# taz.de -- Tödliche Ehec-Infektion: Suche nach dem Ursprung des Erregers
> Der Keim fordert die erste Tote in Deutschland. Bislang gibt es etwa 400
> Infektionen oder Verdachtsfälle. Noch wird emsig danach gesucht, woher
> die Darmbakterien kommen.
(IMG) Bild: In der Hamburger Uniklinik wird nach dem Ehec-Keim gefahndet.
BERLIN taz | Der aktuelle Ausbruch des gefährlichen Darmkeims Ehec hat
bislang mindestens ein Todesopfer gefordert. Niedersachsens
Gesundheitsministerium teilte am Dienstag mit, eine 83 Jahre alte Frau sei
bereits am Samstag gestorben. "Der Labornachweis ist positiv für eine
Ehec-Infektion."
In Bremen kam der dortigen Gesundheitsbehörde zufolge eine junge Frau ums
Leben, die den für diese Krankheit typischen blutigen Durchfall gehabt
habe. Allerdings sei hier der Erreger noch nicht im Labor nachgewiesen
worden. Schleswig-Holstein meldete, dass in einem Krankenhaus im Landkreis
Stormarn eine über 80-jährige Ehec-Infizierte gestorben sei. Allerdings war
zunächst unklar, ob die Infektion die Todesursache war.
Die Zahl der Erkrankten nahm am Dienstag weiter zu. Vor allem nördliche
Bundesländer berichteten von insgesamt mehr als 400 Infektionen oder
Verdachtsfällen. Bei weit mehr als 80 Patienten habe der Erreger das sehr
ernste hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) verursacht, erklärte das
Robert-Koch-Institut (RKI), das für die Bundesregierung Krankheitsausbrüche
überwacht. Das Syndrom ist der schwerste Verlauf einer Ehec-Infektion und
kann zum Beispiel zu Nierenversagen und zum Tod führen.
## Der schwerste Ehec-Ausbruch
Ein erster Anhaltspunkt kommt aus Frankfurt. Dort seien am Dienstag zwölf
Patienten im Krankenhaus behandelt, die offenbar in derselben Kantine einer
Unternehmensberatung gegessen hatten, berichtet die Nachrichtenagentur
dapd. Es gebe die Vermutung, dass der Erreger durch einen Gemüselieferanten
aus Norddeutschland verbreitet worden sei, sagte ein Sprecher des
Frankfurter Gesundheitsamts. Die Kantine des Unternehmens sei weiterhin
geschlossen.
"Das ist der schwerste Ehec-Ausbruch, den wir bisher in Deutschland
hatten", sagte Professor Lothar Wieler vom Institut für Mikrobiologie und
Tierseuchen der Freien Universität Berlin der taz. Insbesondere die Zahl
der Patienten mit dem HUS sei extrem hoch.
Die Ursache des Ausbruchs bleibt weiter im Dunkeln. "Vermutlich handelt es
sich um ein Lebensmittel", sagte RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher der taz.
Andere Infektionswege - zum Beispiel Streicheln von Tieren, die Kotspuren
mit Ehec-Erregern im Fell tragen - passten nicht zu der vor allem
betroffenen Gruppe: erwachsene Frauen. "Es ist möglich, dass sie sich über
ein Gemüse oder ein anderes Lebensmittel infiziert haben, das roh verzehrt
wird."
## Bisher nur Hypothesen
Näheres versuchten RKI-Experten in Gesprächen mit den Patienten
herauszufinden. Gesucht wird vor allem in Norddeutschland, da dort die
meisten Fälle aufgetreten sind. Die Hypothese, dass Gemüse durch Viehdung
mit Ehec-Bakterien verunreinigt wurde, erhärtete sich nicht, konnte aber
auch nicht widerlegt werden.
"Es ist weder im konventionellen noch im Ökolandbau üblich, Gülle oder Mist
auszubringen, wenn das Gemüse schon gewachsen ist", sagte Gerald Wehde,
Sprecher der größten deutschen Ökobauernorganisation, Bioland. Zuvor war
darüber spekuliert worden, dass so eine Düngung den Krankheitsausbruch
verursacht habe.
Seuchenexperte Wieler wies zudem darauf hin, dass die Bauern Gülle
mindestens ein bis zwei Wochen lagerten, bevor sie den flüssigen Dünger
aufs Feld brächten. "In der Zeit stirbt der Ehec-Erreger." Auf Haufen mit
festem Mist töte die Hitze innerhalb weniger Tage die Bakterien.
24 May 2011
## AUTOREN
(DIR) Jost Maurin
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