# taz.de -- Kolumne Fernsehen: Mutig auf den Mainstream scheißen
       
       > Die deutsche Fernsehenshowbranche ist mal wieder ordentlich
       > innovationsfreudig. Hier noch ein paar verrückte Vorschläge.
       
       Das deutsche Fernsehen ist ja nie um eine Innovation verlegen. Da hatte ich
       neulich ein Wiedersehen mit dem alten Schlachtross Hella von Sinnen, das
       bei RTL2 eine Sendung namens "Klick-Stars" moderiert, in der kleine
       Hosenscheißer von süßen Küken verfolgt werden, gefilmt mit Papis Handy.
       Dass da vorher noch niemand drauf gekommen ist! Man hätte so ein Format mit
       drolligen Homevideos ja theoretisch auch schon vor dem YouTube-Zeitalter
       entwickeln und es - nur so eine Idee - "Bitte lächeln" nennen können.
       
       Aber eben nur theoretisch. Gute Ideen lassen sich nicht so einfach übers
       Knie brechen. Der Zuschauer hat da leicht reden.
       
       An diesem konstant hohen Innovationsniveau muss sich auch "The Voice of
       Germany" messen lassen, eine laut ProSieben-Ankündigung "noch nie da
       gewesene Musik-Show", in der - jetzt halten Sie sich mal gut fest - die
       Stimme Deutschlands gesucht wird. Eine Art Wettsingen also, wenn ich das
       richtig verstehe. Vor "erfolgreichen Stars aus der Musikszene" müssen die
       KandidatInnen ihr Können beweisen.
       
       Damit auch jede Provinz-Beyoncé zumindest theoretisch die Chance hat, kraft
       der Musik dem Mief ihres Kaffs zu entkommen, finden in gefühlt 34 deutschen
       Städten Castings statt, die - ein Indiz für die Innovationsfreude der
       Macher - bei "The Voice of Germany" aber "Scoutings" heißen. Und wem selbst
       der Weg nach Kassel zu weit ist, der kann auch zu Hause mittels Webcam an
       der "Online Audition" teilnehmen: "Den Song darfst du frei wählen,
       Hauptsache deine Stimme überzeugt!"
       
       Man darf schon jetzt gespannt sein, welch neuer deutscher Superstar vom
       Schlag einer Elli Erl am Ende das Rennen machen und fortan mit jeder neuen
       Single die Hitparade stürmen wird.
       
       Viele große historische Persönlichkeiten haben bewiesen, wie weit man damit
       kommen kann, wenn man nicht verzagt, Neues wagt, auf den Mainstream
       scheißt. Und deswegen möchte ich an dieser Stelle ein paar zunächst
       vielleicht verrückt klingende Vorschläge für neue Fernsehformate machen -
       bedienen Sie sich ruhig, liebe Programmmacher, die Vorschläge sind open
       source, ist genug für alle da:
       
       1. eine Sendung, in der ein anerkannter Koch aus einer Großstadt in die
       Provinz fährt, um dort die Pinte von dialektsprechenden Nixblickern vor der
       sicheren Pleite zu bewahren (Wenn der Retter nicht ganz so bekannt ist,
       macht das auch nichts - Hauptsache, die besuchten Wirte stellen sich
       richtig schön begriffsstutzig an)
       
       2. Oder was ganz anderes: eine Sendung, in der eine dicke Frau/ein
       kettenrauchender Mann/eine unsympathische Frau mit Brille zu Leuten nach
       Hause kommt, um ihnen mit der Einrichtung/den Schulden/den Blagen zu
       helfen.
       
       3. eine Sendung, in der ein echter Richter (oder vielleicht noch besser
       eine echte Richterin) mit der Theater-AG einer Hauptschule fiktive
       Strafrechtsverhandlungen aufführt
       
       4. eine Sendung, in der Polizisten/Politessen/Zollfahnder/Makler bei ihrer
       spannenden Arbeit begleitet werden
       
       Hybridformen und Variationen sind möglich, Ähnlichkeiten mit bereits
       existierenden Formaten rein zufällig.
       
       30 Jun 2011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) David Denk
       
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