# taz.de -- Kolumne Alt trifft Neu: "Facebook-Bischof"? Gefällt mir nicht
       
       > Bischof Walter Mixa hat nach langer Zeit sein Schweigen gebrochen. Er
       > will sich nun wieder stärker in der Kirche engagieren - vor allem online.
       
 (IMG) Bild: Eine Ankündigung, als ob das jüngste Gericht naht.
       
       Das Netz hat sich in vieles eingeschrieben, auch in die Geschichte der
       Gesten. Vom "Gefällt-mir"-Button auf Facebook führt eine Spur zum Beifall,
       von den Abkürzungen [1]["LOL" und "ROFL"] zum Gelächter, Emoticons drücken
       online Trauer aus. Und ebenfalls als Emoticon, als Cyberstalking, als
       Forums- oder Chattext gibt es auch: die Drohung.
       
       Eine verfeinerte Ausdrucksform der Online-Drohung ist nun ausgerechnet
       einem Mann gelungen, der bislang nicht gerade als Netizen oder Digital
       Native bekannt war: Walter Mixa. Ein Jahr, nachdem herauskam, dass der
       frühere Augsburger Bischof in seiner Zeit als Stadtpfarrer von
       Schrobenhausen Kindern eines kirchlichen Betreuungsheimes in den siebziger
       Jahren Gewalt antat, bricht er nun sein Schweigen.
       
       Dem Donaukurier sagte Mixa, dass er sich künftig wieder stärker in der
       Kirchenarbeit engagieren wolle. "Mir geht es um die Neuevangelisierung, die
       Papst Benedikt XVI. als das entscheidende Gegenwarts- und Zukunftsprogramm
       der Kirche herausgestellt hat", sagte er. "Da möchte ich mich ganz bewusst
       engagieren, sei es durch persönliche Gespräche oder Gesprächsrunden, sei es
       durch Vorträge oder durch Einkehrtage. Dazu brauche ich natürlich auch das
       Vertrauen der Leute."
       
       Als besonders geeignet für seine Mission erachtet Mixa offensichtlich das
       Internet. Der 69-Jährige will vor allem junge Menschen ansprechen und für
       den Glauben gewinnen - in sozialen Netzwerken wie Facebook und [2][mit
       einer eigenen Homepage.] 
       
       Diese Webseite hat es in sich, obwohl sie noch nicht einmal fertig ist. Am
       25. April soll sie mit Inhalt gefüllt werden, bis dahin besteht sie nur aus
       einer Ankündigung. Einer Ankündigung allerdings, die auch als Drohung
       aufgefasst werden kann. Ganz in Rot gehalten - Warnung! Fegefeuer!?
       Linkspartei? - und mit einem wundervollen Schnörkel versehen, der "Bischof"
       und "Mixa" mit einer Mitra, einer Bischofsmütze, verbindet, wirkt die Seite
       so einladend wie ein Dornenbusch oder das Abklingbecken eines
       Atomkraftwerks.
       
       ## Ein großes "A"
       
       Mixa oder dem Webdesigner, der die Seite gestaltet hat, scheint dies
       bewusst zu sein. Ein großes "A" versucht gegenzusteuern, will Blickfang
       sein, drängt sich in den Vordergrund. Warum ein "A"? Steht es für Augsburg?
       Angeber? Antichrist? Oder soll es ein Tor, eine Pforte symbolisieren, und
       dahinter wartet der Hirte und führt die verirrten Schäfchen zurück zur
       Kirche? Oder gleich zu Gott? Aber wären die Schäfchen dann nicht, äh, tot?
       
       Rätsel über Rätsel tun sich auf. Ob es die Netzwerk-Seite des
       selbsternannten "Facebook-Bischofs" besser macht? [3][Zehn Einträge listet
       Facebook zu Walter Mixa auf], die meisten beziehen sich ablehnend oder
       satirisch auf den Mann des Glaubens. Einer fasst die Wikipedia-Angaben zur
       Person zusammen. Hat er etwa noch kein Profil? Müssen wir auch hier bis zum
       25. April warten? Und warum eigentlich immer der 25. April?
       
       25. April - Ostermontag. Der Tag nach der angeblichen Auferstehung von
       Jesus. Was für eine Symbolik! Was für ein Pathos! So etwas können im Netz
       nicht viele. Man sieht, das Netz soll Walter Mixa nicht nur zur
       "Neuevangelisierung" dienen. Im Gegenzug wird er das Internet auch
       bereichern. Wir freuen uns auf ihn und heißen ihn aufs Herzlichste
       willkommen. Aber nein, es ist alles viel einfacher: Am 25. April feiert
       Mixa seinen 70. Geburtstag.
       
       Seine neue Netzpräsenz hat Mixa leider noch nicht zu neuen Erkenntnissen
       über seine Taten von einst geführt. Dem Donaukurier sagte er über seine
       Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen: "Prügelstrafen sind nicht
       vorgekommen. Allerdings war es ein Fehler, dass ich nicht gleich auch
       mögliche Ohrfeigen eingeräumt habe." "Mögliche Ohrfeigen" - auch dafür wird
       nun eine Netzgeste gesucht. Wie schön, dass mit Mixa ein Fachmann endlich
       online angekommen ist.
       
       13 Apr 2011
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Abk%C3%BCrzungen_(Netzjargon)
 (DIR) [2] http://www.bischof-mixa.de/
 (DIR) [3] http://www.facebook.com/search.php?q=Walter%20Mixa&init=quick&tas=0.9144418955033712
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Maik Söhler
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Hälfte aller Facebook-Anteile gefordert: Zuckerberg plagen Klagen
       
       Wie der Kinofilm so die Realität: Ehemalige Kommilitonen und Partner
       verklagen Mark Zuckerberg. Nun fordert jemand Geld, der angeblich ein
       ehemaliger Geschäftspartner ist.