# taz.de -- Demo auf dem Hansaplatz: Zwei Welten beäugen sich
       
       > Hunderte fordern auf dem Hansaplatz, dass die Sexarbeiterinnen bleiben
       > dürfen. Dagegen grillt gleich nebenan eine Anwohnerinitiative an.
       
 (IMG) Bild: Tänzchen trotz Regens: Transvestit und Sozialarbeiterin.
       
       "Toll!", freut sich Emilija Mitrovic, Anwohnerin und Verantwortliche des
       Projektes "Arbeitsplatz Prostitution" bei der Gewerkschaft Ver.di: "Die
       erste Demo auf dem neu gentrifizierten Hansaplatz - und dann zu diesem
       Thema." Und dann zeigt sich am Himmel, wenig später, auch noch ein
       Regenbogen. Dem freilich ein kräftiger Platzregen vorausgegangen war. Ein
       Transvestit auf High-Heels nutzt die Gunst der Stunde und zieht gezielt
       mediale Aufmerksamkeit auf sich - Synonym des Protestes gegen die
       Stigmatisierung der Sexarbeit in St. Georg.
       
       Samstagnachmittag auf dem Hansaplatz in St. Georg: Mehrere hundert Menschen
       - darunter rund 30 Sexarbeiterinnen - fordern ein "Recht auf Straße".
       "Gegen Repression und Kriminalisierung" wenden sich Transparente, was nicht
       nach klassischem Huren-Protest klingt. Mehrere Feministinnen aus dem
       Netzwerk "Recht auf Stadt" posieren als Sexarbeiterinnen im kurzen Rock,
       runtergerutschten Netzstrümpfen und hochhackigen Pumps. "Was du dir alles
       beim Sex angeln kannst", steht etwas entfernt an einem Infostand der
       Stadtteil-Sozialarbeit. Dann wieder können sich die Anwesenden bei einer
       Performance mittels rosa Papp-Händen outen - auf Aussagen hin wie "Ich bin
       eine Prostituierte."
       
       Anlass des Protestes sind die Pläne von Bezirksamtsleiter Markus Schreiber
       (SPD), den sogenannten Straßenstrich aus St. Georg zu vertreiben nach
       Rothenburgsort, wo die Sexarbeiterinnen schutzlos ihren Freien ausgeliefert
       wären. Dazu haben die Stadtväter zwei Instrumente geschaffen: Einerseits
       erlaubt die Sperrgebietsverordnung der Polizei, trotz grundsätzlich legaler
       Prostitution Sexarbeiterinnen mit Bußgeldern zu belegen. Andererseits die
       Errichtung von polizeilichen Gefahrengebieten unter Berufung auf den
       örtlichen Drogenhandel. Ins Visier gerate, wer "szenetypisch" gekleidet
       sei, sagt eine Sprecherin. "Ob Stöckelschuhe, Rock oder Jeans und Pulli,
       ist egal."
       
       In einer Ecke des Platzes hat die Hansaplatz-Initiative zeitgleich zum
       Protest eine Versammlung angemeldet: Sie unterstützt die Pläne des
       Bezirksamts, möchte aber nicht von einer "Gegenveranstaltung" sprechen,
       lieber von einem "Anwohnertreff zum Grillen", sagt ein Sprecher: "Wir
       müssen mit dem leben, was hier ist." Die "Recht auf Straße"-Leute nennt er
       "wildgewordene Kleinbürger aus Niedersachsen", die sich um die
       Rote-Flora-Szene scharten.
       
       Die "Geldwäschegeschäfte" im Stadtteil müssten weg, um "humanistische
       Räume" zu schaffen, in denen sich wieder Familien als
       "Stabilisierungsfaktor" ansiedeln könnten. Und während ein Gastwirt für
       jeden Meter Außengastronomie Steuern zahlen müsse, nähmen die
       Sexarbeiterinnen kostenlos Räume in Anspruch und führten höchstens etwas an
       "ihren rumänischen oder bulgarischen Zuhälter" ab.
       
       Skeptisch beäugt eine andere Anwohnerin das Geschehen auf dem Platz. "Die
       wissen gar nicht, wie laut es hier immer ist", sagt sie. Sie hielte einen
       Kompromiss für denkbar: Das Sperrgebiet könnte, wie auf St. Pauli, ab 20
       Uhr bis in die frühen Morgenstunden ausgesetzt werden.
       
       Dem Vorschlag widerspricht, zurück auf dem Platz, Michael Joho von der
       Einwohnerinitiative St. Georg: Seit Jahrzehnten gebe es Prostitution im
       Stadtteil. Auch wenn er 1961 zum Sperrgebiet erklärt worden sei, habe das
       lange keine Auswirkung gehabt. Bis vor zwei Jahren habe Konsens geherrscht,
       sage Joho: "Was drogensüchtigen Prostituierten nützt, nützt auch dem
       Stadtteil."
       
       10 Jul 2011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) K. von Appen
 (DIR) L. Kaiser
 (DIR) L. Zierott
       
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