# taz.de -- Streit der Woche: Bier in der Bahn?
> Die Kunst des "Vorglühens" zwischen Jungfernstieg und Reeperbahn gehört
> bald der Vergangenheit an: Hamburg verbietet den Alkoholkonsum im
> Nahverkehr. Sollten weitere Städte folgen?
(IMG) Bild: Bierchen in der Bahn? In Hamburg wird das bald bestraft.
Zum 1. September soll Schluss sein mit dem kleinen Feierabendbier und dem
großen Rausch im Hamburger Nahverkehr. Auf Anregung der SPD folgt der
Verkehrsverbund damit Verboten in München, Stuttgart und in der
niedersächsischen Privatbahn Metronom. Einen Monat lang soll es eine
"Verwarnphase" geben, in der Alkohol trinkende Fahrgäste zwar ermahnt
werden, aber noch kein Strafgeld zahlen müssen. Wer sich nach dem 1.
Oktober erwischen lässt, soll 40 Euro Strafe zahlen. Für die Durchsetzung
des Verbots sollen 110 zusätzliche Sicherheitsmitarbeiter sorgen, die ab
2012 ohnehin eingestellt werden sollten. Jetzt kommen sie früher.
"Wir wollen, dass sich unsere Fahrgäste sicher und wohl fühlen", begründet
Ulrich Sieg vom Vorstand der Hamburger Hochbahn das Verbot. Er beruft sich
auf eine telefonische Umfrage unter 1.200 Hamburgern, wonach eine große
Mehrheit den Alkohol-Konsum als störend empfindet. Immerhin 86 Prozent der
Befragten – Nahverkehrs-Nutzer wie Nichtnutzer – sprachen sich für das
Verbot aus. Unter den 16- bis 29-Jährigen lag die Zustimmung dagegen bei
unter 30 Prozent.
2010 hatte die Hamburger SPD angeregt, dem Vorstoß der
Metronom-Eisenbahngesellschaft zu folgen. Die Privateisenbahn war an den
Wochenenden zu einer rollenden Kneipe für Fußballfans, Schützenvereine und
Kegelclubs geworden. Nach Angaben der Firma mussten die Putztrupps nach
Einführung des Alkoholverbots nur noch 55 statt 163 Tonnen Müll pro Monat
aus den Metronom-Zügen schaffen. Die Vandalismusschäden hatten sich demnach
um 30 Prozent verringert; die Zahl der Straftaten um 55 Prozent.
Berlin ist eine der wenigen deutschen Städte. die "maßvollen" Alkoholkonsum
im Nahverkehr weiterhin erlaubt, so lange andere Fahrgäste "nicht über
Gebühr gestört" werden. Im Ernstfall wird die Polizei geholt. Die Berliner
Verkehrsbetriebe würde sich dem Verbot gerne anschließen, doch Innensenator
Ehrhart Körting (SPD) winkte ab. Für ein Verbot gebe es "keinen Bedarf",
sagte seine Sprecherin im Juni. Die Berliner CDU spricht sich im Wahlkampf
für ein härteres Durchgreifen aus.
Bevor in Hamburg jedoch Ruhe und Ordnung einkehrt, macht sich die Stadt auf
eine besondere Überraschung gefasst. Ein Spaßvogel hat über Facebook zu
einem "HVV-Abschiedstrinken" am 30. September aufgerufen – und Tausende
Nutzer haben ihr Kommen bereits zugesagt. Der HVV befürchtet ähnliche
Dimensionen wie bei einer Party in Londons U-Bahn vor drei Jahren, als
Zehntausende anlässlich des Alkoholverbots die Waggons stürmten und hohen
Sachschaden anrichteten.
Was meinen Sie? Ist das Verbot ein Zeichen von Regulierungswut und
Intoleranz? Oder sind alkoholisierte Fahrgäste ein Ärgernis für alle
anderen Passagiere? Sollten sich weitere Städte anschließen?
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23 Aug 2011
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