# taz.de -- Kolumne Bio: Bienen vergiften am Fenster
       
       > Grüne Pillen, gelbe Turboleistungsträger und Brumkreiselinnen, die einen
       > auf sterbenden Schwan machen.
       
       Meine Sonnenblumen sind Monster. Alle anderen Blumen haben sie mit ihrem
       Wurzelwerk erdrückt. Mit Lianenschlangen erwürgt. Vor allem um die
       lieblichen Kornblumen tut mir das leid, aber auch alles andere aus dem
       Blumenkasten ist grau geworden.
       
       Alles begann, nachdem mein Blumenkasten im letzten Jahr von kleinen Fliegen
       befallen worden war. Die Blumen der Freundin wurden gar von Fliegen bis zum
       letzten Spross verzehrt.
       
       In diesem Jahr dann fixte sie mich an: Eine dieser grünen Pillen hatte
       gereicht. Der Dünger-Pestizid-Mix macht die Fliegen tot und die Blumen
       proper. So einfach ist das! Zwar hätte mir das Logo des Bayer-Konzerns auf
       der Packung eine Warnung sein müssen. Aber ach: einfach rein damit. In
       einen Bierkrug mit Wasser, zwei Stunden warten, fertig ist der Wunschpunsch
       für den Blumenkasten: eine große grüne Wolke. Durchrühren, und rüber mit
       dem Chemie-Gebräu.
       
       Schon einen Moment später bereute ich: Was, wenn das Zeug nicht nur Fliegen
       töten würde, sondern auch Bienen und andere freundliche Brummkreiselinnen?
       Hatte es nicht im letzten Jahr so vorzüglich geklappt mit dem Kerbel? Der
       hatte nämlich mit fiesen Schleimarmen die Fliegen festgehalten, bis sie
       verhungerten.
       
       Und dieses Jahr: Mein Blumenkasten ein künstliches Plastikbiotop. Und was,
       wenn Bienen ihren Stockgenossinnen von der vergifteten Futterquelle
       erzählten? In Bienensprache, mit dem Schwänzeltanz.
       
       Unwahrscheinlich, tröstete ich mich. Wer an meinem Kasten nascht, tanzt
       nicht mehr. Die kontaminierten Bienen würden direkt in den Hinterhof
       fallen, bevor sie den Schwänzeltanz aufgeführt hätten, hoffte ich. Und wenn
       nicht: Vielleicht erkennen die Bienen schlechte Futterquellen auch daran,
       dass die schwänzelnden Bienen den sterbenden Schwan machen. Oder komisch
       riechen. Schuld am Bienensterben will man ja trotz allem nicht sein.
       
       Fast todsicher auch: Bienen, die länger als ein paar Sekunden summen,
       müssen ab sofort genauer in den Blick genommen werden. Denn sie könnten ja
       Überwachungsbienen vom BKA sein, Roboter, denen das Konzerngift nichts
       anhaben kann.
       
       Fragen sollte man sich auch, warum die Sonnenblumen - übrigens ein
       Wahlkampfgeschenk der grünen Partei, das sich in der "Schublade, die alles,
       was Unordnung macht, enthält", befindet - warum also gerade die
       Sonnenblumen so steil in den Himmel gewachsen sind. Leicht erklärt ist das
       für Verschwörungstheoretiker: Wer 2003 mit Freude Öko-Kapitalismus machte
       und Hartz IV einführte, ist auch mit Bayer im Bett. Und in Wirklichkeit
       befand sich Bayer-Gentechnik-Saatgut in dem Beutelchen mit einer Aufschrift
       wie "Hilf Grün beim Wachsen".
       
       Die ausgewachsenen Gelblinge sind mir jedenfalls vollkommen unsympathisch.
       Militärisch angeordnet wachsen sie auf dem Feld, ordentlich, platzsparend,
       effizient auch die Öl-Kerne in den Turbo-Leistungspflanzen. Die gelbe
       Langeweile hat die Vielfalt erdrückt.
       
       Dabei würden 20 Prozent Sonnenblumen doch wirklich reichen!
       
       18 Jul 2011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Julia Seeliger
       
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