# taz.de -- Bürgerkrieg in Sri Lanka: Vorwürfe gegenüber Regierungstruppen
       
       > Die UNO bezichtigt Sri Lankas Militär, 2009 schwere Kriegsgreuel gegen
       > die tamilischen Rebellen begangen zu haben. Die Regierung in Colombo
       > spricht von falschen Anschuldigungen.
       
 (IMG) Bild: Tamilische Kriegesflüchtlinge im Lager in der Nähe der Stadt Vavuniya im Mai 2009.
       
       GENF taz | Die Streitkräfte Sri Lankas haben im Ende Mai 2009 siegreich
       beendeten Bürgerkrieg ebenso wie ihre Gegner, die für einen unabhängigen
       Staat im Nordosten des Landes kämpfenden "Befreiungstiger von Tamil Eelam"
       (LTTE), in großem Umfang Kriegsverbrechen und schwere
       Menschenrechtsverletzungen verübt. Das belegt der am Montagabend
       veröffentlichte Bericht einer von UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon
       eingesetzten Expertenkommission.
       
       Die Autoren des Berichts sowie die Menschenrechtsorganisationen "Human
       Rights Watch" und "Gesellschaft für bedrohte Völker" forderten den
       UNO-Generalsekretär gestern auf, eine unabhängige internationale
       Untersuchung der Verbrechen einzuleiten - notfalls auch gegen den Willen
       der Regierung in Colombo. Diese wies den Expertenbericht entschieden als
       "falsche Anschuldigung" zurück.
       
       In dem über 26 Jahre währenden Bürgerkrieg in Sri Lanka wurden nach
       UN-Schätzungen weit über 100.000 Menschen getötet. Seit September 2010
       untersuchten drei Experten aus Indonesien, Südafrika und den USA im Auftrag
       Bans die fünfmonatige Schlußphase des Krieges von Januar bis Mai 2009. Da
       die Regierung den UNO-Experten den Zugang nach Sri Lanka und auch sonst
       jegliche Kooperation verweigerte, waren sie auf Augenzeugeberichte von
       Flüchtlingen, auf Satellitenaufnahmen sowie aus Sri Lanka geschmuggelte
       Filme und Fotos angewiesen.
       
       Der Bericht der Experten belegt anhand von Satellitenbildern, dass die
       Regierungstruppen mit voller Absicht Krankenhäuser sowie Schiffe und
       Gebäude des Roten Kreuzes und anderer internationaler Hilfsorganisationen
       beschossen haben. Außerdem wurden Gebiete, in die tausende von Zivilisten
       geflohen waren, nachdem die Regierung sie zu "feuerfreien Sicherheitszonen"
       erklärte hatte, systematisch unter Feuer genommen.
       
       Den tamilischen Rebellen wirft der Bericht vor, rund 330.000 Zivilisten als
       menschliche Schutzschilde gegen die Armee mißbraucht zu haben. Wer zu
       fliehen versuchte, wurde erschossen.
       
       Die Untersuchung der Vorgänge habe sich als Farce erwiesen, heißt es in dem
       Bericht. Eine weitere unabhängige internationale Untersuchung sei nur mit
       Zustimmung der Regierung in Colombo möglich, erklärte der
       UNO-Generalsekretär anlässlich der Veröffentlichung des Berichtes. Eine
       Untersuchung durch den Internationalen Strafgerichtshof könnte - da Sri
       Lanka kein Mitglied ist - nur durch einen Beschluß des UNO-Sicherheitsrates
       in Gang gesetzt werden. Doch dort blockieren die ständigen vetoberechtigten
       Mitglieder Rußland und China jede Diskussion zu Sri Lanka.
       
       26 Apr 2011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Zumach
       
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