# taz.de -- Niebel blockiert Yasuni-Initiative: Die Regenwald-Revolte der Union
       
       > FDP-Minister Dirk Niebel gerät in Bedrängnis: Er weigert sich, in den
       > Yasuni-Regenwald-Fonds in Ecuador einzuzahlen. Nun stellen sich die
       > Fachpolitiker der Union gegen ihn.
       
 (IMG) Bild: Staunend im Regenwald: Deutsche Bundestagsabgeordnete besuchen den Yasuni Nationalpark.
       
       BERLIN taz | Eigentlich konnte sich Dirk Niebel auf die Fachpolitiker aus
       der Koalition bisher immer verlassen. Sei es die umstrittene
       Personalpolitik vom Anfang der Legislaturperiode oder die oft kontroverse
       inhaltliche Linie - stets trugen die Kolleginnen und Kollegen die Politik
       des FDP-Entwicklungsministers loyal mit. Damit ist es nun erst einmal zu
       Ende.
       
       Die Entwicklungspolitiker der Union sind verstört über die Politik Niebels.
       Der Grund: seine beharrliche Weigerung, in den Yasuni-Treuhandfonds
       einzuzahlen, mit dessen Hilfe Ecuador dafür entschädigt werden soll, in dem
       Naturschutzgebiet nicht nach Öl zu bohren.
       
       "Wir erwarten jetzt endlich konstruktive Vorschläge des Ministers", sagt
       Unionsfraktionsvize Christian Ruck, "und nicht nur Angriffe auf die
       Italiener". Vergangene Woche hatte Niebel Italien dafür kritisiert, dass
       das Land Ecuador unterstützt und im Gegensatz zu Deutschland in den Fonds
       einzahlt.
       
       Vor gut einem Jahr hatte Niebel die deutsche Unterstützung für den
       Treuhandfonds abgesagt. Der Fonds ist ein neuer Ansatz: Ecuador erklärte
       sich bereit, auf Ölbohrungen im Yasuni-Nationalpark zu verzichten, wenn die
       internationale Gemeinschaft rund die Hälfte der damit entgehenden Einnahmen
       als Entschädigung zahlt.
       
       ## Schutz für Biodiversität und Indigene
       
       2008 stimmte der Bundestag dem Projekt mit großer Mehrheit zu - auch
       Unions-Mann Ruck war schon damals ein prominenter Fürsprecher des Projekts.
       Dann erklärte Entwicklungsminister Niebel jedoch, der Fonds solle nicht
       unterstützt werden. Man wolle kein "Geld für Unterlassen" zahlen, keinen
       Präzedenzfall schaffen. Von dieser Meinung scheint es kein Abweichen zu
       geben. Erst im September bestätigte Niebel seine Position in der taz.
       
       "Seine Haltung kann ich nicht nachvollziehen", kritisiert nun auch Rucks
       Fraktionskollegin Annette Hübinger (CDU). "Niebel setzt den Willen des
       Parlaments nicht um."
       
       Nur mit dem Fonds könne Ecuador aus dem Dilemma herauskommen, betonte die
       in der Union für Lateinamerika zuständige Entwicklungspolitikerin. Denn vor
       Ort müssten Biodiversität und indigene Völker geschützt werden. Und Ecuador
       hatte wiederholt betont, dass es die Einnahmen aus den Ölvorkommen
       eigentlich dringend für die wirtschaftliche Entwicklung brauche. Der Umgang
       Niebels mit der Unionsfraktion schaffe nun "eine sehr schwierige
       Situation", sagt Hübinger. "Man wird einfach abgebügelt."
       
       ## "So geht es nicht"
       
       Doch der Ärger des Koalitionspartners geht über die
       Meinungsverschiedenheiten bei dem Regenwaldprojekt hinaus. Die Union fühlt
       sich insgesamt von dem FDP-Entwicklungsminister zunehmend übergangen.
       Zuletzt auch bei der Abstimmung der neuen Entwicklungsstrategie und der
       Festlegung der neuen Länder-Prioritätenliste der Regierung. "Wir werden
       provoziert", heißt es aus Fraktionskreisen, "so geht es nicht".
       
