# taz.de -- Kolumne Nebensachen aus Peking: Null Toleranz für Fälscher
> In China gab es eine ganze Reihe von Plagiatsskandalen, der
> Wissenschaftsminister hat eine "Null-Toleranz-Kampagne" ausgerufen.
(IMG) Bild: So ist's recht: Am 1. Juli ist der 90. Jahrestag der Parteigründung, da muss alles sitzen
"Jetzt ist es an der Zeit, Ihren Lebenslauf zu überarbeiten." Mit diesem
Rat muss sich derzeit nicht nur der deutsche Verteidigungsminister
Karl-Theodor zu Guttenberg herumplagen - auch in China werden allenthalben
Bewerbungsunterlagen und Biografien aufpoliert. Nach einer Reihe von
Plagiatsskandalen und Affären um gekaufte akademische Titel hat
Wissenschaftsminister Wan Gang eine "Null Toleranz"-Kampagne ausgerufen.
"Wir werden die Vergangenheit dieser Forscher, die ihre Arbeiten
verfälschen, ausgraben und sie bestrafen", drohte er.
So verlor erst vor wenigen Tagen ein 45-jähriger Professor der renommierten
Hochschule für Kommunikation in Xian seinen prestigeträchtigen
Wissenschaftspreis. Dem Professor, Li Liansheng, waren sechs Kollegen auf
die Schliche gekommen, die etwa 30 Beispiele abgekupferter
Forschungsergebnisse Lis im Internet veröffentlicht hatten.
Debattiert wurde auch die Affäre um einen prominenten Geschäftsmann namens
Tang Jun. Der war ertappt worden, dass er sich mit einem womöglich
gekauften akademischen Grad einer obskuren Hochschule in den USA schmückte
- aber dann glauben ließ, er habe den PhD an der renommierten California
Institute of Technology erworben. Als seine Schummelei aufflog, redete er
sich mit einem Versehen seines Verlags heraus, der seinen Bildungsweg
falsch beschrieben habe.
Tang Jun ist nur einer von vielen in China, denen solche Irrtümer in den
letzten Jahren unterliefen: Schräge Doktoren, Magister und Bachelors gibt
es, wenn man chinesischen Hochschulexperten glaubt, wie Sand am Meer. Und
für die echten Akademiker steht inzwischen eine ganze Ghostwriter-Industrie
bereit, um ihnen wissenschaftliche Publikationen per "Copy & Paste" zu
verfassen - gegen eine Gebühr.
Doch auch in der Politik wird ein Doktor - oder wenigstens der Magister -
immer wichtiger, wenn man Karriere machen will. Lang vergessen scheinen die
Zeiten der Kulturrevolution, als Mao Zedong Intellektuelle als "Stinkende
Neunte Kategorie" denunzierte und die Hochschulen schließen ließ, um den
Klassenkampf besser vorantreiben zu können.
Doch - anders als im Fall von Geschäftsleuten und Professoren - wissen sich
Chinas Politiker gegen unliebsame Plagiatsjäger und Titelkontrolleure zu
schützen. Ihre Dissertationen stehen im Giftschrank. Darum dürfte sie ihr
deutscher Kollege wohl beneiden.
21 Feb 2011
## AUTOREN
(DIR) Jutta Lietsch
## TAGS
(DIR) taz.lab 2011 „Die Revolution haben wir uns anders vorgestellt“
(DIR) taz.lab 2011 „Die Revolution haben wir uns anders vorgestellt“
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