# taz.de -- Gutachten zur Dienstwagen-Steuer: Das Steuerprivileg macht den Staat arm
       
       > Eine Reform der Dienstwagensteuer würde Fahren mit effizienteren Pkws
       > belohnen und dem Staat Milliarden bringen: Jährlich wären es zwischen 2,9
       > und 4,6 Milliarden Euro.
       
 (IMG) Bild: Dienstwagen mit Bundesadler-Wimpel
       
       BERLIN taz | Das Steuerprivileg für Dienstwagen führt zu unnötigen
       Mindereinnahmen für den Staat und hat eine klimaschädliche Lenkungswirkung.
       Zu diesem Ergebnis kommt ein am Dienstag veröffentlichtes Gutachten des
       Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstituts der Universität Köln (FiFo)
       und des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS), das
       Ex-Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) in Auftrag gegeben hatte.
       
       Durch eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Reform könnten
       Steuermehreinnahmen in Höhe von jährlich 2,9 bis 4,6 Milliarden Euro
       erzielt werden, heißt es in dem 252 Seiten langen Gutachten. Zudem könnten
       die Sozialversicherungen bis zu 0,9 Milliarden Euro pro Jahr mehr
       einnehmen. Grund dafür ist: Ein Teil der Arbeitnehmer mit Dienstwagen
       könnten nach einer Reform statt des Dienstwagens mehr Gehalt beziehen
       wollen, für das Sozialabgaben abgeführt werden müssen.
       
       Die Gutachter kritisieren die heutige Regelung deutlich. "Mit hohen
       Einbußen bei Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen wird eine
       klimaschädliche Lenkung dahingehend hervorgerufen, verbrauchsstarke
       Fahrzeuge möglichst viel zu fahren." Derzeit wird für Dienstwagen fahrende
       Arbeitnehmer der geldwerte Vorteil mit der Ein-Prozent-Methode erfasst,
       nach der jeden Monat ein Prozent des Anschaffungs-Listenpreises – nicht des
       tatsächlichen Preises – zum steuerpflichtigen Einkommen hinzugerechnet
       wird.
       
       ## Übermäßigen private Nutzung von Dienstwagen
       
       Diese Pauschale sei nicht nur sehr grob und sehr niedrig angesetzt, sie
       führe zur übermäßigen privaten Nutzung von Dienstwagen. "Das schafft zum
       Beispiel einen Anreiz, mit dem Auto von Hamburg nach Sizilien in den Urlaub
       zu fahren", sagte FiFo-Projektleiter Michael Thöne der taz.
       
       Zur Lösung schlägt Thöne eine neue, realitätsnahe Pauschalierung vor. Dabei
       sollen auch die Kilometerleistung und der Verbrauch der Dienstfahrzeuge
       eine Rolle spielen. Wesentlich bürokratischer als bisher wäre das laut
       Thöne nicht. Die Nutzer müssten in ihrer Steuererklärung lediglich die
       gesamte Fahrleistung eines Jahres und den Fahrzeugtyp, dessen Normverbrauch
       bekannt ist, angeben - den Rest berechnete das Finanzamt pauschal.
       
       Thöne: "Um in den Genuss der Pendlerpauschale zu kommen, machen
       Arbeitnehmer sonst viel umfangreichere Angaben." Folge einer solchen Reform
       wäre laut Thöne, dass Dienstwagennutzer weniger fahren und dass Fahrzeuge
       mit effizienteren Motoren angeschafft würden.
       
       ## Paus: "Wir müssen einen Klimafaktor einführen"
       
       Auch die Grünen-Steuerexpertin Lisa Paus setzt auf eine Reform der
       Dienstwagenbesteuerung. "Dabei müssen wir einen Klimafaktor einführen",
       sagte Paus der taz. Arbeitnehmer und Unternehmer würden bei der Anschaffung
       von klimafreundlichen Fahrzeugen sparen. Und: "Die Dienstwagen sind ein
       Leitmarkt und bestimmen die Fahrzeugflotte für viele Jahre - wenn wir hier
       auf sparsame Pkws umsteuern, wird das zum Treiber für weniger
       klimaschädliche Fahrzeuge auf dem gesamten Markt."
       
       Allerdings trete die Bundesregierung auf die Bremse, klagt Paus. "Sie
       scheut davor zurück, klare Rahmenbedingungen für die Fahrzeughersteller zu
       schaffen."
       
       3 May 2011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Richard Rother
       
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