# taz.de -- Werner Franke über Sportfans und Doping: "Dumme Kontrollen"
> Die Öffentlichkeit glaubt, das Dopingkontrollsystem sei effizient, sagt
> der Zellbiologie Werner Franke. "Aber das ist es nicht". Die nationale
> Anti-Dopingagentur setze auf die falschen Personen.
(IMG) Bild: Doping-Substanzen oder ihre Abbauprodukte: unter anderem im Urin nachweisbar.
taz: Herr Franke, wie gut weiß der deutsche Sportfan nach den diversen
Dopingskandalen im Radsport über all die Tricks und Finessen beim Doping
Bescheid?
Werner Franke: Der Radsport gilt allgemein als versaut. Man hat zur
Kenntnis genommen, dass ARD und ZDF ausgestiegen sind aus der
Liveberichterstattung. Eine Schar von Fans schaut jetzt Eurosport und hört
sich an, wie die Moderatoren bei Dopingfällen herumeiern. Aber das
wichtigste ist natürlich, dass und was die Weltexpertin für organisierte
Kriminalität, Letizia Paoli, derzeit alles mit der Aufklärungskommission
der Uni Freiburg dazu ermittelt. Dopingdreck ohne Ende!
Und neben dem Radsport?
Der normale Sportfan hat doch einen recht schlechten Bildungsgrad in
naturwissenschaftlichen Dingen. Natürlich sieht er, wenn ein Ball ins Tor
geht, aber die Einzelheiten anderer Sportarten kennt er eben nicht.
Muss er das, um Dopingmissbrauch zu erkennen?
Nicht unbedingt, aber viel schlimmer ist doch, dass die Öffentlichkeit
glaubt, das Dopingkontrollsystem sei effizient. Aber das ist es nicht. Die
Kontrollen sind wieder dumm und inkonsequent. Schlechter als in den 90er
Jahren, als ein ehemaliger Kriminalbeamter als Dopingkontrolleur unterwegs
war.
Klaus Wengoborski, der auch Katrin Krabbe überführt hat.
Der Mann war ein Profi. Solche Leute braucht die Nada [Nationale
Anti-Doping-Agentur; d. Red.], Denn wer die Tricks nicht kennt, braucht gar
nicht erst zu suchen. Weil die Kontrollen unintelligent waren, konnte eine
Marion Jones [des Dopings überführte Leichtathletin; d. Red.] sagen: Ich
wurde 170-mal kontrolliert und war immer negativ. Inzwischen war sie
wenigstens als Lügnerin vor Gericht. Das gibt es bei uns leider nicht.
Was muss sich ändern?
Man kann nicht mit angeheuerten Nichtwissern Kontrollen machen. Mein
Vorschlag: Holt Leute wie Wengoborski zurück und lasst sie neue
Kontrolleure gescheit ausbilden. Auch bei der Nada müsste sich einiges
ändern. Der personelle Umbruch hat die Nada geschwächt. Außerdem hat sie
auf die falschen Leute gesetzt. Bis 2007 durfte da einer mitwirken, der
selbst Oberdoper war.
Sie meinen Dr. Georg Huber von der Uni Freiburg …
Der hat ja selber gegen alle ärztlichen Regeln Drogen weitergegeben und
auch verabreicht. Solange solche Leute immer wieder an die Spitze des
Kontrollsystems vordringen, wird die Öffentlichkeit erbarmungslos
veräppelt.
10 Jun 2011
## AUTOREN
(DIR) Markus Völker
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(DIR) In eigener Sache: Daily Dope, zum 500.
Seit 2006 dokumentiert die taz mit einer Rubrik pharmazeutische
Manipulationen im Sport. Sie erscheint heute zum 500. – und sicher nicht
zum letzten Mal.