# taz.de -- Volleyball-Entwicklungshilfe in Kamerun: Hechtbagger auf Asphalt
       
       > Ein deutscher Trainer soll Kameruns Volleyballer an die Weltelite
       > heranführen. Unter freiem Himmel trainiert er die Mannschaft. Das Ziel
       > ist Olympia 2012 in London.
       
 (IMG) Bild: "Wir haben mittlerweile Fanklubs auf Facebook." – Peter Nonnenbroich bei der WM 2010 in Italien im Kreise seines Teams.
       
       Die Feiertage in München hat Peter Nonnenbroich in heimischen Gefilden
       verbracht. Endlich hat er einmal wieder Eis und Schnee gesehen. Für den
       Volleyballtrainer ist das geradezu exotisch geworden. Ein bisschen kalt sei
       es für sein Empfinden dann aber doch gewesen, "und jetzt freue ich mich
       wieder auf die Wärme". In Kamerun, wohin der 53-jährige Nonnenbroich
       gezogen ist, leben die Menschen mit der Hitze, die sie das ganze Jahr über
       umgibt.
       
       Zurzeit ist es mit etwas mehr als 30 Grad in der Hauptstadt Jaunde
       einigermaßen erträglich. Für Nonnenbroich ist die Temperatur ein
       entscheidender Faktor, schließlich wird die Trainingsplanung auch von den
       klimatischen Bedingungen diktiert. Zum Beispiel davon, ob gerade Regenzeit
       ist oder nicht. Oder ob es so heiß wird, dass es besser ist, frühmorgens
       und kurz vor dem Sonnenuntergang ans Netz zu gehen.
       
       Kameruns Volleyballer trainieren und spielen meist unter freiem Himmel.
       Auch sonst sind die äußeren Bedingungen alles andere als einfach. So etwas
       wie die hierzulande üblichen stoßdämpfenden Taraflexböden gibt es in
       Kamerun nicht. Trainiert wird auf Zement und Asphalt. Nonnenbroichs
       Athleten vollführen trotzdem den klassischen Hechtbagger, "sie sind es ja
       nicht anders gewohnt". Der Trainer sagt: "Europäische Profis würden sich
       mit Sicherheit weigern, auf diesem Boden zu spielen."
       
       Es war vor allem Abenteuerlust, die Nonnenbroich dazu bewogen haben,
       Volleyballer aus Zentralafrika an den internationalen Standard
       heranzuführen. Als Trainer wurde er Landesmeister in Deutschland (1998 mit
       den Frauen des Schweriner SC), der Schweiz, Frankreich und Tunesien. Zudem
       fungiert er seit 15 Jahren als Instructor für den Weltverband FIVB. Er ist
       als eine Art Volleyball-Entwicklungshelfer weltweit unterwegs, um kleinen
       Ländern zu helfen, Trainer auszubilden und Strukturen für ihren Sport
       aufzubauen.
       
       Nach Kamerun kam er auf Vermittlung der FIVB. Die war 2006 gebeten worden,
       einen Trainer zu vermitteln und zu finanzieren, der Kameruns Frauen bei der
       WM in Japan betreuen könne. Nonnenbroich sagte spontan zu: "Ich war gerade
       frei, und es hat mich gejuckt". Eine Mission, die er als "abenteuerlich"
       bezeichnet, "schließlich saß ich in Japan für ein Land auf der Bank, in das
       ich noch nie einen Fuß gesetzt hatte". Der Mann aus München muss einen
       bleibenden Eindruck hinterlassen haben, später engagierte ihn Kameruns
       Sportminister, um die männlichen Volleyballer des Landes in Form zu
       bringen.
       
       Das ist bislang eindrucksvoll gelungen. Im Herbst zog Kamerun bei der WM in
       Italien durch den Sieg gegen Australien in die Zwischenrunde ein und
       vollbrachte damit eine historische Tat. Zum ersten Mal hatte ein Land aus
       Zentralafrika bei einer Weltmeisterschaft ein Spiel gewonnen. Was sich
       danach abspielte, bezeichnet Nonnenbroich als "beeindruckendstes Erlebnis
       meiner Trainerlaufbahn". Oliver Nongny Zamguim Mefani, der in der
       Bundesliga für Düren spielt, ging in die Knie und verlor die Fassung. Ein
       2,03-Meter-Riese mit Oberschenkeln wie Baumstämme und Händen wie
       Bratpfannen weinte wie ein Kind, seine Mitspieler wurden ebenfalls von
       ihren Gefühlen übermannt. Später, bei der Pressekonferenz, flossen auch bei
       Nonnenbroich die Tränen.
       
       Nonnenbroich weiß, "es gibt mit Sicherheit bessere Mannschaften als unsere.
       Aber keine hat mehr Ausstrahlung." In Italien hinterließen die
       sprunggewaltigen Athleten nicht nur mit ihren Angriffen, sondern auch mit
       hingebungsvollen Tänzen Spuren. "Wir haben mittlerweile Fanklubs", weiß
       Nonnenbroich, "die sich auf Facebook organisieren und uns folgen."
       
       Nun geht es darum, das nächste große Ziel in Angriff zu nehmen.
       Nonnenbroich will das Team zu den Olympischen Spielen 2012 führen. "Wenn
       der Sportminister bleibt und man mich lässt", will der Deutsche in zwei
       Jahren mit Kamerun in London aufschlagen. Und damit nicht nur die
       Popularität der Volleyballer in ihrem Land mehren, sondern sich auch seinen
       größten Traum erfüllen. 1972 sah er als 15-Jähriger in seiner Heimatstadt
       das olympische Finale zwischen Japan und der UdSSR und nahm sich vor: "Da
       willst du auch mal hin." Wenn es 40 Jahre später gelingen sollte, den
       Schwur von München einzulösen, wäre das für Peter Nonnenbroich eine große
       Sache: "Auch wenn es ganz schön lange gedauert hätte.
       
       6 Jan 2011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Felix Meininghaus
       
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