# taz.de -- Kolumne Pressschlag: Der einzig wahre Messias
       
       > Ostereier für alle: Dieser angebliche Heilandstyp ist auferstanden, und
       > auch in der Bundesliga sind alle Hoffenheim.
       
       Wie man so hört, soll vor 1.980 oder auch 1.981 Jahren ein jüdischer
       Wanderprediger angeblich wiederauferstanden sein. Um diese
       Scheintoderfahrung wird seitdem ein ziemliches Gewese veranstaltet. Einige
       wenige Menschen glauben sogar, man stelle sich das mal vor, dieser ganze
       Hokuspokus sei wesentlich wichtiger als die Bundesliga-Ergebnisse vom
       Wochenende.
       
       Das ist natürlich völliger Quatsch. Also jetzt echt mal: Dass irgendein
       Spinner mal heim zu Papa wollte, aber meinte, dabei einen überflüssigen
       Umweg nehmen zu müssen, das ist natürlich lange nicht so triumphal wie die
       Rückkehr von Messias Magath nach Wolfsburg. Was übrigens ungefähr so ein
       Kaff ist, wie Nazareth es mal war, aber das nur nebenbei.
       
       Wenn wir uns aber schon mit den Ritualen dieser seltsamen Sekte
       beschäftigen, dann ist festzustellen: Diese Ostersache hat auf die
       Bundesliga abgefärbt. Egal, wie die Spiele auch ausgegangen sind: Die
       Hoffnung sprießt allerorten so üppig wie Flieder oder Maiglöckchen.
       
       Seit ihrem 1:0-Sieg glauben die Mönchengladbacher wieder an den
       Klassenerhalt, während die unterlegenen Dortmunder, wie ihr Trainer Jürgen
       Klopp versicherte, trotzdem "kein Problem" haben, die Meisterschaft halt
       dann demnächst endlich mal klarzumachen.
       
       In Hannover hofft man vehement auf die Champions League, aber in München
       stirbt die Hoffnung zuletzt, dass die 96er noch mal schwächeln. In
       Stuttgart hofft man nach dem 3:0-Sieg gegen den Hamburger SV, das
       Abstiegsgespenst endgültig vertrieben zu haben, beim HSV hegt man aber
       immer noch eine kleine Resthoffnung aufs internationale Geschäft. Dem
       strebt auch Mainz 05 nach dem 0:0 in Nürnberg zu und baut dabei auf das
       hoffnungsfroh leichte Restprogramm, während die Nürnberger trotzig Hoffnung
       daraus schöpfen, dass sie zwar nächste Woche in Dortmund antreten müssen,
       die aber ja gerade gegen den Tabellenletzten verloren haben. Kaiserslautern
       hat nach dem 1:0 auf Schalke berechtigte Hoffnungen, ein weiteres Jahr
       erstklassig bleiben zu dürfen, während der S 04 gegen Manchester auf
       wesentlich höhere Weihen hofft. Bremen wiederum hofft, mit dem 3:1 beim FC
       St.Pauli eine Krise, die beinahe eine ganze Saison lang dauerte, endgültig
       überwunden zu haben. Und Hoffenheim, ja, ähem …
       
       Nur die armen Paulianer schöpften Ostern keine neue Hoffnung, sondern
       verspielten zum zweiten Mal nacheinander eine Führung und rutschten damit
       auf den allerletzten Tabellenplatz ab. Aber das ist ja auch nur gerecht:
       Zwar trägt St. Pauli den Heiligen schon im Namen, aber auf den Rängen
       stehen tatsächlich hauptsächlich stramme Atheisten.
       
       25 Apr 2011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Thomas Winkler
       
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