie Menschen und
       Dinosaurier einst in friedlicher Koexistenz auf einer Erde lebten, die in
       sechs Tagen von Gott geschaffen wurde.
       
       Dahinter steckt die Absicht, Darwins Evolutionstheorie zu demontieren, zu
       Gunsten des Kreationismus, der die biblische Schöpfungsgeschichte als
       historische Tatsache behauptet. Answer in Genesis nimmt an, dass die Erde
       lediglich 6.000 Jahre alt sei – eine These, die selbst unter vielen
       bibeltreuen Christen umstritten ist.
       
       Zwar ist das Creation Museum eine beliebte Zielscheibe des Spotts. Doch in
       den ersten drei Jahren seines Bestehens hat es schon 1,2 Millionen Besucher
       angezogen und damit demonstriert, dass eine beträchtliche Zahl von
       US-Amerikanern dazu bereit ist, für Unterhaltung im Sinne einer
       wortgetreuen Auslegung der Bibel Eintrittsgeld zu zahlen.
       
       Besonders scharf wurden die Freizeitparkpläne im Lexington Herald-Leader,
       Kentuckys zweitgrößter Tageszeitung, kritisiert. Diese bemängelte, dass das
       Vorhaben lediglich für die Schaffung von Niedriglohn-Jobs sorgen und ein
       schlechtes Image Kentuckys zur Folge haben würde. Die Art und Weise wie
       Beshears Regierung hierbei agiere, so die Zeitung, lasse den Schluss zu,
       dass in Kentucky kreationistisches Gedankengut gehegt und gepflegt werde.
       Zumindest sei man bereit, davon ökonomisch zu profitieren.
       
       "Einem Privatunternehmen ist es unbenommen, Noahs Arche zu rekonstruieren,
       aber der Gouverneur sollte dabei nicht mitmachen", äußerte sich auch
       Reverend Barry W. Lynn, der Geschäftsführer der US-amerikanischen
       Vereinigung für die Trennung von Staat und Kirche. "Der Staat sollte keine
       Steuererleichterungen für religiöse Projekte gewähren. Religion sollte
       durch freiwillige Spenden finanziert werden, aber nicht durch die
       Regierung", so [2][Lynn gegenüber dem Lexington Herald-Leader].
       
       Die Macher des Themenparks "Begegnung mit der Arche" planen, 150 Millionen
       Dollar in das Vorhaben zu investieren und 900 Arbeitsplätze zu schaffen.
       Für das erste Jahr erwarten sie 1,6 Millionen Besucher aus aller Welt.
       Ihnen schwebt vor, den Themenpark mit dem Creation Museum zu einer Art
       bibeltouristischen Korridor zu verbinden, in dem Gruppen aus
       Kirchengemeinden und christlichen Schulen per Bus zwei- bis dreitägige
       Touren unternehmen.
       
       Um eine "wirklichkeitsgetreue" Darstellung der Arche zu erzielen, soll die
       Arche von Zimmerleuten der Amish People aus Fachwerk und Holznägeln
       errichtet werden, erklärte Mike Zovath, Senior-Vizechef von Answers in
       Genesis, der für den Bau des Themenparks verantwortlich zeichnet. In den
       Gehegen an Bord der Arche sollen zum Beispiel auch Giraffen, aber insgesamt
       nur Jungtiere gehalten werden. "Gott hat wahrscheinlich gesunde, nicht ganz
       ausgewachsene Tiere auf die Arche geschickt, so dass ihnen dort viel Raum
       zu Verfügung stand", ist sich Zovath, ein Oberstleutnant im Ruhestand,
       sicher.
       
       "Begegnung mit der Arche" wird von den Machern als ein Modell ökologisch
       nachhaltiger Entwicklung zur Verringerung von Kohlenstoffemissionen
       verkauft. "Ich glaube nicht an den Klimawandel", betont Zovath gegenüber
       der New York Times, "aber ich denke, wir sollten gute Verwalter dessen
       sein, was Gott uns gegeben hat." Man wolle zeigen, wie Noah die
       Müllentsorgung, den Wasser- und Nahrungsbedarf an Bord regelte.
       
