# taz.de -- Streit der Woche: Dürfen Lehrer schreien?
       
       > Grundschullehrerin Ursula Sarrazin beklagt das sinkende Niveau der
       > Schüler und fordert mehr Gehorsam. Ihre Vorstellungen von Pädagogik
       > provozieren Kritik.
       
 (IMG) Bild: Wieviel Disziplin brauchen Schüler? Ein Klassenzimmer der Kaiserzeit im Dresdener Schulmuseum.
       
       Das Wochendende steht kurz vor der Tür, die ganze Schulklasse ist etwas
       überdreht. In der ersten Reihe steckt jemand seiner Nachbarin einen Stift
       ins Ohr, die kreischt und wirft ihm ein Pausenbrot an den Kopf. Den
       Lockenkopf dahinter stört das nicht – er schnarcht friedlich. Seine Haare
       sind voller Papierkügelchen, die von ganz hinten kommen, wo schon Nachschub
       geformt wird.
       
       Eine Kugel fliegt zu weit und trifft die Lehrerin. Und der platzt der
       Kragen. "Jetzt ist Schluss!", brüllt sie. Plötzlich Totenstille. Der
       Schnarcher zuckt zusammen. Jeder weiß, dass in Schulen geschrien wird. In
       vielen Klassen ist der Lärmpegel hoch – Hörstürze und chronische
       Ohrgeräusche kommen bei Lehrerinnen und Lehrern besonders häufig vor.
       
       Immer wieder werden Klagen einzelner Schulen über fehlende Disziplin laut.
       An der Berliner Rütli-Schule waren die Lehrer 2006 so verzweifelt, dass sie
       die Schließung der eigenen Schule vorschlugen. Heute, vier Jahre nach dem
       Hilferuf, präsentiert sich der Campus Rütli als Vorzeigeschule moderner
       Pädagogik.
       
       Aber die Diskussion um Disziplin im Unterricht kommt wieder. Die
       Grundschullehrerin Ursula Sarrazin, die Frau von Thilo Sarrazin, beklagt
       das sinkende Niveau der Schüler und fordert, dass Lehrer für Gehorsam der
       Schüler sorgen müssen. Gegen Ursula Sarrazin wurden Anschuldigungen von
       Eltern laut, sie sei autoritär und habe Schüler verhöhnt. Die Lehrerin
       wehrt sich.
       
       Darunter liegt die Diskussion, welche Pädagogik an deutschen Schulen
       vorherschen soll. Welche Grenzen Kinder brauchen. Im Pädagogikstudium wird
       Schreien als einschüchternde Gewalt verstanden. Der Lehrer und Autor
       Stephan Serin schreibt dagegen etwa, seine Schüler würden regelmäßig von
       ihm fordern, er schreie, weil sie bei dem Lärm in der Klasse nichts
       verstünden. Serins Buch „Föhn mich nicht zu“, ein Bericht „aus den
       Niederungen der deutscher Klassenzimmer“, steht momentan in der
       Spiegel-Bestsellerliste.
       
       Was meinen Sie: Wie weit können Lehrende ihren Schülern gegenüber gehen?
       Dürfen Lehrer schreien?
       
       25 Jan 2011
       
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