# taz.de -- GENTRIFIZIERUNG IN NEUKÖLLN: Bürger wehren sich gegen Verdrängung
> Bei einem Straßenfest machen die MieterInnen zweier Häuser im Neuköllner
> Reuterkiez auf ihre Angst vor Verdrängung durch steigende Mieten
> aufmerksam. Auch Nachbarn berichten von Mieterhöhungen.
(IMG) Bild: Achtung hier kommt ein Hotel hin: Aktuelles Plakat des Clubs Maria am Ostbahnhof, der Ende Mai einem Hotelneubau weichen muss
Aus einem Fenster des Hauses Weichselpatz 8/9 in Nordneukölln hängt ein
Transparent: "Hier wehren sich Neuköllner MieterInnen." Gegenüber des
Gebäudes haben sie am Sonntagnachmittag Info- und Essenstische aufgebaut.
Etwa 100 Menschen kommen zum ersten Straßenfest gegen Verdrängung der
Häuser Weichselplatz 8/9 und Fuldastraße 31/32.
Der Gebäudekomplex war im letzten Jahr von der neunköpfigen
"Grundstücksgemeinschaft Weichselplatz" gekauft worden, die die Häuser mit
finanzieller Unterstützung der Kreditanstalt für Wiedeaufbau (KfW) nach
ökologischen Gesichtspunkten modernisieren will. Viele MieterInnen
befürchten nun, sich die Wohnungen danach nicht mehr leisten zu können.
Hartz-Aufstockerin Eva Möller* zahlt für ihre Wohnung bisher 470 Euro Miete
im Monat. Nach der Modernisierung wären es 621 Euro. "Damit wäre ich über
der Höchstgrenze, die das das Jobcenter übernimmt und müsste mir eine neue
Wohnung suchten", sagt Möller. Sie verweigerte die Unterschift unter der
Modernisierungsvereinbarung und koordinierte sich mit ihren NachbarInnen.
Klaus Weins*, der ebenfalls am Weichselplatz 8/9 wohnt und dessen Miete
nach der Modernisierung sogar bis zu 60 Prozent steigen könnte, ergänzt:
"Seit acht Monaten treffen wir uns regelmäßig, haben uns bei einem Anwalt
der Mietergemeinschaft informiert, machen uns gegenseitig Mut und
besprechen unser gemeinsames Vorgehen."
Andere Nachbarn erzählen auf dem Straßenfest von ähnlichen Problemen. "Ich
wohne in der Weichselstraße 68. Auch dort versuchen wir uns gegen eine mit
einer geplanten Modernisierung verbundene Mieterhöhung zu wehren", sagt ein
junger Mann. Die ersten Treffen seien auch positiv verlaufen. Allerdings
seien einige MieterInnen mit geringen Einkommen aus Angst vor den
Mieteröhungen inzwischen ausgezogen.
Wer sich wehren will, sollte allerdings erst einmal "keine
Modernisierungsvereinbarung unterschreiben", sagt Herrmann Wehrle von der
Berliner MieterInnengemeinschaft. Mehr als die Hälfte der
MieterInnen des Weichselplatzes 8/9 und der Fuldaer Straße 31/32 folgten
diesem Ratschlag. Als Totalabsage wollen sie das nicht verstanden wissen.
"Wir können uns vorstellen, mit den EigentümerInnen ein sozialverträgliches
Konzept für eine faire Modernisierung zu entwickeln", so Weins. Allerdings
müssten zuvor die Klagen zurückgenommen werden, die die EigentümerInnen auf
Duldung der Modernisierung gegen drei MieterInnen gestellt haben.
In dieser Hinsicht zeigt sich Tim Lühning von der Grundstücksverwaltung
zumindest gesprächsbereit. "Da es unser Wunsch ist, dass so viele
MieterInnen wie möglich im Haus wohnen bleiben können, sind wir zu
Kompromissen bereit. Allerdings müssen die in ihrer Gesamtheit für uns
wirtschaftlich tragfähig sein", erklärte er.
* Name geändert
15 Mar 2011
## AUTOREN
(DIR) Peter Nowak
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