       "Wir haben das Gefühl, am Katzentisch zu sitzen", fasst es der
       stellvertretende entwicklungspolitische Sprecher der Union, Jürgen Klimke,
       zusammen. Bei der Länderliste seien die Fachpolitiker seiner Fraktion viel
       zu spät eingeschaltet worden.
       
       "Für Niebel sind wir kein gleichberechtigter Partner", klagt der Hamburger
       Bundestagsabgeordnete. Klein beigeben wollen die Unionspolitikerinnen und
       -politiker jedoch nicht. "Ich komme mit dem Konflikt schwer klar", sagt
       Annette Hübinger, "aber ich bin kämpferisch gestimmt."
       
       18 Oct 2011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gordon Repinski
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Ecuador
 (DIR) Yasuni Nationalpark
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Yasuní-Nationalpark in Ecuador: Das Volk soll den Park retten
       
       Zu wenig Geldzusagen: Nun wollen Umweltschützer das Yasuní-Gebiet in
       Ecuador mit einer Volksabstimmung retten. Eine Umfrage macht ihnen Mut.
       
 (DIR) Ölförderung im Amazonasgebiet: Ecuador bohrt im Weltkulturerbe
       
       Das Schutzabkommen ist gescheitert. Im Yasuní-Nationalpark soll nun doch Öl
       gefördert werden. Ecuadors Präsident weist alle Schuld von sich.
       
 (DIR) Yasuní-Regenwald in Ecuador: Doppelstrategie für Geld und Öl
       
       Ecuadors Regierung verkündet, das Ziel von 100 Millionen Dollar für den
       Erhalt des Yasuní-Regenwalds sei erreicht. Zugleich laufen die
       Vorbereitungen für die Ölförderung.
       
 (DIR) Entwicklungshilfeministerium feiert: Die Niebel-Schelte des Präsidenten
       
       Dirk Niebels Ministerium feiert sich selbst zum 50. Geburtstag, alles ist
       harmonisch. Bis Bundespräsident Christian Wulff eine bemerkenswerte Rede
       hält.
       
 (DIR) Dirk Niebel über Entwicklungshilfe: "Wir sind keine Kolonialherren"
       
       Dirk Niebel spricht über 68er in Afrika, über mehr Geld und seinen Plan,
       die Spuren seiner Vorgängerin zu tilgen: "Karitative Tätigkeit ist 'nice to
       have'".
       
 (DIR) Kommentar Yasuni-Projekt: Symbol für die Sackgasse
       
       Beim Yasuni-Projekt spielt FDP-Minister Niebel eine besonders destruktive
       Rolle. Doch die Unionsparteien wollen zeigen, dass ihnen Ökologie etwas
       wert ist. Auch Geld.
       
 (DIR) Debatte Die Yasuní-Initiative: Öl oder Leben
       
       Ecuador möchte das Erdöl im Amazonasdschungel im Boden lassen. Das ist eine
       revolutionäre Idee, die auf heftige Gegenwehr stößt. Eine Entgegnung auch
       auf Dirk Niebels Position.
       
 (DIR) Regenwaldprojekt in Ecuador vor dem Aus?: Kein Geld gegen Öl
       
       Für die "Dschungel statt Öl"-Initiative im Yasuní-Nationalpark wurde bisher
       nur ein Bruchteil der Mittel eingezahlt. Darum könnte die Ölförderung
       nächstes Jahr beginnen.
       
 (DIR) Yasuni-Regenwaldprojekt: Dirk Niebel ist der Urwald egal
       
       Eigentlich will Ecuador im Regenwald kein Erdöl fördern. Das Projekt ist
       Thema bei der nächsten UN-Generalversammlung. Dirk Niebel will nicht viel
       für die Yasuni zahlen.