# taz.de -- Kommentar nachlassende Nachhaltigkeit: Erschreckender Befund
> Das Umfrage-Ergebnis offenbart große Widersprüche zwischen dem, was die
> Menschen wünschen, und dem, was sie tun.
(IMG) Bild: Schönwetter-Aktivismus? Viele HamburgerInnen sind zu atomstromfreien Versorgern gewechselt.
Die Republik steht vor dem ökologischen Umbau der Energieversorgung,
allenthalben sprießen Bürgerinitiativen aus dem Boden. Die jüngste Umfrage
des Hamburger Zukunftsrates deutet darauf hin, dass diese Phänomene einen
falschen Eindruck vermitteln: Die meisten Menschen sind offenbar nur
bereit, etwas für mehr Nachhaltigkeit zu tun, wenn es sie nichts kostet -
oder sie gezwungen werden.
Das Ergebnis ist ernüchternd und offenbart große Widersprüche zwischen dem,
was die Menschen wünschen, und dem, was sie tun. Alle rechnen bei der
Energiewende mit großzügigen Einsparungen, aber auf Standby schalten die
Leute ihre Geräte mehr statt weniger. Soll irgendwo eine Autobahn gebaut
werden, demonstrieren sie dagegen - aber fahren mehr Auto.
Das gravierendste Problem ist jedoch der Mentalitätswandel: Viele Menschen
fühlen sich nicht mehr verantwortlich für das Wohlergehen künftiger
Generationen und auch nicht für das Wohlergehen derjenigen, die ihre Waren
herstellen. Zugleich - und das ist besonders Besorgnis erregend - sprechen
sie der Demokratie mit Bürgerbeteiligung die Fähigkeit zu einer
zukunftsfähigen Politik ab.
Diese Leute kapitulieren vor sich selbst: Sie nehmen die Rolle des
Handelnden nicht mehr an und entwickeln sich zu Kindern zurück, die sich
nicht selbst steuern können. Ein Armutszeugnis.
23 May 2011
## AUTOREN
(DIR) Gernot Knödler
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