# taz.de -- EU-Ministertreffen in Brüssel: Tag der Sanktionen gegen Syrien
> Nachdem Assad am Samstag wieder auf Trauernde schießen ließ, will die die
> EU ihr Vorgehen gegen Syrien verschärfen. Weitere Sanktionen sind auch
> gegen den Iran und Gaddafi geplant.
(IMG) Bild: Handyfoto eines Trauerzugs in Homs.
BRÜSSEL/DAMASKUS dpa | Die Europäische Union beschließt am Montag neue
Sanktionen gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Dazu gehört
unter anderem ein Einreiseverbot. Die Außenminister der 27 EU-Staaten
werden in Brüssel auch das in der EU befindliche Vermögen Assads
einfrieren. Die gleichen Maßnahmen treffen auch neun weitere
Führungsmitglieder des Assad-Regimes.
Mit den Sanktionen protestiert die EU gegen die gewalttätige Unterdrückung
von Demonstrationen Oppositioneller durch die Sicherheitskräfte Assads.
Zwei Wochen zuvor waren bereits Sanktionen gegen 13 führende
Regime-Mitglieder erlassen worden, darunter auch Maher Assad, ein Bruder
des Präsidenten.
In Syrien sind erst am Samstag nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten
erneut mindestens 11 Teilnehmer eines Trauerzugs getötet worden. Wie der
arabische Nachrichtensender Al-Dschasira weiter berichtete, wurden in der
Stadt Homs außerdem 27 Menschen verletzt, als Sicherheitskräfte das Feuer
auf die Trauernden eröffneten, die von einem Friedhof zurückkamen.
## 44 Tote am Samstag
In der westsyrischen Stadt hatten mehr als 40.000 Menschen am Samstag bei
Begräbniszügen für Dutzende am Vortag getötete Demonstranten gegen die
Gewaltherrschaft von Präsident Baschar al-Assad protestiert. Die Nationale
Organisation für Menschenrechte in Syrien bezifferte am Samstag die Zahl
der Todesopfer vom Vortag mit 44.
Nach Angaben der im Exil tätigen Syrischen Beobachtungsstelle für
Menschenrechte sind in Syrien seit Beginn der Proteste Mitte März 835
Menschen getötet worden, unter ihnen 138 Polizisten und Soldaten. Die
staatliche Nachrichtenagentur Sana behauptete am Samstag, bei Angriffen
"krimineller Elemente" seien am Freitag in Syrien 17 Polizisten, Soldaten
und Zivilisten getötet worden.
Die Überprüfung solcher Angaben ist praktisch unmöglich, weil das syrische
Regime keine ausländischen Journalisten im Land arbeiten lässt.
## Sanktionen gegen Iran und Libyen
Auch im Atomkonflikt mit dem Iran will die EU ihre Sanktionen verschärfen.
Fünf Menschen und etwa 100 Unternehmen sollen in die Liste von Menschen und
Firmen aufgenommen werden, denen die Einreise verboten oder deren Vermögen
eingefroren wird.
Bei dem Ministertreffen wird es vor allem um die Lage im nördlichen Afrika
und im Nahen Osten gehen. Die EU-Außenminister werden über weitere
Sanktionsmöglichkeiten gegen Libyen reden, nachdem der engste Kreis um
Machthaber Muammar al-Gaddafi bereits im März mit Einreiseverboten belegt
wurde. Nach Angaben von Diplomaten dürfte es vor allem um einen offiziellen
Boykott der Öllieferungen Libyens gehen, obwohl die Ölexporte wegen des
Bürgerkriegs tatsächlich bereits seit Wochen zum Erliegen gekommen sind.
Dieser war im März bereits vom EU-Gipfel angedroht worden.
Die EU wird auch ihre Bereitschaft erklären, humanitäre Hilfe für Libyen
militärisch abzusichern, sofern die zuständige UN-Organisation OCHA einen
entsprechenden Antrag stellt. Bisher will die UN allerdings keinen
militärischen Schutz für Hilfslieferungen. Die Außenminister werden auch
Erklärungen beschließen, in denen die Unterdrückung der Opposition in
Syrien und Jemen verurteilt wird.
## Nahostkonflikt und Einsatz in Bosnien-Herzegowina
Zum Nahost-Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern wird eine
Erklärung erwartet. Nach der Rede von US-Präsident Barack Obama vom
Donnerstag und der Weigerung von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu,
eine Friedensregelung auf Grundlage der Grenzen von 1967 anzustreben, war
aber unklar, wie die EU weiter vorgehen will. Diplomaten sagten, über die
mögliche Anerkennung eines palästinensischen Staates durch die EU werde bei
dem Treffen nicht gesprochen.
Die Verteidigungsminister der EU werden über die EU-Militäreinsätze in
Bosnien-Herzegowina und im Indischen Ozean sprechen. Sie wollen angesichts
leerer Staatskassen ein neues Bekenntnis zur gemeinsamen Nutzung
militärischer Fähigkeiten ablegen.
22 May 2011
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