       Zu den weiteren Attraktionen des Parks sollen ein 30 Meter hoher Turm zu
       Babel, ein arabisches Dorf aus dem ersten Jahrhundert nach Christus und ein
       Parcours durch das Alte Testament gehören – letzterer mit Spezialeffekten
       zur Simulation der sieben Heimsuchungen und der Teilung des Roten Meeres
       während der Flucht von Moses aus Ägypten. Für Kinder soll es einen
       Streichelzoo, ein Spielplatz mit Kletternetzen und Dressurshows mit Vögeln
       und anderen Tieren geben - auch letztere werden von den Dompteuren mit
       religiösem Gospel begleitet.
       
       Das erst dieses Jahr verabschiedete Gesetz zur Tourismusentwicklung in
       Kentucky sieht vor, dass bis zu 25 Prozent der Baukosten von
       Touristenattraktionen vom investierenden Unternehmen innerhalb eines
       10-Jahres-Zeitraums wieder hereingeholt werden können - durch Einbehalt der
       Umsatzsteuer, die mit der Einrichtung erzielt wird. Für "Begegnung mit der
       Arche" wird mit einer Summe von 37,5 Millionen Dollar gerechnet - rund ein
       Viertel der Investitionen.
       
       Wird der Bauantrag für den Themenpark tatsächlich genehmigt, soll schon im
       nächsten Jahr der erste Spatenstich erfolgen. Mit der Fertigstellung wird
       im Jahr 2014 gerechnet.
       
       Cary Summers, Chef der Konsultationsfirma The Nehemiah Group und Berater
       von Answers in Genesis, gab zu verstehen, dass das Themenpark-Projekt auch
       in Ohio und Indiana angeboten worden sei. Doch Kentucky hätte sich bei
       weitem am aufgeschlossensten gezeigt und auch die größten finanziellen
       Anreize angeboten.
       
       Den Kritikern an dem Freizeitpark-Projekt entgegnete William Dexter, ein
       Rechtsberater des Tourismusministeriums, man orientiere sich in Kentucky an
       einem Urteil eines Bundesappellationsgerichts. Das Gericht hatte eine Klage
       von Atheisten gegen die Stadt Detroit abgewiesen, mit der Begründung, nicht
       nur Unternehmen, sondern auch Kirchen dürften staatliche Zuschüsse
       erhalten, wenn diese zu Zwecken der Stadterneuerung eingesetzt würden.
       "Unser Fall ist ähnlich gelagert, außer dass es bei ihm um eine
       touristische Entwicklung durch einen kommerziellen Konzern handelt", so Mr.
       Dexter.
       
       "Begenung mit der Arche" befindet sich im Besitz eines profitorientierten
       Unternehmens, an dem Answers in Genesis nur Anteile hält. Allerdings will
       sich die Priesterschaft nach der Einweihung des Freizeitparks um den
       täglichen Betrieb des Parks kümmern.
       
       Egon Chemerinsky, Verfassungsgelehrter und Gründungsdekan der Jurafakultät
       der University of California, Irvine, sagte der New York Times: "Wenn es
       darum geht, die Bibel lebendig zu machen - und es ist die biblische
       Erzählung, die sie präsentieren - dann zahlt die Regierung für die
       Förderung von Religion. Das hat der Oberste Gerichtshof aber verboten." Er
       fügte hinzu, die Tatsache, dass es sich bei dem Themenpark um ein
       ökonomisches Vorhaben handelt, würde dies nicht entschuldigen können.
       
       Doch der Kreisvorsitzende von Grant County, Darrell Link, setzt unbeirrt
       große Hoffnungen in die "Begegnung mit der Arche". Das Projekt könne
       zukünftig Wirtschaftsmotor für eine Region sein, die seit Generationen von
       einer dahinsiechenden Tabakindustrie abhängig sei. "Ich sehe voraus, dass
       mit der Arche ein Regenbogen erscheinen wird", schwärmte Link in blumigen
       Worten gegenüber dem Lexingtion Herald-Leader, "und am Ende des Regenbogens
       befindet sich eine Truhe voll Gold". OP
       
       7 Dec 2010
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.youtube.com/watch?v=TME30pPBw58
 (DIR) [2] http://www.kentucky.com/2010/12/01/1548449/private-investors-look-to-build.html
       
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