# taz.de -- Kommentar Lehrer im Alter: Lehrer sind nur selten faule Säcke
> Lehrkräften wird seit langem mehr abverlangt, als nur Wissen in diese
> widerspenstigen Köpfe zu füllen. Oft müssen sie ihren SchülerInnen neben
> Lehrern auch Sozialarbeiter, Psychologen oder sogar Vater oder Mutter
> sein.
(IMG) Bild: Etwas mehr als eine Demo soll es dieses Mal schon sein - ein Streik aber nicht
Lehrer sind faule Säcke, hatte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder
(SPD) 1995 einer Schülerzeitung gesagt - und blieb mit diesem blöden Spruch
gerade deshalb in Erinnerung, weil er, wie ja so mancher Sozi es gern tut,
doch nur auszusprechen wagte, was ach so viele denken.
Doch das macht solche Sprüche ja oft gar nicht wahrer, und eigentlich ist
es mit Lehrern ganz so wie mit Politikern: Es gibt so'ne und solche.
Klar gibt es Lehrer, die zwar im Referendariat in den Siebzigern mal drüber
nachgedacht haben, wie man Kindern Wahrscheinlichkeitsrechnung oder
deutsche Lyrik beibringt - dem bis heute aber keinen neuen Gedanken
hinzugefügt haben. Wer bei denen scheitert, ist selbst schuld und soll eben
Nachhilfe nehmen. Das sind allerdings auch eher selten die Lehrkräfte, die
ausbrennen.
Es sind viel mehr die Engagierten, die Fleißigen, die, die Pädagogen sein
wollen, die irgendwann an den Herausforderungen ihres Jobs zusammenbrechen.
Denn mal ehrlich: So gern wir über LehrerInnen schimpfen - wer traut sich
zu, jeden Morgen hochmotiviert vor 30 Teenies zu stehen? Und Lehrkräften
wird seit langem mehr abverlangt, als nur Wissen in diese widerspenstigen
Köpfe zu füllen. Oft müssen sie ihren SchülerInnen neben Lehrern auch
Sozialarbeiter, Psychologen oder sogar Vater oder Mutter sein.
Dafür braucht man Nervenstärke. Und die Erfahrung, die gerade ältere
LehrerInnen haben. Und Zeit. Die sollten wir den Lehrkräften gönnen, statt
sie überlastet in die Dauerkrankschreibung zu vertreiben.
27 Feb 2011
## AUTOREN
(DIR) Alke Wierth
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