# taz.de -- Wahlen in Liberia: Nobelpreisträgerin muss zittern
       
       > Ganz Liberia wartet gespannt auf die Bekanntgabe der Wahlergebnisse. Eine
       > Stichwahl zwischen Ellen Johnson Sirleaf und Winston Tubman ist
       > wahrscheinlich.
       
 (IMG) Bild: Kommt wohl in die Stichwahl: der Oppositionspolitiker Winston Tubman mit seiner Frau Nancy nach der Stimmabgabe am 11. Oktober in Monrovia.
       
       MONROVIA taz | Mulbah Morlu steht im Regen. Sein rotes T-Shirt ist
       durchnässt, ab und zu schüttelt sich der bullige Mann. Trotzdem wettert er
       weiter gegen die liberianische Noch-Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf (72)
       von der Unity Party (UP): "Was hat sie in den vergangenen sechs Jahren für
       uns getan? Gar nichts", sagt er. Mehrere 100 Menschen stimmen ihm zu.
       
       Sie sind Mitglieder der größten Oppositionspartei, des Congress for
       Democratic Change (CDC), und leben seit Tagen zwischen Bangen und Hoffen.
       Schafft es ihr Präsidentschaftskandidat Winston Tubman in die nächste
       Runde? Oder bekommt Johnson Sirleaf, die vor einer Woche zur
       Friedensnobelpreisträgerin ernannt worden war, am Ende die absolute
       Mehrheit?
       
       Nach ersten Ergebnissen der Wahlkommission sieht es danach nicht aus. Weder
       Präsidentin Mama Elli noch ihr Herausforderer Winston Tubman haben mehr als
       50 Prozent der Stimmen. Allerdings fehlt noch die große Mehrheit der
       Wahlkreise.
       
       Mulbah Morlu, Vorsitzender der CDC-Mobilisierungsteams, glaubt nicht an die
       Zahlen der Kommission, nach denen die Präsidentin in Führung liegt. Seine
       Partei hat eigene Hochrechnungen gemacht. "Wir liegen mit 48 Prozent ganz
       weit vorne. UP hat gerade mal 36 Prozent", sagt er. Zu verdanken sei das
       dem guten Führungsdoppel.
       
       ## Georg Weahs zweiter Anlauf
       
       International bekannt ist vor allem der mögliche Vize George Weah,
       Weltfußballer des Jahres 1995. Schon vor sechs Jahren wollte der heute
       45-jährige Staatschef werden – unterlag jedoch Johnson Sirleaf in der
       Stichwahl. Weah gilt als jemand, der Jungwähler mobilisiert hat. Viele von
       ihnen fühlen sich von der Präsidentin nicht ernst genommen. "Die macht doch
       nur etwas für ihre Elite", ärgert sich Mary Cooper, die schon seit Stunden
       den CDC-Aktivisten an den Lippen hängt: "Ich habe für Weah und Tubman
       gestimmt."
       
       Elite ist allerdings auch der eigentliche CDC-Kandidat, der 70-jährige
       Tubman. Wie Johnson Sirleaf studierte er in Harvard. In den 1980er Jahren
       wurde der Jurist Justizminister. Karriere machte er bei der UNO und gehörte
       Missionen im Irak, in Kuwait und Somalia an. Sein größtes Plus – so finden
       seine Anhänger – sei, dass er nie den einstigen brutalen Herrscher Charles
       Taylor unterstützt hat.
       
       Ellen Johnson Sirleaf ließ diesem indes große Geldsummen zukommen. Viele
       Liberianer haben der Präsidentin das zwar verziehen, doch für die
       Opposition bleibt es ein gefundenes Fressen. Tubman, so spötteln jedoch die
       Anhänger von Mama Elli, gilt als ewiger Parteiwechsler und ging 2005 als
       Kandidat der National Democratic Party of Liberia (NDPL) ins Rennen. Bis
       2011 wechselte er das Parteibuch mehrfach.
       
       Kommt es zu einer Stichwahl zwischen Tubman und Johnson Sirleaf, könnten
       übrigens die Anhänger von Prince Johnson zum Zünglein an der Waage werden.
       Der einstige Kriegsherr liegt nach bisherigen Ergebnissen zwar abgeschlagen
       an dritter Stelle, soll sich aber – so wird kolportiert – schon auf seine
       Rolle als Königsmacher freuen.
       
       14 Oct 2011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Katrin Gänsler
       
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