# taz.de -- die wahrheit: Plagiator honoris causa
       
       > Skandale: Überraschende Wendung in der Plagiatsaffäre Guttenberg.
       
       Die Causa Guttenberg und kein Ende. Immer neue Wendungen nimmt der Fall des
       aalglatten Barons. Nachdem die Universität Bayreuth am Mittwochabend zu
       Guttenberg verblüffend schnell die Doktorwürde aberkannte, überraschte die
       Alma Mater des Ministers am gestrigen Donnerstag mit einem genialen Coup,
       der die Plagiatsaffäre schlagartig beenden dürfte. Die erste
       CSU-Kanzleramtshoffnung seit Franz Josef Strauß wird nun sogar als großer
       Reformer des deutschen Bildungswesens in die Geschichte eingehen.
       
       Wie das Präsidentenbüro der Universität Bayreuth gestern bekanntgab, hat
       die zentrale Universitätsverwaltung auf Initiative des
       Verteidigungsministers rückwirkend einen neuen Doktorgrad eingeführt, den
       "Dr. rer. plag." Im Eilverfahren wurde dazu am Donnerstag eine
       Änderungssatzung zur Promotionsordnung der Universität verabschiedet. Unter
       Paragraf 1 "Doktorgrade" bildet der Titel nun eine Ergänzung zum bisherigen
       Angebot aus "Dr. jur." und "Dr. rer. pol."
       
       Artikel 5 des Paragrafen beschreibt die Promotionsleistung für den Dr. rer.
       plag.: "Sie besteht aus einer Dissertation, die den bestehenden
       wissenschaftlichen Forschungsstand reflektiert, ohne ihn durch eigene
       Schlussfolgerungen zu verzerren." Weiterhin heißt es: "Um im Zuge der
       kontinuierlich voranschreitenden Öffnung der akademischen Welt auch
       außeruniversitäre Leser anzusprechen, wird auf Quellenangaben verzichtet
       und das Referieren der bestehenden Positionen grundsätzlich in die Form des
       ,inneren Monologs' gebracht."
       
       Wie zudem am Donnerstag bekannt wurde, hat der Verteidigungsminister im
       Gegenzug für diese Institutionalisierung seiner Verdienste um das deutsche
       Bildungswesen den mit 3.000 Euro dotierten "KT Achiever"-Award ausgelobt.
       Die Auszeichnung wird ab dem kommenden Sommersemester einmal jährlich an
       diejenigen Promovierenden verliehen, die sich, so eine Pressemitteilung aus
       dem Berliner Büro des Ministers, "in besonderer Weise um die
       Kernanforderungen des neuen Titels verdient gemacht" haben.
       Mindestvoraussetzung ist hierbei ein Abschluss mit der Bestnote "summa cum
       laude".
       
       Den ersten neuen Doktortitel verlieh die Universität Bayreuth
       erwartungsgemäß Karl-Theodor zu Guttenberg - und das "honoris causa". Der
       Minister darf sich also künftig "Dr. h. c. rer. plag." nennen. Der
       Ausgezeichnete zeigte sich "in aller Demut" dankbar für den positiven
       Ausgang der Affäre und erklärte sie mit gewohnt humorvollen Worten für
       beendet: "Sonst krieg isch Plaque."
       
       25 Feb 2011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Holger Münch
       
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